Tarifkonflikt, Verdi

Tarifkonflikt: Ver.di ruft zu Warnstreiks im Einzelhandel auf

Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Warnstreiks im hessischen Einzelhandel und in der Entsorgungsbranche. Beim Bayerischen Rundfunk wurde eine Tarifeinigung erzielt.

ver.di verschärft Tarifkonflikte: Streiks und Einigung im Überblick
Eine Gruppe von Gewerkschaftsmitgliedern streikt vor einem Einzelhandelsgeschäft, um bessere Arbeitsbedingungen zu fordern. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

di erhöht den Druck in mehreren Tarifrunden. Am heutigen Samstag sind besonders der hessische Einzelhandel und die Entsorgungsbranche im Saarland betroffen. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt es dagegen eine Einigung.

Warnstreiks im hessischen Einzelhandel

Für diesen Samstag hat ver.di die Beschäftigten im hessischen Einzel- und Versandhandel zu Warnstreiks aufgerufen. Die Aktionen konzentrieren sich auf Frankfurt, Wiesbaden, Kassel und Südhessen.

Die Gewerkschaft fordert 250 Euro mehr Lohn und Gehalt sowie 150 Euro mehr für Auszubildende – bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber bieten dagegen 2,4 Prozent im ersten und 2,0 Prozent im zweiten Jahr bei 24 Monaten Laufzeit.

Weil die Arbeitgeberverbände sämtliche Verhandlungstermine bis Mitte August abgesagt haben, begründet ver.di die Streiks mit mangelnder Verhandlungsbereitschaft.

Konflikte in der Entsorgungswirtschaft

Auch im Saarland wurde gestreikt. Bei der Abfallentsorgungsgesellschaft ASS in Saarbrücken legten gestern rund zwei Drittel der Belegschaft die Arbeit nieder. Ziel ist die Durchsetzung des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD), da die aktuellen Löhne deutlich darunter liegen.

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Neben den Gehaltsfragen stehen Mängel bei der Arbeitssicherheit, der Organisation und dem Zustand des Fuhrparks im Fokus. Das Landesamt für Arbeitsschutz ermittelt seit Sommer 2025. Die nächsten Verhandlungen sind für den 14. September angesetzt.

In Mecklenburg-Vorpommern wirft ver.di dem DRK Wortbruch vor. Ein Tarifvertrag galt Ende 2025 bereits als unterschriftsreif, dann brach der Arbeitgeber die Gespräche nach über zehn Runden ab – ohne konkrete Änderungsvorschläge. Die Gewerkschaft fordert eine Rückkehr an den Verhandlungstisch.

Einigung beim Bayerischen Rundfunk

Positive Nachrichten gibt es vom Bayerischen Rundfunk. Rund 5300 Beschäftigte erhalten rückwirkend zum Februar 2026 eine Gehaltssteigerung von 1,23 Prozent. Weitere Stufen folgen: zum 1. April 2027 um 2,5 Prozent und zum 1. April 2028 um bis zu 2,0 Prozent. Der Abschluss gilt bis 2028.

Streit um Krankmeldungen und Sonntagsarbeit

Über die Tarifrunden hinaus positioniert sich ver.di gegen Verschärfungen bei Krankmeldungen. Der DGB Mittelhessen verweist auf Zahlen aus 2024: Beschäftigte waren durchschnittlich 14,8 Tage krankgeschrieben, gleichzeitig arbeiteten 63 Prozent mindestens einen Tag, obwohl sie krank waren.

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Während über Krankmeldungen und Sonntagsarbeit debattiert wird, müssen bestehende Betriebsvereinbarungen rechtssicher gestaltet sein, um die Interessen der Belegschaft zu schützen. Nutzen Sie unsere kostenlose Muster-Betriebsvereinbarung inklusive Checklisten, um Ihre Verhandlungsposition im Betrieb nachhaltig zu stärken. Kostenlose Muster-Betriebsvereinbarung als PDF sichern

Eine geplante Attestpflicht ab dem ersten Tag und die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung lehnt die Gewerkschaft ab. Letztere habe zwischen 2020 und 2023 nur rund ein Prozent aller Bescheinigungen ausgemacht.

Zudem kündigte ver.di an, den arbeitsfreien Sonntag notfalls vor dem Bundesverfassungsgericht zu verteidigen. Wirtschaftsverbände fordern eine Lockerung der Ladenöffnungszeiten.

Auch bei der neuen Grundsicherung, die seit 1. Juli gilt, mahnt ver.di zur Vorsicht: Eine schnelle Vermittlung dürfe nicht zulasten intensiver Unterstützung gehen. Die rückläufigen Integrationsquoten seien primar auf die schwache Konjunktur zurückzuführen – nicht auf mangelnde Motivation der Arbeitssuchenden.

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