Thyssenkrupp Steel, Grünstahl

Thyssenkrupp startet Grünstahl-Anlage in Duisburg erst 2029

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 16:52 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Direktreduktionsanlage soll statt 2027 erst 2029 anlaufen. Als Gründe gelten Verzögerungen in der Engineeringphase sowie der langsame Ausbau von Wasserstoffangebot und Infrastruktur.

Förderung und Baufortschritt in Duisburg

  • Thyssenkrupp Steel plant die Inbetriebnahme der Direktreduktionsanlage nun für 2029.
  • Das Projekt kostet rund drei Milliarden Euro und wird mit bis zu zwei Milliarden Euro gefördert.
  • In Duisburg entstehen bereits der Anlagenturm, Fundamente für zwei Einschmelzer und Schalthäuser.
Eine Kokerei von Thyssenkrupp Steel am Ufer des Rheins. - Bild: Bernd Thissen/dpa

Thyssenkrupp verschiebt Grünstahl-Start in Duisburg

Thyssenkrupp Steel Europe will seine milliardenschwere Direktreduktionsanlage in Duisburg voraussichtlich erst 2029 in Betrieb nehmen. Der Start verschiebt sich damit gegenüber der ursprünglichen Planung um zwei Jahre.

Ein Sprecher des Stahlunternehmens bestätigte die Verzögerung und verwies im Wesentlichen auf die Engineeringphase des Projekts.

Bauarbeiten laufen weiter

Die Anlage soll mit Wasserstoff statt Kohle arbeiten und damit die klassische Hochofenroute ersetzen. Das Gesamtprojekt kostet rund drei Milliarden Euro; der Staat stellt bis zu zwei Milliarden Euro Fördermittel bereit.

Die Bauarbeiten begannen Anfang 2024. Nach Angaben des Unternehmens wird derzeit der Turm der Direktreduktionsanlage errichtet. Außerdem entstehen die Fundamente für zwei Einschmelzer, mehrere Schalthäuser sind bereits fertig.

Übergangsweise mehr Erdgas erlaubt

Geänderte Förderauflagen ermöglichen einen flexibleren Einsatz von Wasserstoff. Zunächst darf bei der Produktion mehr Erdgas beigemischt werden als ursprünglich vorgesehen.

Die Beimischung steht zwar dem Anspruch auf grünen Stahl entgegen, gilt für eine Übergangszeit aber als zulässig. Im Erdgasbetrieb sollen die CO2-Emissionen nach Firmenangaben gegenüber der konventionellen Hochofenroute um mehr als die Hälfte sinken.

Wasserstoffmarkt bremst Hochlauf

Thyssenkrupp begründet die langsamere Entwicklung auch mit dem Wasserstoffmarkt. Erzeugungskapazitäten, Transportleitungen und Importwege seien bislang nicht im erforderlichen Umfang verfügbar.

Zudem sei grüner Wasserstoff deutlich teurer als zunächst angenommen und noch nicht zu wettbewerbsfähigen Konditionen erhältlich. Der Hochlauf der Anlage soll sich deshalb eng an der Marktentwicklung und der Verfügbarkeit des Energieträgers orientieren.

Die Verzögerung fällt in eine Phase, in der die Umstellung der Stahlindustrie auf emissionsärmere Verfahren besonders stark von den Bedingungen auf dem Wasserstoffmarkt abhängt. Direktreduktionsanlagen können Eisenerz ohne klassischen Hochofen verarbeiten. Für eine weitgehend klimafreundliche Produktion muss der dafür benötigte Wasserstoff jedoch mit erneuerbarem Strom hergestellt und zuverlässig angeliefert werden.

Das Duisburger Projekt verbindet damit industrielle Transformation und staatliche Förderung. Die geplanten Investitionen von rund drei Milliarden Euro und öffentliche Hilfen von bis zu zwei Milliarden Euro zeigen die Größenordnung des Vorhabens. Zugleich macht die Verschiebung deutlich, dass Förderzusagen allein weder ausreichende Wasserstoffmengen noch wettbewerbsfähige Preise garantieren.

Wasserstoff bleibt der entscheidende Engpass

Die vorübergehend erlaubte stärkere Beimischung von Erdgas kann den technischen Hochlauf erleichtern, verändert aber den Charakter der Produktion. Zwar sinken die Emissionen gegenüber der Hochofenroute nach Firmenangaben deutlich, vollständig klimaneutral wird das Verfahren dadurch nicht.

Für Thyssenkrupp und andere Stahlhersteller geht es deshalb nicht nur um den Bau einzelner Anlagen. Entscheidend sind parallel entstehende Erzeugungskapazitäten, Pipelines, Importterminals und Abnehmer für den teureren klimafreundlichen Stahl. Der neue Zieltermin 2029 verschiebt den erwarteten Beitrag zur Dekarbonisierung, lässt das Projekt aber als laufendes Bauvorhaben bestehen.

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