Thyssenkrupp Steel: Bis 2030 sollen 11.000 Stellen wegfallen oder ausgegliedert werden
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 02:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In London hat die Führung von Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE) auf einem Kapitalmarkttag die künftige Strategie und konkrete Finanzziele für die Stahlsparte vorgestellt. Nach einem herausfordernden Geschäftsjahr 2024/2025, in dem ein bereinigtes Ebitda von 384 Millionen Euro erzielt wurde, strebt das Management eine deutliche Ergebnisverbesserung an.
Ziel ist ein bereinigtes Ebitda von mindestens 1,2 Milliarden Euro innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre sowie eine Marge von mindestens 11 Prozent und ein positiver Free Cashflow.
Sanierungsprogramm "Transform30+" und Stellenabbau
Ein wesentlicher Teil der erwarteten Ergebnisverbesserung soll durch interne Maßnahmen realisiert werden. Das Programm "Transform30+" sieht vor, mehr als 800 Millionen Euro zur Steigerung des Ergebnisses beizutragen. Davon entfallen jeweils 300 Millionen Euro auf den geplanten Stellenabbau sowie den Ausstieg bei den Hüttenwerken Krupp-Mannesmann (HKM).
Weitere 200 Millionen Euro sollen durch Prozessoptimierungen und Effizienzsteigerungen im Einkauf generiert werden. Strategisch setzt das Unternehmen verstärkt auf Premiumprodukte, die künftig 65 Prozent des Umsatzes ausmachen sollen.
Der geplante Umbau führt zu einer signifikanten Reduzierung der Belegschaft. Von den rund 27.000 Mitarbeitern im Jahr 2024 sollen bis zum Jahr 2030 noch rund 16.000 Beschäftigte verbleiben. Insgesamt umfasst der Prozess den Abbau oder die Ausgliederung von etwa 11.000 Stellen.
Ein Teil dieses Ziels wurde bereits umgesetzt: Rund 4.000 Stellen wurden bereits abgebaut, unter anderem durch den Verkauf der HKM-Anteile an Salzgitter im Juni, was rund 1.500 Stellen betraf. Vor Investoren warb das Management insbesondere mit dem bislang geräuschlosen Verlauf des Arbeitsplatzabbaus.
Konzernstrategie und geplanter Börsengang von TK Accelis
Thyssenkrupp-Konzernchef Miguel López stellte klar, dass eine unmittelbare Kapitalmarkttransaktion für die Stahlsparte derzeit nicht zur Debatte stehe. Der Verkaufsprozess an den Interessenten Jindal sei pausiert worden, da man eine Sanierung in Eigenregie anstrebe. Die Thyssenkrupp-Aktie notierte zum Wochenende bei 15,36 Euro und lag damit rund 65 Prozent über dem Vorjahreswert.
Der Kapitalmarkttag in London hat erstmals belastbare Finanzziele für die Stahlsparte geliefert: mindestens 1,2 Milliarden Euro bereinigtes Ebitda in drei bis fünf Jahren, nach zuletzt 384 Millionen Euro. Wer die Sanierung in Eigenregie, den geplanten Börsengang der Tochter und die Milliarden-Investition in grünen Stahl für sein Portfolio einordnen will, findet in diesem kostenlosen Report die wesentlichen Kennzahlen und Bewertungsansätze. Kostenlosen Analyse-Report anfordern
Parallel zur Sanierung der Stahlsparte forciert der Konzern die Verselbstständigung der Tochter TK Accelis, der ehemaligen Materials Services. Der Börsengang in Frankfurt wird noch im Oktober erwartet, wobei Thyssenkrupp laut Marktberichten 49 Prozent der Anteile veräußern will.
Durch die gewählte Unternehmensform einer AG & Co. KGaA beabsichtigt der Konzern, den beherrschenden Einfluss auch dann zu sichern, wenn die Beteiligung langfristig auf bis zu 30 Prozent sinken sollte. TK Accelis erwirtschaftete zuletzt mit 15.500 Mitarbeitern und rund 250.000 Kunden einen Jahresumsatz von 11,4 Milliarden Euro.
Politischer Rückenwind und Herausforderungen der Transformation
Trotz der Restrukturierung hält Thyssenkrupp am Bau der über 3 Milliarden Euro teuren Grünstahlanlage in Duisburg fest, für die rund 2 Milliarden Euro an Fördergeldern vorgesehen sind.
Unterstützung für die Transformation der Branche signalisierte auch Bundeskanzler Merz bei einem Besuch der Dillinger Hütte im Saarland. Er betonte die Notwendigkeit weiterer Entlastungen bei den Energiekosten und sicherte staatliche Unterstützung für den Umbau zu grünem Stahl zu.
Der geplante Wegfall von rund 11.000 Stellen bis 2030 und der weiterhin ungewisse Ausstieg bei den Hüttenwerken Krupp-Mannesmann zeigen, wie tief der Umbau in die Substanz der Stahlsparte greift. Wer die Risiken für Aktionäre und die Belastungen aus den Energiekosten der Grünstahl-Anlage realistisch einschätzen will, sollte die Zahlen des Kapitalmarkttags kennen. Risiko-Einordnung jetzt abrufen
Die Stahl Holding Saar (SHS) investiert rund 4,6 Milliarden Euro in den Umbau ihrer Standorte in Dillingen und Völklingen, wobei Bund und Land 2,6 Milliarden Euro beisteuern. Erste Bauwerke sind bereits fertiggestellt, die Inbetriebnahme ist für den Zeitraum 2028/29 geplant. Ab 2029 soll eine neue Pipeline jährlich 6.000 Tonnen Wasserstoff liefern.
Das Marktumfeld für europäische Hersteller hat sich durch Schutzmaßnahmen der EU-Kommission gegen Billigstahl-Importe, die seit Juli 2026 in Kraft sind, stabilisiert. Dennoch warnen Experten vor wirtschaftlichen Risiken: Grüner Wasserstoff werde voraussichtlich auch im Jahr 2030 mindestens doppelt so teuer sein wie konventionell aus Erdgas gewonnener Wasserstoff, was die Rentabilität der neuen Anlagen trotz Förderungen belaste.
