Transporter-CO2-Ziel: EU-Ausschüsse senken Vorgabe für 2035 auf 80 Prozent
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 01:13 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Umwelt- und der Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments wollen die Vorgaben zur Dekarbonisierung von gewerblichen Flotten abschwächen und zugleich das Reduktionsziel für neue Transporter bis 2035 auf 80 Prozent herabsetzen.
Am 04. November 2026 votierten die beiden Fachausschüsse ENVI und TRAN gemeinsam für einen entsprechenden Kompromiss der Fraktionen EVP, S&D und Renew. Das Votum fiel mit 89 Ja-Stimmen, 29 Nein-Stimmen und 4 Enthaltungen aus.
Abkehr von festen Elektro-Quoten für Großunternehmen
Mit dem Beschluss rücken die Fachausschüsse von starren Verpflichtungen ab. Ursprünglich vorgesehene verbindliche Beschaffungsziele für Unternehmensflotten für die Jahre 2030 und 2035 werden durch unverbindliche nationale Zielvorgaben ersetzt.
Konkret strich der Ausschuss die verbindliche Quote für emissionsfreie Fahrzeuge, die für Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten und über 50 Millionen Euro Umsatz gelten sollte. An ihre Stelle treten unverbindliche nationale Richtwerte, die sich für 2030 und 2035 in einem Rahmen von 67 bis 95 Prozent bewegen.
Die Mitgliedstaaten sollen stattdessen nationale Pläne zur Zulassung sauberer Firmenfahrzeuge erarbeiten. Flotten gelten als zentraler Hebel im Mobilitätssektor: Unternehmen zeichnen für 58 Prozent der Neuzulassungen bei Personenkraftwagen und für 90 Prozent der neuen Transporter verantwortlich. Im Jahr 2025 lag der reine Elektroanteil bei den gewerblichen Pkw bei 17 Prozent, während der gesamte EU-Durchschnitt 17,4 Prozent betrug.
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Neben den Beschaffungsregeln senkten die Abgeordneten auch die CO2-Flottengrenzwerte für Transporter. Für das Jahr 2030 sinkt das Minderungsziel auf 35 Prozent; die Europäische Kommission hatte 40 Prozent vorgeschlagen, das geltende Recht sah bislang 50 Prozent vor.
Für das Zieljahr 2035 wurde der Wert auf 80 Prozent festgelegt, verglichen mit dem Kommissionsvorschlag von 90 Prozent und der bisherigen gesetzlichen Vorgabe einer vollständigen Emissionsfreiheit von 100 Prozent.
Darüber hinaus stimmte der Umweltausschuss in einer separaten Abstimmung mit 48 Ja-Stimmen, 30 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen einer Anpassung der Pkw-Flottenziele zu. Zuvor hatten der Industrieausschuss mit 49 zu 27 Stimmen bei 5 Enthaltungen sowie der Verkehrsausschuss mit 27 zu 18 Stimmen bei einer Enthaltung votiert.
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Das Pkw-CO2-Ziel für 2035 wird auf 95 Prozent statt 100 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2021 gesenkt. Unter Einrechnung von Gutschriften für in der EU gefertigten CO2-armen Stahl kann das Ziel auf bis zu 87,5 Prozent sinken. Die Kommission hatte zuvor 90 Prozent vorgeschlagen, was einem Ausstoß von 11 Gramm pro Kilometer entsprach.
Der Rahmen für Transporter und Flotten umfasst zudem neu eingeführte fünfjährige Erfüllungszeiträume sowie Gutschriften für CO2-armen Stahl aus europäischer Produktion im Umfang von bis zu 7,5 Prozentpunkten, die bis 2034 auf maximal 3 Prozentpunkte begrenzt werden.
Ferner erweiterten die Ausschüsse die Definition emissionsfreier Fahrzeuge auf Modelle, die ausschließlich mit erneuerbaren Kraftstoffen betrieben werden und eine Treibhausgasminderung von mindestens 65 Prozent erzielen. Schwere Nutzfahrzeuge bleiben weiterhin ausgenommen; der Verweis auf mögliche Kaufziele für Lastkraftwagen und Busse ab 2027 wurde gestrichen.
Streit über Industriepolitik und nächste Schritte
Die Neuregelung enthält zudem industriepolitische Klauseln: Öffentliche Finanzhilfen sollen künftig nur noch für emissionsfreie oder emissionsarme Firmenwagen und Transporter fließen, die in der EU produziert werden. Die Definition soll sich am Netto-Null-Beschleunigungsgesetz orientieren. Während der Ko-Berichterstatter François Kalfon von der S&D als Stichtag das Jahr 2028 nannte, ist in einem begleitenden Kommuniqué das Jahr 2032 angegeben.
Kalfon kritisierte den Parlamentskompromiss scharf und bezeichnete die Ersetzung verbindlicher Quoten durch indikative nationale Ziele als echten Rückschritt. Zuvor hatten sich Deutschland und sechs weitere Staaten für eine Abschwächung ausgesprochen, während Frankreich die Seite wechselte und im Gegenzug Unterstützung für Vorgaben zur Bevorzugung europäischer Fertigung erhielt.
Der Branchenverband IRU begrüßte das Votum hingegen als politische Kursänderung und forderte, dieselben Grundsätze auch bei der für 2027 anstehenden CO2-Überprüfung für schwere Nutzfahrzeuge anzuwenden.
Über die Novelle stimmt voraussichtlich im Dezember 2026 das Plenum des EU-Parlaments ab. Anschließend muss der Rat der Europäischen Union den Plänen mit qualifizierter Mehrheit zustimmen, wofür mindestens 15 Mitgliedstaaten nötig sind, die mindestens 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren.
