THG-Quote: Autohäuser kassieren bis 570 Euro pro Fahrzeug
26.05.2026 - 19:24:39 | boerse-global.deDie Treibhausgasminderungs-Quote (THG-Quote) beschert Autohäusern und Werkstätten ab sofort deutlich höhere Einnahmen. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) informierte seine Mitglieder am heutigen Dienstag über eine neue Sonderaktion, die garantierte Prämien für Elektrofahrzeuge in Bestands- und Serviceflotten sichert. Bis zu 380 Euro pro Pkw und 570 Euro für leichte Nutzfahrzeuge der Klasse N1 sind drin.
Mehr Geld für E-Flotten – und das über mehrere Monate
Die aktuell angehobenen Garantieprämien gelten sowohl für Neuzulassungen als auch für verlängerte Zertifikate. Damit umgehen Betriebe die oft schwankenden Preise auf dem freien THG-Markt. Die auf mehrere Monate angelegte Kampagne soll den Händlern Planungssicherheit geben – ein wichtiges Signal in einem schwierigen Marktumfeld.
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Besonders der Fokus auf N1-Fahrzeuge fällt ins Auge: Die Prämie von 570 Euro spiegelt das höhere Einsparpotenzial größerer Transporter wider. Viele Betriebe halten etliche Elektro-Demo- und Ersatzfahrzeuge auf den Büchern – die neue Regelung verschafft ihnen dringend benötigte Liquidität.
Warum die Prämien gerade jetzt steigen
Der Preisschub hat handfeste Gründe. Seit Ende Mai 2026 gilt eine erhöhte gesetzliche THG-Quote von 12,1 Prozent. Die Mineralölindustrie muss daher mehr Emissionszertifikate kaufen, um ihr fossiles Portfolio auszugleichen. Das treibt die Nachfrage – und damit den Wert der Zertifikate, die E-Auto-Betreiber generieren.
Ein Blick auf aktuelle Anbietervergleiche vom 25. Mai zeigt ein breites Feld: Während Festpreismodelle nun bis zu 380 Euro bieten, locken variable Modelle mit bis zu 450 Euro. Wer sofort Kasse machen will, bekommt aktuell rund 330 Euro. Dazu kommt: Der deutsche Strommix wird sauberer, der CO2-Fußabdruck des Ladestroms sinkt – auch das treibt die Prämienwerte nach oben.
Neue Regeln für Ladesäulen-Betreiber
Seit heute gelten auch aktualisierte Richtlinien für Betreiber öffentlicher Ladeinfrastruktur. Sie können Prämien auf Basis der abgegebenen Strommenge beantragen. Voraussetzung: Die Säulen müssen im Register der Bundesnetzagentur gelistet und öffentlich zugänglich sein.
Ein besonderer Anreiz lockt für Betreiber, die ihre Ladepunkte mit einer Photovoltaik-Anlage kombinieren. Nach der 38. Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV) gibt es dann einen Dreifach-Zählmechanismus – der Gutschriftwert für den selbst erzeugten und abgegebenen Strom verdreifacht sich. Das soll den Ausbau dezentraler, grüner Ladehubs beschleunigen.
Industrie unter Druck: Jobverluste und Verluste
Trotz der positiven THG-Entwicklung bleibt die Stimmung in der Branche angespannt. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) prognostiziert bis 2035 einen Verlust von rund 225.000 Arbeitsplätzen durch den Strukturwandel zur E-Mobilität. Erste Großkonzerne spüren den Druck bereits: Mercedes verkaufte kürzlich sein Berlin-Brandenburger Händlernetz mit sieben Standorten und über 1.100 Mitarbeitern an eine globale Holding. Die Porsche SE meldete für das erste Quartal 2026 einen Verlust von 923 Millionen Euro – vor allem wegen Abschreibungen auf ihre VW-Beteiligung.
Kaufprämie: Nachfrage bleibt hinter Erwartungen
Auch die neue staatliche Kaufprämie von bis zu 6.000 Euro für Privatkunden läuft nicht wie erhofft. Obwohl sie rückwirkend zum 1. Januar 2026 gilt, liegen die Bestelleingänge laut Händlerverbänden rund 20 Prozent unter Plan. Das Online-Portal für die Antragstellung sollte erst im Mai 2026 freigeschaltet werden – monatelange Verzögerung inklusive.
Bus-Umrüstung statt Neukauf?
Im öffentlichen Nahverkehr zeichnet sich eine interessante Alternative ab: Die Nachrüstung eines Dieselbusses auf Elektroantrieb kostet rund 270.000 Euro – ein Bruchteil der 800.000 Euro für einen neuen E-Gelenkbus. Über zehn Jahre ließen sich so eine Million Kilogramm CO2 einsparen. Dennoch setzen große Betreiber wie die BVG weiter auf Neukäufe – aus Sorge um Wartung und Garantie. Von 1.520 Bussen fahren bei den Berlinern noch rund 1.240 mit Verbrennungsmotor.
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Ausblick: EU plant radikale Steuerwende
Doch die nächste Zäsur zeichnet sich bereits ab. Im Europaparlament wird über einen Vorschlag diskutiert, der ab 2028 Steuervorteile für Verbrenner-Dienstwagen streichen würde. Besonders Deutschland mit seinen großzügigen Regelungen wäre betroffen.
Die geplanten Quoten für gewerbliche E-Flotten sind ambitioniert: Bis 2030 sollen 65 Prozent aller neuen Firmenwagen elektrisch sein, bis 2035 sogar 99 Prozent. Und es kommt noch dicker: Künftige Subventionen könnten ausschließlich an europäische Hersteller gebunden werden. Für Autohäuser und Flottenbetreiber wird die THG-Prämie damit zum entscheidenden Instrument, um die höheren Anschaffungskosten der E-Wende abzufedern – während die gesamte Branche durch eine Phase der tiefgreifenden Restrukturierung navigiert.
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