Tankrabatt, Spritpreise

Tankrabatt: Spritpreise steigen wieder über Startniveau

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 13:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Spritpreise sind wenige Tage nach dem Start des Tankrabatts wieder gestiegen. Der ADAC sieht einen Teil der anfänglichen Entlastung bereits aufgezehrt und weiterhin Spielraum für niedrigere Preise.

Am ersten Tag des Tankrabatts fiel E10 vielerorts zumindest vorübergehend unter zwei Euro pro Liter. Das kommt immer noch vor, ist aber seltener geworden. (Archivbild) - Bild: Bodo Marks/dpa
Am ersten Tag des Tankrabatts fiel E10 vielerorts zumindest vorübergehend unter zwei Euro pro Liter. Das kommt immer noch vor, ist aber seltener geworden. (Archivbild) - Bild: Bodo Marks/dpa

Die Preise für Benzin und Diesel haben sich wenige Tage nach dem Start des Tankrabatts wieder erhöht und liegen inzwischen über dem Niveau unmittelbar nach Beginn der Steuersenkung.

Super E10 und Diesel legen zu

Im bundesweiten Tagesdurchschnitt kostete ein Liter Super E10 am Sonntag nach Angaben des ADAC 2,137 Euro. Das waren 2,3 Cent mehr als am Donnerstag.

Diesel kostete durchschnittlich 2,253 Euro je Liter und damit 0,9 Cent mehr als am Donnerstag. Der Verkehrsclub erklärte, die anfängliche Entlastungswirkung sei damit teilweise wieder aufgezehrt.

ADAC sieht Entwicklung kritisch

Die Energiesteuersenkung habe zunächst zu einem deutlichen Preisrückgang geführt, die Entlastung schmelze jedoch bereits wieder zusammen, teilte der ADAC mit. Für den Anstieg bei Super E10 gebe es derzeit keine offensichtliche Erklärung, weil sich Ölpreis und Euro-Dollar-Wechselkurs nur wenig verändert hätten.

Aus Verbrauchersicht sei der erneute Preisanstieg deshalb schwer nachvollziehbar. Der ADAC sieht nach eigenen Angaben weiterhin Spielraum für niedrigere Kraftstoffpreise.

Weniger Angebote unter zwei Euro

Auch beim Tagestief vor dem üblichen Preissprung um die Mittagszeit waren die höheren Preise sichtbar. Einige Tage nach dem Start des Tankrabatts war E10 an vielen Tankstellen noch vorübergehend für weniger als zwei Euro erhältlich.

Am Montagvormittag gab es solche Angebote in Berlin, Hamburg und Stuttgart laut ADAC-App nicht. In Leipzig und Köln fanden sich vereinzelt Preise unter zwei Euro; in München bot mehr als jede dritte Tankstelle E10 zumindest kurzfristig zu diesem Preis an. Am Donnerstag war dies dort noch bei mehr als jeder zweiten Tankstelle der Fall gewesen.

Weitergabe des Rabatts schwer messbar

Wie stark die Energiesteuersenkung von 16,7 Cent je Liter weitergegeben wird, lässt sich nach Einschätzung des ADAC nur schwer beurteilen. Die Preise schwanken durch mehrere Einflussfaktoren und waren bereits in den Tagen vor dem Start des Tankrabatts gefallen.

Verglichen mit den Tagesdurchschnittswerten vom 28. bis 30. September war E10 am Sonntag je nach Vergleichstag 10,5 bis 13,9 Cent günstiger. Bei Diesel betrug der Rückgang 13,7 bis 17,2 Cent.

Über die Weitergabe des Steuervorteils war bereits bei früheren Tankrabatten gestritten worden. Der Branchenverband en2x erklärte damals und im Vorfeld der aktuellen Maßnahme, der Nachlass werde vollständig weitergegeben. Verbraucherschützer und Wirtschaftsforscher kamen zu anderen Einschätzungen.

Steuersenkung trifft auf volatile Märkte

Der Tankrabatt senkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel befristet um rund 16,7 Cent je Liter einschließlich Mehrwertsteuer. Die tatsächliche Preisentwicklung an den Zapfsäulen hängt jedoch zusätzlich von Rohölnotierungen, Wechselkursen, Raffineriemargen, Transportkosten und der regionalen Wettbewerbssituation ab. Deshalb kann der Steuervorteil zeitlich und regional unterschiedlich sichtbar werden.

Besonders wichtig ist der tägliche Preisverlauf: Tankstellen verändern ihre Preise mehrfach, häufig mit einem Anstieg um die Mittagszeit. Für Autofahrer kann der Zeitpunkt des Tankens deshalb einen erheblichen Unterschied machen. Preisvergleichsportale und die Markttransparenzstelle des Bundeskartellamts ermöglichen es, Angebote in der Umgebung zu vergleichen.

Regionale Unterschiede und politische Debatte

Die Weitergabe des Rabatts ist auch von den Versorgungswegen abhängig. Regionen mit wenigen Raffinerien oder langen Transportwegen können andere Preisniveaus aufweisen als Gebiete mit stärkerem Wettbewerb und guter Hafenanbindung. Niedrige Wasserstände wichtiger Transportwege können die Logistikkosten zusätzlich erhöhen.

Parallel zu den nationalen Maßnahmen wirken internationale Entwicklungen auf den Kraftstoffmarkt. Die angekündigte Freigabe von Öl- und Dieselreserven soll kurzfristig dämpfen, ersetzt aber keine dauerhafte Entspannung bei Angebot, Transportwegen und geopolitischen Risiken. Für Verbraucher bedeutet das: Der staatliche Rabatt bleibt bis Jahresende relevant, garantiert aber keinen konstanten Preisabschlag an jeder Tankstelle.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

WDR: „Benzin- und Dieselpreise : Freigabe von Öl-Reserven ändert Spritpreis kaum“ (03.10.2026)

Der Bericht bestätige den anfänglichen Preisrückgang nach dem Start des Tankrabatts und hebe hervor, dass die Freigabe internationaler Reserven an den Tankstellen bislang nur einen begrenzten Effekt gehabt habe. Anders als die dpa-Meldung richte der WDR den Schwerpunkt auf regionale Unterschiede, Versorgungswege und die mögliche Rolle von Raffineriewettbewerb und Niedrigwasser.

FOCUS online: „Wüst attackiert Ölkonzerne wegen Spritpreisen: „Ein Skandal““ (03.10.2026)

Der Artikel bestätige, dass die Preise nach dem ersten Rückgang wieder gestiegen seien, und stelle die politische Kritik von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst in den Mittelpunkt. Zugleich werde betont, der Steuervorteil sei nicht vollständig verschwunden; offen bleibe, wie stark Markt- und Kostenfaktoren neben der Weitergabe durch Mineralölunternehmen wirkten.

Beide Berichte stimmten mit der aktuellen Entwicklung eines zunächst deutlichen, anschließend teilweise schwindenden Entlastungseffekts überein. Unterschiede lägen vor allem beim Schwerpunkt: Während der WDR strukturelle und regionale Ursachen betone, konzentriere sich FOCUS online stärker auf die politische Verantwortungsdebatte.

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