Tankrabatt startet: Spritpreise fallen stark, E10 vielerorts unter 2 Euro
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 09:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer neue Tankrabatt hat die Preise für Benzin und Diesel in Deutschland bereits in der Nacht zum Donnerstag deutlich sinken lassen.
Preise fallen binnen einer Stunde
Auf dem Spritpreisportal Tankerkönig sanken die deutschlandweiten Durchschnittspreise zwischen 23.41 Uhr und 0.41 Uhr um rund zehn bis elf Cent je Liter. Bis zum Morgen setzte sich der Rückgang fort.
Der ADAC ermittelte um 8.00 Uhr für Super E10 einen bundesweiten Durchschnittspreis von 2,062 Euro je Liter. Das waren 14,5 Cent weniger als am gleichen Zeitpunkt des Vortags. Diesel kostete im Schnitt 2,209 Euro und damit 15,2 Cent weniger.
E10 vielerorts unter zwei Euro
Nach Einschätzung des ADAC wurde damit bereits ein Großteil der steuerlichen Entlastung von rund 17 Cent je Liter an die Verbraucher weitergegeben. Super E10 wurde an vielen Tankstellen für weniger als zwei Euro angeboten.
Die regionalen Unterschiede waren allerdings erheblich. In München, Stuttgart und Leipzig gab es besonders viele Angebote unter zwei Euro, in Berlin zahlreiche. In Hamburg und Köln waren solche Preise dagegen selten oder kaum zu finden. Diesel blieb in der Regel deutlich teurer als zwei Euro je Liter.
Günstiger tanken vor dem Mittag
Der Morgen gilt seit Einführung der 12-Uhr-Regel als vergleichsweise günstiger Tankzeitpunkt. Die Preise sinken am späten Vormittag häufig noch weiter, bevor sie mittags deutlich steigen. Der Anstieg beträgt oft mehr als 20 Cent je Liter.
Der ADAC will beobachten, wie sich die Preise nach 12.00 Uhr entwickeln. Die aktuelle Bewegung zeige die Dynamik des Kraftstoffmarktes und den Spielraum für niedrigere Preise.
Steuerrabatt gilt bis Jahresende
Seit Mitternacht wird die Energiesteuer auf Benzin und Diesel für Kraftstoff gesenkt, der Tanklager und Raffinerien verlässt. Der Nachlass beträgt 16,7 Cent je Liter einschließlich der Mehrwertsteuer und gilt bis Ende Dezember. Eine Verpflichtung der Tankstellen, die Entlastung vollständig weiterzugeben, besteht nicht.
Der ADAC warnte, die Steuersenkung dürfe weder durch den Preisanstieg um 12.00 Uhr noch in den folgenden Tagen wieder aufgezehrt werden. Wie vollständig der Rabatt ankommt, soll sich in den nächsten Tagen zeigen.
September war teuerster Tankmonat
Die Preise waren bereits am Dienstag und Mittwoch gesunken. Am Mittwoch kostete E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,242 Euro, Diesel 2,390 Euro. Gegenüber Montag waren die Preise damit um 3,4 beziehungsweise 3,5 Cent niedriger.
Der September war nach Angaben der Bundesregierung der bislang teuerste Tankmonat. Die Maßnahme ist umstritten, weil sie den Anreiz zum Spritsparen schwächt und möglicherweise nicht vollständig bei den Verbrauchern ankommt. Befürworter verweisen dagegen auf die kurzfristige Entlastung der Autofahrer angesichts der hohen Kraftstoffpreise.
Entlastung kommt schnell, aber nicht vollständig sicher
Der Preisrückgang in der ersten Nacht zeigt, dass die Steuersenkung kurzfristig an den Zapfsäulen wirksam werden kann. Der gesetzliche Nachlass beträgt 14,04 Cent bei der Energiesteuer; einschließlich der darauf entfallenden Mehrwertsteuer ergibt sich eine Entlastung von 16,7 Cent je Liter. Bei einer 50-Liter-Tankfüllung entspricht das rechnerisch 8,35 Euro.
Für die tatsächliche Ersparnis bleibt jedoch entscheidend, wann eine Tankstelle den vergünstigten Kraftstoff einkauft und wie sich Rohöl-, Raffinerie- und Wettbewerbspreise entwickeln. Der Rabatt gilt formal für Kraftstoff, der nach Mitternacht Tanklager oder Raffinerien verlässt. Deshalb können einzelne Stationen den Vorteil zeitlich verzögert weitergeben, während Konkurrenzdruck die Preise bereits vorher sinken lässt.
Mittagszeit bleibt wichtiger Preisfaktor
Die seit April geltende 12-Uhr-Regel prägt den Tagesverlauf zusätzlich: Tankstellen dürfen Preise nur einmal täglich erhöhen, aber jederzeit senken. Nach ADAC-Auswertungen liegen die Preise kurz vor zwölf im Durchschnitt unter dem Tagesmittel; nach dem Mittagszeitpunkt folgt häufig ein deutlicher Anstieg. Für Autofahrer bedeutet das, dass ein Preisvergleich und der Tankzeitpunkt die Ersparnis über den staatlichen Rabatt hinaus beeinflussen können.
Staatliche Entlastung mit Nebenwirkungen
Der Staat verzichtet durch die Maßnahme voraussichtlich auf rund 2,5 Milliarden Euro Einnahmen. Zugleich schwächt ein niedrigerer Kraftstoffpreis den Anreiz zum Spritsparen und begünstigt grundsätzlich alle Autofahrer unabhängig vom Einkommen. Die Wirkung auf die Inflation dürfte dagegen unmittelbar sichtbar werden, weil Kraftstoffe mit ihrem hohen Gewicht direkt in den Verbraucherpreisindex eingehen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
WDR: „Tankrabatt: Wann wird Tanken in NRW günstiger?“ (30.09.2026)
Der WDR erläutere, die Entlastung könne bei vollständiger Weitergabe 16,7 Cent je Liter betragen und der Staat nehme dadurch voraussichtlich knapp 2,5 Milliarden Euro weniger Steuern ein. Anders als die aktuelle dpa-Meldung, die bereits gemessene Preisrückgänge beschreibt, lege der Beitrag den Schwerpunkt auf die verzögerte Versorgung mit verbilligtem Kraftstoff, frühere Erfahrungen und die Kritik am Gießkannenprinzip.
Tagesspiegel: „Drei Monate billigerer Sprit: Was man zum Start des neuen Tankrabatts wissen muss“ (30.09.2026)
Der Bericht bestätige den Start der dreimonatigen Steuersenkung und hebe hervor, dass der Rabatt formal erst für nach Mitternacht ausgelieferten Kraftstoff gelte. Einen anderen Schwerpunkt setze er bei den möglichen Folgen für Autofahrer: Er beschreibe die 12-Uhr-Regel, regionale Preisunterschiede, mögliche Schlangen sowie die offene Frage, ob die volle Entlastung tatsächlich weitergegeben werde.
Beide Beiträge stimmten mit der aktuellen Meldung beim schnellen Preisrückgang und bei der Größenordnung des Steuervorteils überein. Unterschiede lägen vor allem darin, dass sie stärker auf Voraussetzungen, Kosten und Verhaltenstipps eingingen, während die dpa-Meldung die am Morgen gemessenen Preise und regionale Unterschiede hervorhebe.
