Transportgewerbe, Prüfungen

Transportgewerbe: Prüfungen in acht Sprachen ab sofort möglich

27.05.2026 - 22:30:47 | boerse-global.de

Neue Verordnung erlaubt Fahrerprüfungen in acht Fremdsprachen, um den Fachkräftemangel im Transportgewerbe zu bekämpfen.

Transportgewerbe: Prüfungen in acht Sprachen ab sofort möglich - Foto: über boerse-global.de
Transportgewerbe: Prüfungen in acht Sprachen ab sofort möglich - Foto: über boerse-global.de

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch eine Verordnung verabschiedet, die den Fachkräftemangel im Transportgewerbe bekämpfen soll. Künftig können Fahrer die beschleunigte Grundqualifikation in acht Fremdsprachen ablegen – ein Novum, das vor allem ausländischen Arbeitskräften den Zugang zur Branche erleichtern dürfte.

Mehr Sprachen, weniger Hürden

Die neue Regelung erlaubt Prüfungen für die beschleunigte Grundqualifikation auf Englisch, Arabisch, Kroatisch, Polnisch, Rumänisch, Russisch, Türkisch und Ukrainisch. Hinzu kommt eine Erweiterung der theoretischen Führerscheinprüfungen um Ukrainisch und Kurmandschi. Die Maßnahmen sollen noch 2026 in Kraft treten.

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„Das ist ein echter Befreiungsschlag für die Branche“, dürften sich viele Spediteure denken. Der Fachkräftemangel im Güter- und Personenverkehr ist seit Jahren eklatant – tausende Stellen bleiben unbesetzt.

Führerscheinumstellung wird einfacher

Auch bei der Anerkennung ausländischer Führerscheine gibt es Fortschritte. EU-Fahrerlaubnisse, die ursprünglich aus Drittstaaten umgeschrieben wurden, werden künftig anerkannt. Die Ukraine und Montenegro wurden offiziell in die Fahrerlaubnisverordnung aufgenommen – Fahrer aus diesen Ländern können ihre Lizenzen ohne Zusatzprüfungen umschreiben lassen.

Die praktische Prüfungszeit für Berufskraftfahrer sinkt zudem von 210 auf 120 Minuten. Ein deutliches Signal an alle, die bisher vor dem bürokratischen Aufwand zurückschreckten.

Internationale Unterschiede

Während Deutschland auf sprachliche Flexibilität setzt, gehen andere Länder eigene Wege. Die US-Arbeitsbehörde verschärft ab Juni die Englisch-Anforderungen für ausländische Lkw-Fahrer. Polen hingegen bietet theoretische Fahrprüfungen in mehreren Städten auf Ukrainisch an – die praktische Prüfung bleibt auf Polnisch, ein Dolmetscher ist jedoch erlaubt.

Berlin hinkt hinterher

Trotz aller Neuerungen: Die Verwaltung bleibt ein Bremsklotz. In Berlin beträgt die durchschnittliche Bearbeitungszeit für den Umtausch alter Führerscheine derzeit zwölf Wochen. Dabei läuft eine wichtige Frist: Alle bis zum 19. Januar 2013 ausgestellten Lizenzen müssen bis Anfang 2033 umgetauscht sein. Besitzer von Führerscheinen aus den Jahren 2002 bis 2004 haben nur noch bis zum 19. Januar 2027 Zeit.

Die Berliner Behörden haben im vergangenen Jahr immerhin über 72.000 Kartenumtausche und knapp 20.000 Umschreibungen von Papierführerscheinen bewältigt.

Kontrollen und Konsequenzen

Dass Kontrollen nötig sind, zeigt ein aktueller Fall: Auf der A3 in Südosthessen stoppte die Verkehrspolizei am Dienstag zwei Schwertransporte aus Tschechien. Die Fahrzeuge fuhren in einer verbotenen Kolonne – die Weiterfahrt wurde untersagt, Sicherheitsleistungen von über 1.600 Euro fällig. Hinzu kamen manipulierte Prüfplaketten und Kennzeichenmissbrauch.

Wirtschaftlicher Hintergrund

Die Neuerungen kommen in einer schwierigen Phase. Die Treibstoffpreise sind zwar leicht gesunken – E10 um 2,7 Cent, Diesel um 4,5 Cent pro Liter binnen einer Woche. Doch der ADAC kritisiert, dass die Senkung hinter den gesunkenen Rohölpreisen zurückbleibt. Die Wirtschaftsprognosen wurden nach unten korrigiert: Nur noch 0,5 Prozent Wachstum erwartet man für 2026, die Inflation soll bei drei Prozent liegen.

Digitalisierung kommt in Gang

Die EU treibt parallel die digitale Infrastruktur voran. Der digitale Führerschein auf dem Smartphone – Teil des EU-Digital-Wallet-Projekts – soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 eingeführt werden. Freiwillig und sicher, heißt es offiziell. Datenschützer zeigen sich skeptisch.

Was bringt die Zukunft?

Der TÜV SÜD wurde kürzlich von Luxemburg und Irland als Technischer Dienst Typ C zertifiziert – ein Schritt, der die Erstzulassung neuer Fahrzeugmarken in der EU erleichtert. Ähnliche Erweiterungen sind für Schweden und die Niederlande geplant.

Ob die neuen Sprachregelungen den Fahrermangel tatsächlich lindern, wird sich zeigen. Die Integration von Fahrern aus der Ukraine und Montenegro, kürzere Prüfzeiten und mehr Sprachen – das Paket klingt vielversprechend. Doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben angespannt. Die Branche hofft auf Besserung.

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