Tarifkonflikte eskalieren: Postbank plant unbefristete Streiks
16.06.2026 - 22:50:38 | boerse-global.de
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Postbank vor unbefristeten Streiks
Bei der Postbank haben die Tarifverhandlungen Schiffbruch erlitten. Die Gewerkschaft Verdi erklärte die Gespräche für gescheitert. Mitte Juni startet die Urabstimmung über unbefristete Streiks. Sie soll bis Anfang Juli dauern. Für einen Arbeitskampf braucht Verdi 75 Prozent Zustimmung der Stimmberechtigten. Die Forderung: 8 Prozent mehr Entgelt, mindestens aber 300 Euro monatlich.
Unikliniken laufen Sturm
Parallel dazu legten Beschäftigte der Universitätskliniken Freiburg, Heidelberg, Ulm und Tübingen die Arbeit nieder. Zwei Tage Warnstreik, rund 1.500 bis 1.600 Teilnehmer. Die Folge: Operationssäle blieben geschlossen, Betten unbelegt. Die Notfallversorgung lief weiter. Die Gewerkschaft fordert 7,5 Prozent mehr Lohn, mindestens 320 Euro pro Monat. Der Arbeitgeberverband AGU kündigte für die nächste Runde ein Angebot an – verwies aber auf die angespannte Finanzlage der Kliniken.
DHL: Verdeckter Stellenabbau in Leipzig?
Am DHL Hub in Leipzig brodelt es. Die Gewerkschaft DPVKOM spricht von einem verdeckten Stellenabbau. Die Zahlen geben ihr recht: Zu Beginn 2024 arbeiteten dort über 7.000 Menschen, Anfang 2026 waren es nur noch über 6.000. Der Betriebsrat sieht einen strukturierten Abbau. DHL selbst verweist auf natürliche Fluktuation und seit 2022 sinkende Sendungsmengen.
Thermo Fisher: Verlagerung nach Tschechien
In Bremen droht der nächste Konflikt. Der Technologiekonzern Thermo Fisher will die Produktion von Massenspektrometern nach Brünn verlagern. Rund 100 der 520 Arbeitsplätze wären betroffen. Die Arbeitnehmervertreter sind empört. Der Standort erzielte zuletzt bei einem Umsatz von rund 700 Millionen Euro einen Gewinn von fast 300 Millionen. Der Betriebsrat fürchtet eine vollständige Schließung.
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Internationaler Trend: Rechte unter Druck
Ein Index des internationalen Gewerkschaftsbundes ITUC zeigt: Die Rechte der Arbeitnehmer in Europa schwinden. Der Kontinent verzeichnet die schlechteste Bewertung seit 2014. In 73 Prozent der untersuchten Länder wurde gegen das Streikrecht verstoßen. In mehr als der Hälfte der Staaten gab es Einschränkungen bei Tarifverhandlungen. In 41 Prozent der Länder wurde die Gründung von Gewerkschaften behindert. In fast einem Viertel der Fälle kam es zu gewalttätigen Angriffen.
Vor diesem Hintergrund fordern Arbeitnehmervertreter soziale Bedingungen in öffentlichen Vergabeverträgen. Das Volumen dieser Aufträge liegt jährlich bei rund zwei Billionen Euro.
Arbeitsbelastung: Immer mehr Überstunden
Neben den Löhnen rückt die Belastung der Beschäftigten in den Fokus. Der DGB-Index „Gute Arbeit 2025“ zeigt: 43 Prozent der Beschäftigten arbeiten regelmäßig mehr als acht Stunden am Tag – oft unfreiwillig. Fast die Hälfte fühlt sich nach der Arbeit ausgebrannt. Experten des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) warnen vor Bestrebungen, die tägliche Höchstarbeitszeit aufzuweichen.
Pflege in Gefahr: Gesetz sorgt für Unruhe
Im Gesundheitssektor schlägt die Caritas im Bistum Aachen Alarm. Ein geplantes Gesetz zur Stabilisierung der GKV-Beitragssätze könnte die tarifliche Refinanzierung für bestimmte Leistungen in der ambulanten Pflege abschaffen. Die Folge: erhebliche Versorgungslücken.
Auch Polizei und Entsorger im Ausstand
Die Unzufriedenheit greift um sich. In Rosenow unterbrachen Müllwerker ihren Ausstand für Verhandlungen. In Saarbrücken fordern Gewerkschafter die Übernahme des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst bei einem lokalen Entsorger. In Österreich regt sich Widerstand unter Polizeibeamten gegen ein Dienstzeitmodell, das ab 2027 zu erheblichen Einkommenseinbußen führen könnte.
IGBCE: Interne Untersuchung
Die Chemie-Gewerkschaft IGBCE kämpft mit internen Problemen. Eine externe Kanzlei prüft Hinweise auf systematischen Sexismus und sexuelle Belästigung im Umfeld der Jugendorganisation.
