Tarifrunde, Metall

Tarifrunde 2026: IG Metall plant renditeabhängige Löhne für 3,8 Mio.

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 06:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue EU-Vorgaben verändern Stellenbewertungen, während VW sein Entgeltsystem plant und Tarifparteien leistungsabhängige Zahlungen diskutieren.

Gehaltswende: EU-Regeln, VW-Reform und neue Tarifmodelle
Ein minimalistisch gestalteter, moderner Büroraum mit einem leeren Schreibtisch und natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Aktuelle Medienberichte verdeutlichen einen tiefgreifenden Wandel in der Arbeitswelt: Arbeitnehmer stellen zunehmend höhere Anforderungen an die Transparenz und Fairness von Gehaltsverhandlungen sowie die zugrunde liegenden Entgeltsysteme. Dieser Trend wird sowohl durch neue regulatorische Vorgaben auf europäischer Ebene als auch durch strategische Neuausrichtungen in der Industrie und aktuelle tarifpolitische Forderungen vorangetrieben.

EU-Vorgaben fordern Anpassung der Stellenbewertungen

Ein wesentlicher Treiber für diese Entwicklung ist die EU-Entgelttransparenzrichtlinie (ETRL). Diese verpflichtet Unternehmen dazu, ihre Stellenbewertungen grundlegend zu überprüfen und gegebenenfalls neu zu ordnen.

Experten beobachten in diesem Zusammenhang, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz die Aufgabenprofile in vielen Bereichen nachhaltig verändert. Während moderne Stellenarchitekturen üblicherweise eine Halbwertszeit von drei bis fünf Jahren aufweisen, haben viele mittelständische Betriebe ihre Strukturen seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr angepasst.

Auch Großkonzerne reagieren auf den Veränderungsdruck. Die Volkswagen AG plant beispielsweise die Einführung eines neuen Entgeltsystems zum 1. Januar 2027. Das Vorhaben, das bereits seit dem Frühjahr 2025 vorbereitet wird, betrifft alle tariflich Beschäftigten des Unternehmens in Deutschland.

Ein Kernpunkt der Reform ist die Auflösung der traditionellen Trennung zwischen Lohn und Gehalt. Das Unternehmen sicherte zu, dass im Zuge dieser Umstellung niemand beim tariflichen Monatsentgelt schlechter gestellt werden soll.

Tarifpolitik im Wandel: Profitabilität als neuer Maßstab

In der kommenden Tarifrunde 2026 bereitet die IG Metall eine Debatte über renditeabhängige Lohnkomponenten vor. Das Modell sieht vor, dass profitable Branchen wie die Rüstungsindustrie, die Luft- und Raumfahrt sowie die Medizintechnik automatische Lohnaufschläge zahlen. Konkret wird diskutiert, Sonderzahlungen wie das T-Geld, das 18,4 % eines Monatsgehalts entspricht, an die wirtschaftliche Lage zu koppeln.

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Sinkt die Umsatzrendite unter 2,3 %, könnte dieser Betrag entfallen; ab einer Umsatzrendite von 4,6 % ist eine Verdopplung der Sonderzahlung im Gespräch. Von diesen Regelungen wären rund 3,8 Millionen Beschäftigte betroffen, sobald die Friedenspflicht am 31. Oktober 2026 endet.

Gleichzeitig zeigen aktuelle Tarifabschlüsse in anderen Sektoren eine Tendenz zu stufenweisen Erhöhungen. Im nordrhein-westfälischen Einzelhandel steigt das Entgelt für 700.000 Beschäftigte ab August 2026 um 3 % und im Mai 2027 um weitere 2 %.

Der Mindeststundenlohn in dieser Branche erreicht dadurch im Mai 2027 einen Wert von 14,90 Euro. In der Süßwarenindustrie in Baden-Württemberg einigten sich die Parteien auf eine stufenweise Steigerung von insgesamt etwa 6 % für den Zeitraum bis Juli 2028.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Verhandlungstaktiken

Neben strukturellen Reformen rücken auch die rechtliche Absicherung und die Psychologie der Gehaltsfindung in den Fokus. Ein Fall aus Niederösterreich verdeutlicht die Risiken bei sogenannten All-in-Verträgen: Ein Arbeitnehmer erstritt eine Nachzahlung von 22.000 Euro brutto, da freiwillige Gehaltserhöhungen unzulässig mit Überzahlungen verrechnet wurden.

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Juristen verweisen hierbei auf die geltende Rechtsprechung, nach der kollektivvertragliche Erhöhungen nur über einen Zeitraum von drei Jahren verrechnet werden dürfen.

Für die individuelle Verhandlungsebene liefert eine Analyse der Plattform Kununu, die knapp 193.000 Bewertungen auswertete, neue Erkenntnisse. Unter Bezugnahme auf psychologische Studien wird empfohlen, nach einer Gehaltsforderung eine bewusste Pause von mindestens drei Sekunden einzulegen. Dies könne das Verhandlungsergebnis verbessern, stelle jedoch keine Garantie für einen höheren Abschluss dar.

In der politischen Diskussion werden zudem die Rahmenbedingungen für die Arbeitsleistung selbst debattiert. Während Stimmen aus der Politik, wie etwa der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer, für den VW-Standort Zwickau eine 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich forderten, lehnt die IG Metall dies mit Verweis auf die mangelnde Auslastung und die Absatzlage ab.

Parallel dazu diskutiert die SPD-Vorsitzende Bärbel Bas über mögliche Ausnahmen bei der Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag für tarifgebundene Unternehmen, um bürokratische Entlastungen zu schaffen.

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