Tankrabatt: Laut DIW kommen nur 67 Prozent der Steuersenkung an
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 22:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer staatliche Tankrabatt entlastet die Autofahrer in Deutschland einem Bericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) vom 15. Oktober zufolge deutlich geringer als politisch vorgesehen.
Laut dem DIW-Tankrabatt-Monitor kommen lediglich rund zwei Drittel beziehungsweise 67 Prozent der rechnerischen Steuersenkung von 16,7 Cent pro Liter bei den Verbrauchern an. Einen Teil der Entlastung behalten die Ölkonzerne demnach als zusätzlichen Gewinn ein, wie DIW-Experte Tomaso Duso darlegt.
Nachlassender Effekt im Vergleich zu Frankreich
Zur Ermittlung der tatsächlichen Weitergabe verglich das DIW Berlin die Preisentwicklung mit Frankreich, wo kein entsprechender Rabatt gilt. Seit dem 1. Oktober sind die Kraftstoffpreise in Deutschland demnach im Schnitt um 10 bis 11 Cent je Liter stärker gesunken als im Nachbarland. Direkt in den ersten Tagen nach Inkrafttreten fiel der Rückgang mit rund 12 Cent noch deutlicher aus, beim Diesel lag die Differenz sogar bei bis zu 13,6 Cent.
Seit dem 8. Oktober hat die Weitergabe laut Duso jedoch spürbar nachgelassen und liegt im Durchschnitt nur noch bei 9 Cent. Wählt man als Referenztag statt des 30. Septembers den 27. September, habe die Weitergabe anfangs rechnerisch noch bei über 80 Prozent gelegen.
Da die Steuersenkung zunächst auf der Stufe der Raffinerien und Großhändler ansetzt, sieht Duso deutliche Hinweise auf einen unzureichenden Wettbewerb auf dieser Handelsstufe und forderte das Bundeskartellamt zu konsequenten Untersuchungen auf.
Uneinigkeit zwischen Instituten, Behörden und Mineralölwirtschaft
Auch das Bundeskartellamt beobachtet die Situation. Behördenleiter Andreas Mundt stellte fest, dass die Weitergabe auf Raffinerie- und Großhandelsstufe zwar weitgehend, aber nicht ganz vollständig erfolge. Die verbleibende Lücke sei bei Benzin größer als bei Diesel. Berechnungen des Ifo-Instituts für den Zeitraum vom 7. bis zum 13. Oktober ergaben wiederum eine Weitergabe von 13 Cent bei E10, 14,7 Cent bei E5 und E15 sowie 13,5 Cent bei Diesel.
Das DIW Berlin zeigt: Von der Steuersenkung kommen nur rund zwei Drittel an der Zapfsäule an — ein Teil bleibt bei den Ölkonzernen. Wer trotzdem sparen will, braucht einen klaren Plan. Jetzt kostenlosen Pendler-Ratgeber anfordern
Der Mineralölverband en2x widersprach den Vorwürfen einer unvollständigen Entlastung. Der Verband betonte, der Rabatt werde in voller Höhe weitergegeben. Der Produktpreis für E10 sei seit dem 30. September um rund 5 Cent pro Liter gestiegen, womit die Endpreise rund 17 Cent günstiger lägen als ohne die Maßnahme.
Zudem lehnte en2x den Vergleich mit Frankreich ab und verwies auf gestiegene Transportkosten infolge des Rheinniedrigwassers sowie Belastungen durch die Bioquote. Verbandsvertreter Christian Küchen unterstrich, dass die Börsenpreise für Benzin und Diesel maßgeblich seien und nicht der Rohölpreis.
Preisentwicklung und regionale Unterschiede
Der ADAC forderte unterdessen eine lückenlose Weitergabe des Abschlags an die Zapfsäulen. Nach ADAC-Angaben kostete E10 am Mittwoch 2,146 Euro pro Liter und lag damit gut 3 Cent über dem Niveau des ersten Rabatttags, während Diesel bei 2,255 Euro pro Liter notierte.
Einer Auswertung der Daten der Markttransparenzstelle zufolge ist E10 bundesweit binnen einer Woche um 2,5 Cent gestiegen, Diesel verteuerte sich um 1,4 Cent.
Auf regionaler Ebene, etwa im Raum Rottweil, sank der Dieselpreis zwischen dem 30. September und dem 13. Oktober um 16,6 Cent, während der bundesweite Rückgang bei 14,3 Cent lag. Bei Super E10 betrug das Minus in Rottweil 11,5 Cent gegenüber 9,0 Cent im Bundesschnitt. Gleichzeitig verteuerte sich Rohöl der Sorte Brent von rund 100 auf etwa 106 US-Dollar bei schwächerem Euro.
Seit dem 8. Oktober lässt die Weitergabe spürbar nach — im Schnitt nur noch 9 Cent statt der möglichen 16,7 Cent. Wer täglich pendelt, merkt das an der Kasse. Unser Ratgeber zeigt, wie Sie Ihre Tankkosten trotzdem senken. Spartipps für Pendler jetzt sichern
Auslöser des seit dem 1. Oktober geltenden und bis zum 31. Dezember befristeten Rabatts sind starke Preissteigerungen infolge von Verwerfungen an den Ölmärkten durch den Iran-Krieg. Die Steuersenkung von rund 17 Cent je Liter kostet Bund und Länder insgesamt 2,5 Milliarden Euro.
Laut EU-Kommission lag Deutschland mit Stand von Montag im EU-Vergleich auf dem viertzehnten Rang bei den teuersten E10-Preisen und belegte bei Diesel den sechsten Platz, nachdem das Land Ende September noch auf Rang drei beziehungsweise vier gelegen hatte.
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