Teilkrankschreibung: Verwaltung 55%, Logistik nur 11% Zustimmung
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Einführung der Teilkrankschreibung zum Januar 2028 stößt in der deutschen Wirtschaft auf geteiltes Echo. Laut einer aktuellen Erhebung des Ifo-Instituts, die am 4. August 2026 veröffentlicht wurde, bewertet fast jedes zweite Unternehmen das neue Modell als nicht sinnvoll. Besonders in produktionsnahen Bereichen wird die praktische Umsetzbarkeit angezweifelt, während administrative Abteilungen dem Vorhaben offener gegenüberstehen.
Die Pläne der Politik zur Flexibilisierung des Krankenstandes werden von der Mehrheit der deutschen Arbeitgeber kritisch betrachtet. Wie das Ifo-Institut in seiner jüngsten Befragung Anfang August darlegt, hält fast die Hälfte der befragten Unternehmen die geplante Teilkrankschreibung nicht für sinnvoll. Demgegenüber steht lediglich jedes vierte Unternehmen, das die Neuregelung als hilfreiches Instrument einstuft.
Gesetzlicher Rahmen und zeitliche Planung
Das Modell der Teilkrankschreibung soll nach derzeitigem Stand am 1. Januar 2028 offiziell in Kraft treten. Ziel der Regelung ist es, Arbeitnehmern eine schrittweise Rückkehr in den Arbeitsprozess zu ermöglichen oder bei leichteren Beeinträchtigungen eine reduzierte Arbeitsleistung rechtlich abzusichern.
Vorgesehen sind dabei feste Abstufungen, die sich an der regulären Arbeitszeit orientieren. Die Teilkrankschreibung soll in den Stufen 25 Prozent, 50 Prozent sowie 75 Prozent möglich sein. Damit soll eine präzisere Abstimmung zwischen dem gesundheitlichen Zustand des Beschäftigten und den betrieblichen Anforderungen erreicht werden. Bisherige Regelungen kannten oft nur die vollständige Arbeitsfähigkeit oder die komplette Krankschreibung, was laut Befürwortern des neuen Modells oft nicht der Realität vieler Krankheitsverläufe entspricht.
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Massive Unterschiede zwischen den Geschäftsbereichen
Die Akzeptanz des Modells hängt in hohem Maße von der Art der Tätigkeit ab. Die Daten des Ifo-Instituts verdeutlichen ein starkes Gefälle zwischen Bürotätigkeiten und manueller Arbeit. Am ehesten geeignet scheint die Teilkrankschreibung demnach für den administrativen Sektor zu sein. In der Verwaltung halten 55 Prozent der Unternehmen das Vorhaben für sinnvoll. Hier ermöglichen flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit zum Homeoffice oft eine einfachere Integration von Mitarbeitern, die nur eingeschränkt belastbar sind.
Deutlich geringer fällt die Zustimmung im Bereich Vertrieb und Kundenservice aus, wo nur noch 33 Prozent der Firmen das Modell als hilfreich erachten. In diesen Bereichen erschweren oft feste Erreichbarkeitszeiten oder Terminvorgaben den Einsatz von Personal mit reduzierter Stundenanzahl.
Skepsis in Logistik und Produktion
An die Grenzen der praktischen Umsetzbarkeit stößt die Teilkrankschreibung laut der Erhebung vor allem in den Kernbereichen der Industrie und des Warenverkehrs. In der Logistik wird das Modell lediglich von 11 Prozent der Unternehmen positiv bewertet. In der Produktion sinkt die Zustimmung sogar auf 8 Prozent.
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Branchenexperten führen dies auf die starren Abläufe in diesen Sektoren zurück. Schichtpläne, Taktzeiten in der Fertigung und die notwendige physische Präsenz vor Ort lassen sich nur schwer mit einer stundenweisen oder prozentual reduzierten Arbeitsleistung vereinbaren. Die Ergebnisse der Ifo-Umfrage unterstreichen damit, dass die für 2028 geplante Reform in weiten Teilen der deutschen Wirtschaft als bürokratische Hürde statt als Entlastung wahrgenommen wird. Während die Verwaltung von den neuen Möglichkeiten profitieren könnte, bleibt die Skepsis in der gewerblichen Wirtschaft aufgrund der betrieblichen Realitäten hoch.
