Tax, Omnibus

Tax Omnibus: EU entlastet Firmen um acht Milliarden Euro pro Jahr

27.06.2026 - 01:30:48 | boerse-global.de

EU-Kommission beschließt Maßnahmenpaket zur Steuervereinfachung. Firmen sollen jährlich acht Milliarden Euro sparen.

EU-Steuer-Omnibus: Milliardenentlastung für Unternehmen geplant
Tax - Geschäftsleute besprechen Dokumente und Tablets in einem modernen Büro, das Effizienz und Entlastung symbolisiert. 27.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Europäische Kommission hat ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Vereinfachung des Unternehmenssteuerrechts verabschiedet. Der sogenannte „Steuer-Omnibus“ (Tax Omnibus) soll Bürokratie abbauen und die Wettbewerbsfähigkeit stärken. Nach Schätzungen der Behörde könnten Firmen jährlich um acht Milliarden Euro entlastet werden.

Quellensteuer fällt weitgehend weg

Ein Kernstück der Reform: die weitgehende Abschaffung der Quellensteuer auf grenzüberschreitende Zahlungen innerhalb der EU. Betroffen sind Dividenden, Zinsen und Lizenzgebühren. Die Kommission erwartet hier Einsparungen von rund 5,3 Milliarden Euro pro Jahr – allerdings erst nach einer Übergangsfrist von acht Jahren. Die oft langwierigen Rückerstattungsverfahren sollen so vereinfacht oder ganz überflüssig werden.

Daneben zielt das Paket auf eine deutliche Reduzierung der Verwaltungskosten. Von den prognostizierten acht Milliarden Euro Gesamteinsparungen entfallen rund 3,3 Milliarden Euro auf Bürokratieabbau. Bis 2029 sollen die Verwaltungslasten für Unternehmen generell um 25 Prozent sinken, für kleine und mittlere Firmen sogar um bis zu 35 Prozent.

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Erleichterungen für Konzerne und Online-Händler

Auch multinationale Konzerne profitieren. Rund 3.000 Unternehmen, die unter die sogenannten Säule-2-Regelungen fallen, sollen bei Meldepflichten entlastet werden – mit Einsparungen von etwa 300 Millionen Euro. Doppelungen bei der Dokumentation will die Kommission vermeiden.

Die Zinsschranke wird angepasst: Die Freigrenze für den Zinsabzug steigt auf bis zu fünf Millionen Euro, die EBITDA-Schwelle wird einheitlich auf 30 Prozent harmonisiert.

Für den digitalen Sektor gibt es ebenfalls Neuerungen. Durch höhere Meldeschwellen für Online-Verkäufe könnten künftig mehr als zehn Millionen private Verkäufer von bürokratischen Pflichten befreit werden. Das ist Teil der Neufassung der Richtlinie über die Zusammenarbeit der Verwaltungsbehörden (DAC).

Positive Signale – und kritische Stimmen

EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis verspricht mehr Transparenz und Rechtssicherheit. Markus Beyrer, Generaldirektor des Industrieverbands BusinessEurope, lobt die vorgeschlagenen Erleichterungen als wichtigen Schritt. Auch der Europaabgeordnete Markus Ferber sieht Potenzial: Der Abbau überlappender Dokumentationspflichten könne die Compliance-Kosten spürbar senken.

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Doch nicht alle sind überzeugt. Branchenverbände wie Gesamtmetall warnen, dass neue EU-Vorgaben die Entlastungseffekte teilweise wieder neutralisieren könnten. Die Frage ist: Hält die Praxis, was die Theorie verspricht?

Zeitplan und politische Hürden

Die Vorschläge gehen nun an das Europäische Parlament und den Rat. Da Steuerfragen auf EU-Ebene Einstimmigkeit erfordern, stehen schwierige Verhandlungen zwischen den Mitgliedstaaten an. Frühestens 2027 könnten die neuen Regelungen in Kraft treten.

Deutschland zieht nach

Flankierend zu den europäischen Plänen treibt auch die Bundesregierung Reformen voran. Am 25. Juni legten Bund und Länder einen ersten Fortschrittsbericht zur Föderalen Modernisierungsagenda vor. Vorgesehen sind unter anderem digitale Zivilverfahren und eine elektronische Wohnsitzanmeldung.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil will am 1. Juli ein nationales Reformpaket vorstellen. Geplant sind eine Arbeitstagspauschale und eine Zielmarke für die steuerliche Belastung von Unternehmensgewinnen bei rund 25 Prozent. Das dürfte für weitere Diskussionen sorgen.

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