Tarifkonflikt Handel: Verdi fordert 225 Euro mehr pro Monat
04.06.2026 - 11:03:41 | boerse-global.deWährend die Gewerkschaft Verdi zu flächendeckenden Warnstreiks in Deutschland aufruft, senkt die Investmentbank RBC das Kursziel für die Aktie.
Analysten sehen Marktanteile schwinden
RBC strich am 4. Juni das Kursziel für H&M von 185 auf 175 Schwedische Kronen zusammen. Das „Sector Perform"-Rating bleibt zwar bestehen, doch die Analysten sehen den Konzern zunehmend unter Druck. H&M verliert demnach Marktanteile an die Konkurrenz – allen voran an Inditex (Zara), Next und Uniqlo. Die operative Entwicklung bereitet den Experten Sorgen.
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Warnstreiks in ganz Deutschland
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat für den 4. und 5. Juni zu massiven Warnstreiks im Einzelhandel, Groß- und Außenhandel aufgerufen. Betroffen sind große Handelsketten – neben H&M auch Ikea, Kaufland und Primark.
Die Streiks begannen am Donnerstag mit Kundgebungen in Kiel. Für Freitag sind Proteste in Berlin, Erfurt, Bochum und Saarbrücken geplant. Allein in Saarbrücken rechnen die Organisatoren mit rund 300 Teilnehmern. Am Samstag rollt die Streikwelle dann nach Bayern weiter: Auf dem Franziskanerplatz in Ingolstadt ist eine Kundgebung angesagt, die auch Filialen von H&M, Zara und mehreren großen Supermarktketten lahmlegen dürfte.
Schon Mitte Mai hatten mehr als 5.000 Beschäftigte an über 200 Standorten die Arbeit niedergelegt. Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnet zwar nicht mit größeren Beeinträchtigungen für die Kunden. Verdi hingegen signalisiert, die Proteste bei Bedarf auszuweiten.
Tarifkonflikt: Die Fronten sind verhärtet
Der aktuelle Arbeitskampf hat einen handfesten Grund: Die Kluft zwischen den Forderungen der Gewerkschaft und den Angeboten der Arbeitgeber ist riesig.
Verdi verlangt 7 Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 225 Euro mehr pro Monat bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Für Azubis fordert die Gewerkschaft zusätzlich 150 Euro monatlich. In Berlin und Brandenburg setzt sich Verdi zudem für eine branchenspezifische Mindestlohnerhöhung auf 14,90 Euro pro Stunde ein.
Verdi-Vorstandsmitglied Silke Zimmer bezeichnete die Arbeitgeberangebote als unzureichend. Und die sehen tatsächlich mau aus: Im Einzelhandel bieten die Arbeitgeber 2 Prozent mehr ab November 2026, gefolgt von 1,5 Prozent im August 2027 – bei einer Laufzeit von 24 Monaten. Im Großhandel stehen 3,4 Prozent über ebenfalls zwei Jahre im Raum.
Der HDE betont, der Spielraum für Zugeständnisse sei äußerst begrenzt. Das ist bemerkenswert, denn der gesamte Handel erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von 2,17 Billionen Euro bei Gewinnen von 82,9 Milliarden Euro.
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Regionale Verhandlungen festgefahren
In mehreren Bundesländern kommen die Gespräche nicht vom Fleck. In Berlin und Brandenburg endete die erste Verhandlungsrunde am 1. Juni ergebnislos. Während die Friedenspflicht für Berlin bereits abgelaufen ist und damit sofort Streiks möglich sind, gilt sie in Brandenburg noch bis zum 30. Juni. Rund 65 Prozent der Brandenburger Einzelhandelsbeschäftigten arbeiten übrigens in Teilzeit.
Die weiteren Verhandlungstermine im Juni stehen bereits fest:
- 8. Juni: Einzelhandel Baden-Württemberg
- 12. Juni: Großhandel Niedersachsen und Bremen
- 16. Juni: Einzelhandel Bayern
- 17. Juni: Zweite Runde im Saarland
- 23. Juni: Nächster Termin für Berlin und Brandenburg
- 25. Juni: Großhandel Bayern
Der aktuelle Arbeitskampf ist nur das jüngste Kapitel einer langen Auseinandersetzung. Bereits in der Tarifrunde 2023 bis 2025 hatte Verdi einen kumulierten Lohnzuwachs von 14 Prozent durchgesetzt. Insgesamt arbeiten rund 5,2 Millionen Menschen im deutschen Handel, davon 3,4 Millionen im Einzelhandel.
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