Tankrabatt, Spritpreise

Tankrabatt startet: Wirtschaftsinstitute kritisieren Entlastung für Autofahrer

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 04:15 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der ab 1. Oktober geltende Tankrabatt stößt bei ifo-Institut und DIW auf scharfe Kritik. Die Wirtschaftsforscher warnen, vor allem Vielfahrer mit größeren Autos und höheren Einkommen könnten profitieren, während die Kosten von rund 2,5 Milliarden Euro die Allgemeinheit trage.

Ab heute gilt in Deutschland erneut ein sogenannter Tankrabatt. (Archivbild) - Bild: Julius-Christian Schreiner/dpa
Ab heute gilt in Deutschland erneut ein sogenannter Tankrabatt. (Archivbild) - Bild: Julius-Christian Schreiner/dpa

Der ab 1. Oktober geltende Tankrabatt entlastet Benzin und Diesel für drei Monate, doch das ifo-Institut und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) halten die Maßnahme für falsch.

Ifo-Chef kritisiert Verteilungswirkung

„Dass viele Autofahrer die hohen Spritpreise als große Belastung empfinden, ist nachvollziehbar“, teilte ifo-Chef Clemens Fuest auf Anfrage mit. Der Tankrabatt sei darauf jedoch nicht die richtige Antwort, weil er eine Umverteilung zugunsten von Vielfahrern mit großen Autos bewirke.

Viele dieser Menschen könnten sich die hohen Preise leisten, erklärte Fuest. Wenn die Politik bestimmte Gruppen wie Berufspendler mit langen Arbeitswegen entlasten wolle, seien zielgenauere Instrumente wie eine Erhöhung der Pendlerpauschale geeigneter.

DIW sieht höhere Einkommen im Vorteil

Auch Tomaso Duso vom DIW kritisierte, am meisten profitierten diejenigen, die viel und mit großen Autos führen – in der Regel Haushalte mit höheren Einkommen. Haushalte ohne Auto erhielten keine Entlastung, müssten die Maßnahme aber mitfinanzieren.

Hohe Preise hätten in Zeiten der Knappheit zudem eine Lenkungsfunktion, erklärte Duso. Sie könnten Verbraucher zu sparsamerem Fahren bewegen und Raffinerien signalisieren, mehr zu produzieren. Entlastungen sollten deshalb direkt und zielgenau erfolgen, nicht über den Preis.

Steuersenkung bis Jahresende

Der Tankrabatt gilt vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember. In diesem Zeitraum sinkt die Energiesteuer auf Diesel und Benzin um rund 14 Cent je Liter; einschließlich der Mehrwertsteuer ergibt sich an der Zapfsäule eine rechnerische Entlastung von 16,7 Cent.

Bundestag und Bundesrat brachten die Senkung vor dem letzten September-Wochenende auf den Weg. Bereits im Frühjahr hatte es einen zweimonatigen Tankrabatt gegeben.

Zielgenaue Hilfen statt Gießkanne

Die Kritik der Institute richtet sich vor allem gegen die Verteilungswirkung des Tankrabatts. Die Entlastung hängt vom Kraftstoffverbrauch ab: Wer viel fährt und ein großes Auto nutzt, erhält absolut mehr als Menschen ohne Auto oder mit geringem Verbrauch. Damit erreicht die Maßnahme nicht automatisch diejenigen Haushalte am stärksten, die durch hohe Energiepreise besonders unter Druck stehen.

Der Rabatt senkt die Energiesteuer vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember um rund 14 Cent je Liter. Einschließlich der darauf entfallenden Mehrwertsteuer ergibt sich rechnerisch eine Entlastung von 16,7 Cent. Der Staat verzichtet dadurch voraussichtlich auf rund 2,5 Milliarden Euro Einnahmen. An der Zapfsäule ist dieser Betrag jedoch nicht gesetzlich garantiert, weil Unternehmen den Steuervorteil nicht vollständig weitergeben müssen.

Begrenzte Wirkung für Verbraucher und Klima

Für einen Fahrer mit 1.000 Kilometern Monatsleistung und sechs Litern Verbrauch je 100 Kilometer beträgt die rechnerische Ersparnis etwa zehn Euro im Monat. Schwankende Rohöl-, Raffinerie- und Tankstellenpreise können den Effekt überlagern. Zugleich schwächt ein niedrigerer Kraftstoffpreis den Anreiz, Fahrten zu vermeiden oder sparsamere Verkehrsmittel zu nutzen.

Für Pendler mit langen Arbeitswegen oder Haushalte mit niedrigen Einkommen wären direkte Transfers, eine gezielte Pendlerentlastung oder Hilfen bei den Wohn- und Energiekosten präziser. Die politische Kernfrage lautet damit, ob kurzfristige Sichtbarkeit an der Tankstelle wichtiger ist als eine sozial treffsichere und fiskalisch nachhaltige Unterstützung.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

BR: „Tankrabatt: Kommt diesmal mehr Entlastung beim Verbraucher an?“ (30.09.2026)

Der Bericht stelle heraus, dass die Energiesteuer rechnerisch um rund 16,7 Cent je Liter entlastet werde, eine vollständige Weitergabe an der Zapfsäule aber nicht vorgeschrieben sei. Er betone damit stärker als die dpa-Meldung die praktische Unsicherheit für Verbraucher und verweise auf mögliche Einflüsse von Beschaffungs- und Margenkosten.

WDR: „Bundeskartellamt: Tankrabatt muss an Autofahrer gehen“ (30.09.2026)

Der Beitrag berichte, das Bundeskartellamt wolle die Weitergabe eng beobachten, könne Unternehmen wegen einer nicht vollständigen Weitergabe aber nicht unmittelbar sanktionieren. Anders als die Wirtschaftsinstitute richte der Artikel den Schwerpunkt auf die Marktaufsicht und nenne frühere Weitergabequoten von 82 Prozent bei Diesel und 78 Prozent bei Benzin.

Übereinstimmend werde die steuerliche Entlastung als beschlossen und befristet dargestellt; Unterschiede gebe es bei der Bewertung ihrer Zielgenauigkeit und bei der Frage, wie vollständig sie an Verbraucher weitergereicht werde.

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