Tankrabatt: SPD-Fraktionsvize Zorn verteidigt Entlastung von bis zu 17 Cent
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 08:10 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
SPD-Fraktionsvize Armand Zorn hat den geplanten Tankrabatt der Bundesregierung als Entlastung für viele Menschen verteidigt.
Zorn: Rabatt kommt bei Verbrauchern an
Im ARD-„Morgenmagazin“ sagte Zorn, es gehe darum, Menschen im Alltag zu entlasten. Die Alternative sei gewesen, nichts zu tun oder den Tankrabatt erneut auf den Weg zu bringen.
Zorn leitet gemeinsam mit dem CDU-Politiker Sepp Müller eine Taskforce der Koalition. Der Gesetzentwurf zum Tankrabatt war am Montag vom Bundeskabinett beschlossen worden.
Weitergabe an Autofahrer im Mittelpunkt
Nach Angaben Zorns sei der frühere Tankrabatt laut Studien größtenteils an die Verbraucher weitergegeben worden. Er nannte einen Anteil von 80 bis 90 Prozent.
Den fehlenden Anteil müsse man sich zurückholen, sagte Zorn. Die Kombination aus Tankrabatt, Spritpreisdeckel und zusätzlichem Druck über das Kartellrecht werde dafür sorgen, dass die Mineralölkonzerne die Entlastung weitergäben.
Spritpreisdeckel trotz Kritik
Der Spritpreisdeckel werde trotz der Kritik von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kommen, sagte Zorn. Es handele sich um einen Beschluss der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten sowie der Koalition im Bund. Reiche sei Teil dieser Koalition.
Bis zu 17 Cent weniger pro Liter
Vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember soll die Energiesteuer auf Diesel und Benzin um rund 14 Cent je Liter sinken. Einschließlich der Mehrwertsteuer ergibt sich nach Angaben der Bundesregierung eine Entlastung von bis zu 17 Cent an der Zapfsäule.
Mit dem Tankrabatt will die Bundesregierung die seit dem Iran-Krieg deutlich gestiegenen Preise abfedern. Einen identischen Rabatt hatte es bereits im Mai und Juni gegeben. Damals wurden die Preise zwar gedämpft, die Mineralölkonzerne gaben die Steuersenkung aber nicht vollständig an die Autofahrer weiter.
Entlastung mit begrenzter Reichweite
Der geplante Tankrabatt soll die Energiesteuer für Benzin und Diesel vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember um rund 14 Cent je Liter senken. Weil auf den niedrigeren Preis auch weniger Mehrwertsteuer entfällt, ergibt sich rechnerisch eine Entlastung von bis zu 17 Cent. Für Autofahrer bedeutet das bei einem 50-Liter-Tank eine mögliche Ersparnis von bis zu 8,50 Euro pro Tankfüllung.
Die tatsächliche Wirkung hängt jedoch von der Preisentwicklung an den Zapfsäulen und der Weitergabe durch die Mineralölwirtschaft ab. Der Deutschlandfunk beziffert die erwarteten Mindereinnahmen des Staates auf rund 2,5 Milliarden Euro. Für die Umsetzung zum 1. Oktober muss das Gesetzgebungsverfahren von Bundestag und Bundesrat zügig abgeschlossen werden.
Preisdeckel als zweites Instrument
Der zusätzlich geplante Spritpreisdeckel soll nach den bisherigen Plänen spätestens zum 1. Januar 2027 greifen. Er würde den Preis nicht automatisch senken, sondern eine staatlich festgelegte Obergrenze setzen. Die konkrete Ausgestaltung und der Umgang mit Unternehmensmargen sind noch offen.
Politisch geht es damit um zwei unterschiedliche Ansätze: Der Tankrabatt wirkt unmittelbar über eine Steuersenkung, erreicht aber auch Menschen, die nicht auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Der Preisdeckel soll künftige Preissprünge begrenzen, muss jedoch so ausgestaltet werden, dass Versorgung und Wettbewerb nicht beeinträchtigt werden. Für Pendler, Handwerksbetriebe und Transportunternehmen bleibt entscheidend, ob die Entlastung tatsächlich vollständig ankommt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
NDR: „Spritpreis-Entlastung: "Lösungspaket" oder "planlose Politik"?“ (21.09.2026)
Der Bericht bestätige die geplante Entlastung von bis zu 17 Cent je Liter und den vorgesehenen Preisdeckel. Er hebe zugleich hervor, dass Vertreter aus Niedersachsen eine Übergewinnsteuer forderten, während Grüne und AfD die Maßnahmen als nicht zielgenau beziehungsweise halbherzig kritisierten.
Merkur: „Tankrabatt ein „Fehler“: Experten zerlegen „zynische“ Sprit-Entlastung der Bundesregierung“ (20.09.2026)
Der Artikel bestätige den Umfang und den Zeitraum des Tankrabatts, setze seinen Schwerpunkt aber auf die Kritik von Ökonomen, Verbraucherschützern und Umweltverbänden. Er berichte außerdem, der geplante Preisdeckel könne zusätzlichen Verwaltungsaufwand verursachen; offen bleibe, wie wirksam und dauerhaft die Entlastung für Verbraucher und Unternehmen ausfalle.
Beide Berichte stellten die geplante kurzfristige Entlastung und den Preisdeckel als gemeinsame Eckpunkte heraus. Unterschiede gebe es vor allem bei der Bewertung der Zielgenauigkeit, der möglichen Weitergabe an der Zapfsäule und der Frage, ob ergänzende Maßnahmen wie eine Übergewinnsteuer erforderlich seien.
