Tankrabatt: Ifo sieht Lücke bei E10 und Diesel
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 11:11 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der Tankrabatt ist nach einer Untersuchung des Ifo-Instituts in den ersten Tagen nicht vollständig an die Verbraucher weitergegeben worden.
Rabatt bleibt hinter Möglichkeit zurück
Beim Diesel gaben Tankstellen laut Ifo von der Steuersenkung von 17 Cent je Liter durchschnittlich 15 Cent weiter. Bei Superbenzin E5 waren es gut 16 Cent, bei Super E10 rund 15 Cent, sagte Ifo-Experte Florian Neumeier.
Auch der ADAC sieht vor allem bei E10 eine deutliche Lücke zum rechnerisch möglichen Preisrückgang. Bei Diesel komme die steuerliche Entlastung dagegen zu einem großen Teil bei den Kunden an. Nach Einschätzung des Automobilclubs bestehe aber weiterhin Spielraum für niedrigere Preise.
Weitergabe schwankt von Tag zu Tag
Nach Angaben des Ifo-Instituts wurde der Rabatt am 1. Oktober vollständig weitergegeben. Am Wochenende blieb die Weitergabe demnach unvollständig. Besonders bei E10 sank die errechnete Weitergabe von Donnerstag bis Sonntag um rund sieben Cent, bevor sie am Montag wieder auf mehr als 15 Cent stieg.
Bei Diesel verlief die Entwicklung ähnlich, allerdings mit geringeren Ausschlägen. Die Untersuchung des Ifo-Instituts umfasst die Tage bis einschließlich Montag.
Spritpreise geben zuletzt nach
Nach ADAC-Daten kostete ein Liter E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt am Dienstag 2,126 Euro. Das waren 0,6 Cent weniger als am Montag, aber weiterhin mehr als am ersten Tag des Tankrabatts. Diesel verbilligte sich um 1,2 Cent auf 2,233 Euro je Liter und lag damit ebenfalls unter dem Preis vom Start des Rabatts.
Auch am Mittwoch deuteten Vormittagsdaten des Portals Tankerkönig auf einen weiteren Rückgang hin.
Unterschiedliche Berechnung
Die Einschätzungen von Ifo und ADAC sind nicht vollständig deckungsgleich, weil sie unterschiedliche Zeiträume und Methoden verwenden. Der ADAC betrachtet die Preisentwicklung in Deutschland unter den aktuellen Marktbedingungen.
Das Ifo vergleicht deutsche Preise mit denen in Frankreich, um allgemeine Schwankungen etwa beim Ölpreis herauszurechnen. Die Entwicklung in Frankreich soll dabei zeigen, wie sich die Preise in Deutschland unter normalen Umständen verändert hätten.
Kritik am Tankrabatt
Der Tankrabatt gilt seit dem 1. Oktober. Der Bund verzichtet auf Energie- und Mehrwertsteuer in Höhe von 16,7 Cent je Liter. Neumeier kritisierte die Maßnahme, weil sie den verbrauchsdämpfenden Effekt hoher Preise abschwäche und Kaufentscheidungen zugunsten von Benzin beeinflussen könne.
Ifo-Experte Christian Gréus bezeichnete den Rabatt zudem als wenig zielgenau. Haushalte mit geringem Einkommen, kleinen Autos und geringer Kilometerleistung profitierten kaum davon.
Branche widerspricht
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie erklärte, seine Mitgliedsunternehmen hätten den Rabatt vollständig weitergegeben. Ohne die Maßnahme wären die Tankstellenpreise an ihren Stationen seit Anfang Oktober zu jedem Zeitpunkt um 17 Cent je Liter höher gewesen.
Der Verband weist zugleich darauf hin, dass seine Mitglieder etwa die Hälfte der rund 14.000 Tankstellen in Deutschland vertreten. Das Ifo-Institut will wie beim ersten Tankrabatt einen Tracker zur Weitergabe online stellen.
Steuersenkung trifft auf volatile Märkte
Der Tankrabatt senkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel seit dem 1. Oktober um rund 14 Cent je Liter. Einschließlich der Mehrwertsteuer ergibt sich rechnerisch eine Entlastung von etwa 16,7 bis 17 Cent. Der Staat verzichtet auf Einnahmen, ohne Tankstellen gesetzlich zu einer vollständigen Weitergabe an der Zapfsäule zu verpflichten.
Wie stark der Preis sinkt, hängt deshalb nicht allein von der Steuer ab. Rohölnotierungen, Wechselkurse, Raffineriekosten, regionale Konkurrenz und die tägliche Preisgestaltung der Tankstellen beeinflussen den Endpreis. Der aktuelle Vergleich des Ifo-Instituts mit Frankreich soll solche allgemeinen Marktschwankungen herausrechnen; die ADAC-Auswertung betrachtet dagegen die tatsächliche Preisentwicklung in Deutschland.
Entlastung bleibt ungleich verteilt
Für Autofahrer bedeutet die Ifo-Bilanz, dass die rechnerische Entlastung nicht bei jeder Kraftstoffsorte und nicht an jedem Tag vollständig ankommt. Besonders bei E10 schwankt die Weitergabe deutlich. Haushalte mit geringem Einkommen und niedriger Fahrleistung profitieren grundsätzlich weniger von einem Rabatt, der an der getankten Literzahl ansetzt.
Der finanzielle Effekt bleibt zudem von der Ausgangslage abhängig: Sinkende Rohölpreise können die Entlastung sichtbarer machen, steigende Beschaffungskosten sie teilweise überlagern. Für Verbraucher sind daher regionale Preisvergleiche und der Zeitpunkt des Tankens entscheidend. Die Debatte über die Weitergabe dürfte anhalten, weil Branchenverband, ADAC und Wirtschaftsforschung unterschiedliche Vergleichsmaßstäbe verwenden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
DER SPIEGEL: „Benzin und Diesel: Spritpreise steigen trotz Tankrabatts“ (05.10.2026)
Der Bericht bestätige, dass die Preise wenige Tage nach Beginn der Steuersenkung wieder angezogen hätten und die Entlastung dadurch schrumpfe. Er hebe zusätzlich hervor, dass günstige E10-Angebote unter zwei Euro seltener geworden seien, und stelle der Kritik von ADAC und Forschung die Darstellung des Branchenverbands gegenüber, seine Mitgliedsunternehmen hätten den Rabatt vollständig weitergegeben.
NDR: „Spritpreise aktuell: So entwickeln sich Benzin- und Dieselpreise“ (07.10.2026)
Der Artikel ordne die aktuellen Preise stärker in die geopolitische Lage am Ölmarkt ein. Er führe Pipeline-Schäden in Saudi-Arabien und Drohungen im Schiffsverkehr als Belastungsfaktoren an und erkläre, Diesel reagiere wegen seiner Bedeutung für Industrie und Energieversorgung besonders empfindlich. Damit ergänze der Beitrag die dpa-Meldung um den internationalen Kostenhintergrund, ohne die unterschiedliche Bewertung der Rabattweitergabe aufzulösen.
Beide Berichte bestätigten die zunächst gesunkenen, anschließend wieder belasteten Kraftstoffpreise; während der SPIEGEL den Streit über die Weitergabe und das knapper werdende Preisniveau betone, rücke der NDR die geopolitisch getriebenen Beschaffungskosten in den Mittelpunkt. Offen bleibe, wie sich Steuerentlastung und Marktpreise im weiteren Verlauf gegenseitig überlagern würden.
