Ukraine-Wirtschaft, Russland-Sanktionen

Ukraine-Wirtschaft: Wiiw senkt Prognose auf 0,6 Prozent

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 09:42 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche rechnet wegen der russischen Angriffe mit deutlich schwächerem Wachstum in der Ukraine. Zugleich sieht es Russland trotz Sanktionen und Treibstoffkrise weiterhin in der Lage, den Krieg zu finanzieren.

Folgen für Energie und Exporte

  • Das wiiw senkte die ukrainische Wachstumsprognose für 2026 auf 0,6 Prozent.
  • Für 2027 erwartet das Institut 2,1 Prozent Wachstum bei ausreichender Unterstützung.
  • Die ukrainischen Getreideexporte sanken im August binnen Monatsfrist um 70 Prozent.
Wirtschaftsinstitut: Wirtschaft des Landes «mit dem Rücken zur Wand». - Bild: Andrii Marienko/AP/dpa

Wiiw senkt Prognose für die Ukraine

Die wirtschaftlichen Aussichten der Ukraine haben sich nach Einschätzung des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche weiter eingetrübt. Das Institut senkte seine Prognose für das Wirtschaftswachstum 2026 auf 0,6 Prozent.

Damit liegt die Erwartung 0,4 Prozentpunkte unter der Juli-Prognose. Als Gründe nennt das wiiw die massiven russischen Angriffe auf Energieanlagen, Infrastruktur und Verladeeinrichtungen am Schwarzen Meer.

Ukraine steht vor dem fünften Kriegswinter

Für 2027 revidierte das Institut seine Wachstumserwartung ebenfalls um 0,4 Prozentpunkte nach unten auf 2,1 Prozent. Diese Prognose gilt nur unter der Voraussetzung, dass die Ukraine ausreichend finanzielle und militärische Unterstützung aus dem Ausland erhält.

Der bevorstehende fünfte Kriegswinter werde das Land vor eine harte Bewährungsprobe stellen, erklärte die Ukraine-Expertin Olga Pindyuk. Die Fachleute des Instituts bewerten die weitere Unterstützung zugleich als zunehmend ungewiss.

Angriffe treffen Exporte und Industrie

Nach Angaben des wiiw brachen die ukrainischen Getreideexporte im August im Vergleich zum Juli um 70 Prozent ein. Auch die Stahlindustrie leidet demnach erheblich unter den Angriffen.

Zusätzliche Belastungen entstehen durch die starke Teuerung und hohe Zinsen. Beschädigte Energie- und Transportstrukturen erschweren damit sowohl die laufende Produktion als auch den Wiederaufbau.

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Russland kann Krieg weiter finanzieren

Auch Russland kämpft laut wiiw mit den wirtschaftlichen Folgen des Angriffskrieges. Russland-Experte Vasily Astrov erklärte jedoch, Präsident Wladimir Putin werde auch im kommenden Jahr keine Probleme haben, den Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren.

Der russische Staat könne sich weiterhin bei inländischen Banken Geld leihen. Für Russland prognostiziert das Institut 0,6 Prozent Wachstum 2026 und 1,3 Prozent im Jahr 2027.

Treibstoffkrise belastet Moskau

Ukrainische Drohnenangriffe auf russische Raffinerien führten nach Angaben des Instituts zu einer Treibstoffkrise und heizten die Inflation an. Moskau reagierte mit einem Exportverbot für Treibstoffe.

Dadurch profitiere Russland weniger stark von den derzeit hohen Weltmarktpreisen, so die Ökonomen. Zusätzlich belasteten westliche Sanktionen die russische Industrie.

Die Prognose des Wiener Instituts macht deutlich, wie eng die wirtschaftliche Entwicklung der Ukraine an die militärische Lage und die internationale Unterstützung gekoppelt ist. Ein Wachstum von 0,6 Prozent bedeutet unter den Bedingungen eines anhaltenden Krieges keinen breiten Aufschwung: Zerstörte Energieanlagen, beschädigte Häfen und Belastungen für die Industrie begrenzen Produktion und Exporte.

Besonders schwer wiegt die Energiefrage. Russland greift wiederholt die ukrainische Infrastruktur an, während der bevorstehende fünfte Kriegswinter den Bedarf an verlässlicher Strom- und Wärmeversorgung erhöht. Für Unternehmen verteuern Inflation und hohe Zinsen zugleich Investitionen und Kredite. Der Einbruch der Getreideausfuhren zeigt, dass die Folgen nicht auf einzelne Regionen beschränkt bleiben, sondern zentrale Einnahmequellen des Landes treffen.

Finanzierung bleibt entscheidend

Die Perspektive für 2027 hängt laut Prognose ausdrücklich von ausreichender finanzieller und militärischer Hilfe ab. Damit wird die wirtschaftliche Stabilisierung zu einer internationalen Aufgabe: Unterstützung muss nicht nur den Staatshaushalt sichern, sondern auch Energieversorgung, Logistik und Produktionskapazitäten schützen.

Russland steht trotz Sanktionen und Treibstoffproblemen wirtschaftlich ebenfalls unter Druck. Die Einschätzung, dass der Kreml den Krieg weiter finanzieren kann, verweist jedoch auf die größere finanzielle Widerstandsfähigkeit des russischen Staates. Für die Ukraine bleibt deshalb entscheidend, ob externe Hilfe verlässlich genug ist, um den wirtschaftlichen Abwärtssog zu bremsen und den Wiederaufbau vorzubereiten.

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