Tarifvertrag, Handel

Tarifvertrag Handel: 3,0 Prozent Lohnsteigerung rückwirkig ab Juli

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 03:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ver.di und Handelsverband Baden-Württemberg einigen sich auf höhere Entgelte für rund 500.000 Beschäftigte sowie bessere Vergütungen für Auszubildende.

Tarifeinigung im Handel: Löhne steigen in zwei Stufen
Leeres, modernes Logistiklager mit hohen Stahlregalen und Industriebauweise in natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Gewerkschaft ver.di und der Handelsverband Baden-Württemberg haben in der vierten Verhandlungsrunde eine Tarifeinigung für den Einzel- und Versandhandel des Bundeslandes erzielt. Wie Medien am 15. September 2026 übereinstimmend berichteten, bringt das neue Vertragswerk schrittweise Einkommenssteigerungen für rund 500.000 Beschäftigte der Branche.

Stufenweise Entgeltsteigerungen und Fokus auf Nachwuchskräfte

Die Einigung zwischen ver.di und den Arbeitgebern sieht vor, dass die Löhne und Gehälter rückwirkend zum 1.7.2026 um 3,0 Prozent steigen. In einer zweiten Stufe folgt zum 1.4.2027 ein weiteres Plus von 2,0 Prozent. Der ausgehandelte Tarifvertrag hat eine Gesamtlaufzeit von 25 Monaten.

Neben den allgemeinen Tabellenentgelten beinhaltet der Abschluss spezifische Anpassungen für Nachwuchskräfte und Beschäftigte mit geringerem Einkommen. Die Ausbildungsvergütungen werden überproportional angehoben, wobei die Anpassungen jeweils zum 1.9. beider Jahre greifen.

Zudem werden die unteren Entgeltgruppen gestärkt und teils stärker angehoben, um Untergrenzen und Mindestlöhne abzusichern. Die Gewerkschaft ver.di war ursprünglich mit der Forderung nach einem monatlichen Festbetrag von 300 Euro sowie einem Plus von 150 Euro für Auszubildende in die Verhandlungen gegangen.

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Arbeitgeberseite verweist auf anhaltenden Kostendruck

Auf Arbeitgeberseite stieß das Verhandlungsergebnis auf verhaltene Resonanz. Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Philip Merten, bezeichnete den Abschluss angesichts des spürbaren Kostendrucks in der Handelslandschaft als herausfordernden und schmerzhaften Kompromiss. Die Einigung verlange den Handelsbetrieben erhebliche finanzielle Zugeständnisse ab, schaffe jedoch Planungssicherheit für die kommenden Monate.

Dem Durchbruch am Verhandlungstisch waren im Vorfeld Arbeitsniederlegungen und diverse Aktionen vorausgegangen. Beschäftigte hatten unter anderem bei Filialisten wie Kaufland, H&M, Zara, IKEA und Media Markt ihre Arbeit niedergelegt, um den gewerkschaftlichen Forderungen Nachdruck zu verleihen.

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Der Tarifabschluss verlangt den Betrieben erhebliche finanzielle Zugeständnisse — und die Lohnkostensteigerung trifft die Marge im Handel spürbar. Wer die zweite Stufe zum 1.4.2027 und die überproportionalen Anpassungen für Nachwuchskräfte früh einplant, behält die Personalkosten im Griff. **Berechnungshilfe für HR jetzt sichern

Südwesten folgt dem Modell des Pilotabschlusses

Mit der Tarifeinigung in Baden-Württemberg übernimmt die Tarifkommission die Kernpunkte des Pilotabschlusses aus Nordrhein-Westfalen vom 26.8.2026. Dieser hatte zuvor den Rahmen für die weiteren regionalen Tarifgebiete vorgegeben. Bereits vor der Einigung im Südwesten war das nordrhein-westfälische Verhandlungsergebnis sukzessive auch in den Bundesländern Rheinland-Pfalz, Hessen, Bayern sowie Niedersachsen-Bremen übernommen worden.

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