Trier probt Stromausfall: Alle 25 Notfall-Anlaufstellen gleichzeitig aktiv
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 23:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Am 26. September 2026 führten Einsatzkräfte in Rheinland-Pfalz den zweiten landesweiten Übungstag für den Brand- und Katastrophenschutz durch. Unter der Koordination des Landesamtes für Brand- und Katastrophenschutz (LfBK) trainierten rund 3500 Einsatzkräfte in 180 Einheiten die Bewältigung komplexer Notfalllagen. Das einheitlich vorgegebene Szenario basierte auf einem schweren Unwetterereignis mit Starkregen, Gewittern und massiven Sturmböen.
Koordinierte Übungsszenarien zwischen Speyer und Trier
In Speyer und der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen waren rund 90 Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes, der Feuerwehr und des THW Speyer beteiligt. Für die Koordination der mehr als 50 fiktiven Einsatzlagen wurde eine Technische Einsatzleitung (TEL) eingerichtet.
In Speyer selbst arbeiteten die Einheiten 43 Einsätze an sieben verschiedenen Stationen ab. Zu den Aufgaben gehörten das Auspumpen einer Tiefgarage, die Bewältigung eines Ölunfalls sowie die Rettung von Personen auf dem Rhein.
Zeitgleich probten in Trier mehr als 150 Kräfte des Katastrophenschutzes das Vorgehen bei einem großflächigen Stromausfall. In diesem Szenario fiel nach einem simulierten Unwetter zunächst die Stromversorgung auf der linken Moselseite aus, bevor später auch die rechte Seite betroffen war.
Erstmals wurden dabei alle 25 Notfall-Anlaufstellen im Stadtgebiet gleichzeitig in Betrieb genommen. An der Übung waren neben der Berufsfeuerwehr und elf freiwilligen Feuerwehren auch Hilfsorganisationen wie das DRK, der ASB, die DLRG und der Malteser Hilfsdienst sowie die Stadtverwaltung und die Stadtwerke Trier beteiligt.
Die Freiwillige Feuerwehr Kaiserslautern kombinierte den Übungstag mit einer Marschübung nach Zweibrücken. Die dortigen Szenarien umfassten Gebäudebrände nach Blitzeinschlägen, Wasserrettungen und das Abpumpen großer Wassermengen. In den Ablauf waren die Integrierte Leitstelle Kaiserslautern, die Feuerwehr-Einsatzzentrale und das Lagezentrum Bevölkerungsschutz des LfBK eingebunden.
Identifizierte Defizite in Technik und Personalplanung
Die im Rahmen des landesweiten Übungstags gewonnenen Erkenntnisse werden an das rheinland-pfälzische Innenministerium übermittelt. Erste Auswertungen zeigten konkrete Problemfelder auf. So kam es zu Personalausfällen durch Krankheit, und in der Leitstellen-Software fehlten zum Teil spezifische Übungseinsätze.
Beim landesweiten Übungstag in Rheinland-Pfalz wurden in Trier erstmals alle 25 Notfall-Anlaufstellen gleichzeitig in Betrieb genommen — und die Auswertung zeigte sofort Personalausfälle, fehlende Übungseinsätze in der Leitstellen-Software und nicht eingehaltene Zeitpläne. Wer diese Punkte vor dem Ernstfall klärt, spart im Krisenmodus wertvolle Stunden. Kostenlosen Leitfaden zur Stromausfall-Vorsorge anfordern
Zudem konnte der vorgesehene Zeitplan aufgrund der realen Verkehrslage nicht an allen Stellen eingehalten werden. Auch in Trier wurden kleinere technische Schwierigkeiten dokumentiert, die nun analysiert werden sollen.
Bundesweite Schwerpunkte bei Klinik-Sicherheit und Tunnel-Einsätzen
Parallel zum Übungstag in Rheinland-Pfalz fanden bundesweit weitere Großübungen statt. Im nordrhein-westfälischen Warburg trainierten rund 1000 Einsatzkräfte mit etwa 160 Fahrzeugen unter dem Namen „DIEMELSTURM.HX26“. Hintergrund dieser Übung war die Aufarbeitung des Tornados in Paderborn aus dem Jahr 2022. Das Szenario umfasste einen Busunfall sowie eine eingestürzte Bühne mit rund 30 Verletzten.
Das Klinikum Karlsruhe nutzte das Wochenende für eine Übung zum Massenanfall von Verletzten (MANV). Simuliert wurde eine Explosion mit Großbrand in der Heizzentrale. Rund 70 Klinikmitarbeitende und ca. 50 Kräfte der Feuerwehr Karlsruhe setzten dabei den im Dezember 2025 veröffentlichten Rahmenplan für Krankenhausalarmpläne um.
Ein ähnliches Szenario wurde am 25. September 2026 im Krankenhaus Vilshofen erprobt, wo der Zusammenstoß zweier Flugzeuge simuliert wurde. Hierbei wurden 15 Verletzte durch den Rettungsdienst des BRK-Kreisverbandes Passau in die Klinik gebracht und durch die ärztliche Leitung triagiert.
Auch die Sicherheit in Verkehrstunneln stand im Fokus. Am Samstagabend übten rund 200 Einsatzkräfte am Katzenbergtunnel auf der A3 bei Würzburg einen Auffahrunfall mit Rauchentwicklung und austretenden Pflanzenschutzmitteln. In Surberg bei Traunstein trainierten 71 Kräfte am Ettendorfer Tunnel die Wasserversorgung bei einem schweren Unfall mit mehreren Fahrzeugen.
Neue Standards in der Ausbildung für Freiwillige Feuerwehren
Flankiert wurden die praktischen Übungen durch Neuerungen in der Ausbildung. In Soest informierte die Arbeitsgemeinschaft der Feuerwehren der Kreise Soest, Unna, Coesfeld und der Stadt Hamm über die neue Grundlagenausbildung in Nordrhein-Westfalen. Das vom Institut der Feuerwehr NRW entwickelte Konzept sieht vor, dass Einsatzkräfte künftig alle Truppfunktionen einer Staffel oder Gruppe wahrnehmen können.
Personalmangel und fehlende Übungseinsätze in der Leitstellen-Software gehören zu den dokumentierten Schwachstellen des Übungstags — beides lässt sich vorbereiten, bevor der Strom tatsächlich ausfällt. Der Leitfaden zeigt, wie Sie Übungseinsätze in Ihrer Leitstellen-Software anlegen und Personalengpässe in der Planung abfedern. Schritt-für-Schritt-Übungsleitfaden jetzt sichern
In Ruhpolding wurde zudem ein Pilotlehrgang zur Tunnelbrandbekämpfung für den Kreisfeuerwehrverband Traunstein durchgeführt. In diesem Lehrgang wurden 15 Teilnehmer in der Erkundung und Menschenrettung unter verrauchter Atmosphäre geschult, was als Teil der Feuerwehraktionswoche 2026 gewertet wird.
