Tarifkampf, Baugewerbe

Tarifkampf 2026: Baugewerbe einigt sich auf 3,5 Prozent

12.06.2026 - 17:45:32 | boerse-global.de

Während Bau und Chemie neue Tarifabschlüsse vermelden, eskalieren die Konflikte im Einzelhandel und an Unikliniken mit Warnstreiks.

Tarifrunde 2026: Einigungen in Bau und Chemie, Streiks im Handel
Tarifkampf - Hände in verschiedenen Arbeitsumfeldern, die Tarifverhandlungen und Lohnrunden in der Bau-, Chemie- und Einzelhandelsbranche symbolisieren. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Tarifverhandlungen in Deutschland zeigen ein gespaltenes Bild: Während Baugewerbe und Chemieindustrie Einigungen erzielten, eskalieren die Konflikte im Einzelhandel und an den Unikliniken.

Lohnplus im Baugewerbe: 3,5 Prozent für 250.000 Beschäftigte

In der Frühjahrslohnrunde 2026 einigten sich die Tarifpartner auf eine durchschnittliche Erhöhung von 3,5 Prozent. Facharbeiter verdienen damit jährlich rund 1.690 Euro mehr, Fliesenleger erhalten ein Plus von 1.550 Euro. Besonders stark fielen die Steigerungen in der Bauindustrie, dem Baugewerbe und dem Karosseriebau aus – hier gab es Zuwächse von bis zu 3,6 Prozent.

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Seit 2019 summiert sich die Lohnsteigerung in der Branche auf 31,4 Prozent. Damit liegt sie über der kumulierten Inflation von 27,3 Prozent.

Chemieindustrie: Einigung nach zähen Verhandlungen

Nach acht Runden und vorangegangenen Streiks einigten sich die Parteien in der chemischen Industrie auf ein neues Tarifmodell. Für 50.000 Beschäftigte steigen die Ist-Löhne um 1,8 Prozent, gedeckelt auf maximal 100 Euro. Hinzu kommt eine Einmalzahlung von 300 Euro oder wahlweise ein freier Tag.

Die Mindestlöhne und Lehrlingseinkommen erhöhen sich um 2,0 Prozent. Der Kollektivvertrag gilt rückwirkend ab dem 1. Mai 2026 und orientiert sich an einer rollierenden Inflation von 3,35 Prozent. Zusätzlich wurde eine weitere Woche Pflegefreistellung für Eltern behinderter Kinder vereinbart.

Warnstreiks an Unikliniken: ver.di erhöht Druck

Anders sieht es im Gesundheitswesen aus. An den Universitätskliniken in Freiburg, Heidelberg, Ulm und Tübingen rief ver.di 26.000 Beschäftigte zu einem zweitägigen Warnstreik auf. Am kommenden Montag und Dienstag soll die Arbeit ruhen.

Die Gewerkschaft fordert 7,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens jedoch 320 Euro. Für Auszubildende verlangt sie ein Plus von 250 Euro plus Mobilitätszuschuss. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 17. Juni angesetzt.

Einzelhandel: Fronten verhärtet

In Hessen endete die dritte Verhandlungsrunde ohne Ergebnis. Die Arbeitgeber warfen der Gewerkschaft mangelnde Kompromissbereitschaft vor. Ihr Angebot: 3,5 Prozent in zwei Stufen bei einer Laufzeit von 24 Monaten.

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In Norddeutschland weitete ver.di die Warnstreiks am 11. und 12. Juni auf Bekleidungsgeschäfte wie H&M, C&A und Zara aus. Betroffen waren Standorte in Hannover, Bremen und Lüneburg. Die Forderung: 7 Prozent oder mindestens 225 Euro mehr. Die Arbeitgeber bieten bislang 2 Prozent ab November 2026 und weitere 1,5 Prozent ab August 2027. Die Verhandlungen sollen am 6. Juli fortgesetzt werden.

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: Einigung beim WDR sorgt für Streit

Beim WDR einigten sich die Gewerkschaft VRFF und die Senderleitung auf einen Tarifvertrag mit 35 Monaten Laufzeit. Die Vereinbarung sieht gestaffelte Erhöhungen vor: 1,23 Prozent rückwirkend ab Februar 2026, 2,0 Prozent ab Februar 2027 und 1,0 Prozent ab Februar 2028. Weitere Steigerungen sind an Bedingungen wie die ARD-Entsenderegelung geknüpft.

Doch ver.di und der DJV lehnen den Abschluss ab. Sie kritisieren ihn als zu niedrig und verweisen auf höhere Abschlüsse im öffentlichen Dienst. In anderen Sendern wie NDR, BR und SWR stehen im Juni weitere Verhandlungstermine an.

Commerzbank: Betriebsrat plant Strafanzeige gegen Unicredit

Abseits der klassischen Tarifrunden sorgt ein Konflikt im Bankensektor für Aufsehen. Der Gesamtbetriebsrat der Commerzbank plant eine Strafanzeige wegen des Verdachts der Marktmanipulation gegen Unicredit. Hintergrund ist ein Übernahmeangebot, das nach Ansicht der Arbeitnehmervertreter unter dem aktuellen Börsenkurs liegt.

Der Betriebsratsvorsitzende Sascha Uebel vermutet eine bewusste Täuschung. Unicredit hatte seinen Anteil an der Commerzbank zuletzt auf gut 37 Prozent ausgebaut. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht wurde bereits eingeschaltet.

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