Tankrabatt: ifo-Daten zeigen, dass von 17 Cent oft nur 15 ankommen
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 14:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das ifo-Institut hat deutliche Kritik an der Wirksamkeit und den Kosten des seit dem 1. Oktober geltenden Tankrabatts geübt. Nach einer Auswertung des Wirtschaftsforschungsinstituts kommt die Maßnahme nicht vollständig bei den Autofahrern an.
In den ersten fünf Tagen nach dem Inkrafttreten wurden von der Steuersenkung in Höhe von 17 Cent je Liter im Durchschnitt lediglich 15 Cent bei Diesel und E10 sowie gut 16 Cent bei E5 an die Verbraucher weitergegeben.
Schwankende Weitergabe an den Tankstellen
Für seine Berechnung verglich das ifo-Institut die deutschen Kraftstoffpreise mit den Preisentwicklungen im Ausland. Dabei zeigte sich, dass die Weitergabe des Abschlags direkt zum Monatsbeginn am 1. Oktober noch vollständig ausfiel, am darauffolgenden Wochenende jedoch nachließ.
Bei der Kraftstoffsorte E10 sank die rechnerische Weitergabe von Donnerstag bis Sonntag um rund 7 Cent und kletterte erst am Montag wieder über die Marke von 15 Cent. Das Institut kündigte an, seinen Online-Tracker zu den Preisdaten erneut zu veröffentlichen.
Der Bund hatte die Energiesteuer auf Kraftstoffe zum 1. Oktober für einen Zeitraum von drei Monaten um 14,04 Cent je Liter herabgesetzt. Unter Berücksichtigung der Mehrwertsteuer beläuft sich die rechnerische Entlastung auf 16,7 Cent je Liter beziehungsweise 8,35 Euro bei einer Tankmenge von 50 Litern.
Die Entlastungsmaßnahme wurde wegen stark gestiegener Treibstoffpreise infolge des Irankriegs und der Eskalation im Jemen auf den Weg gebracht. Einem zitierten Bericht zufolge waren die Preise am 1. Oktober bundesweit zwischen 11:45 und 12:15 Uhr deutlich angezogen: E10 stieg von 2,052 auf 2,253 Euro je Liter, Diesel kletterte von 2,197 auf 2,393 Euro je Liter.
Zahlen des ADAC und Reaktionen aus der Branche
Auch der ADAC registrierte Abweichungen bei den Preisen. Am Dienstag lag die Differenz zum rechnerischen Rückgang bei E10 bei 13,2 Cent je Liter, während die Ersparnis bei Diesel 17,6 Cent je Liter betrug.
Am 6. Oktober ermittelte der Automobilclub im bundesweiten Tagesdurchschnitt für E10 einen Preis von 2,126 Euro je Liter, was 0,6 Cent weniger als am Vortag entsprach. Diesel kostete 2,233 Euro je Liter und damit 1,2 Cent weniger als am Montag.
Der Verband En2x, dessen Mitglieder rund die Hälfte der etwa 14.000 Tankstellen in Deutschland stellen, betonte dagegen, die Senkung werde vollumfänglich weitergereicht. An den Stationen der Mitgliedsunternehmen hätten die Preise seit Beginn des Monats ohne den Rabatt zu jedem Zeitpunkt um 17 Cent je Liter höher gelegen.
Die Steuersenkung von 17 Cent je Liter kommt laut ifo-Institut nicht vollständig an der Zapfsäule an: In den ersten fünf Tagen wurden im Schnitt nur 15 Cent bei Diesel und E10 weitergegeben. Wer als Pendler trotzdem sparen will, braucht einen klaren Blick auf Preismuster und Alternativen. Kostenlosen Pendler-Report anfordern
Zweifel an Treffsicherheit und Belastung der Haushalte
Das ifo-Institut bemängelt, der bis zum Jahresende befristete Rabatt sei wenig zielgenau. Angesichts knapper Kraftstoffmengen sei das Instrument nicht dazu geeignet, den Verbrauch zu dämpfen. Zudem profitierten Haushalte mit geringem Einkommen, kleinen Fahrzeugen und niedriger Fahrleistung kaum von der Regelung.
Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer kritisierte den Tankrabatt ebenfalls als teuer, wenig zielgenau und kontraproduktiv für Sparanreize bei knappen Ressourcen. Sie sprach sich für Direktzahlungen an untere und mittlere Einkommensgruppen aus und verlangte eine Prüfung möglicher Wettbewerbsprobleme auf Raffinerie- und Großhandelsebene durch das Bundeskartellamt.
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst forderte von den Mineralölkonzernen die vollständige Weitergabe der Senkung und bezeichnete ein Abschöpfen auf Kosten von Pendlern und Betrieben als Skandal.
Insgesamt verursacht die dreimonatige Steuersenkung Kosten von rund 2,5 Milliarden Euro, die sich Bund und Bundesländer zu gleichen Teilen aufteilen. Die Länder schultern damit 1,25 Milliarden Euro.
Dem Land Nordrhein-Westfalen entgehen dadurch in den Jahren 2026 und 2027 insgesamt 270 Millionen Euro. Das rheinland-pfälzische Finanzministerium bezifferte die zusätzliche Belastung des Landesetats auf rund 60 Millionen Euro.
Höhere Kraftstoffpreise führten zwar zu mehr Umsatzsteuereinnahmen, drückten jedoch die Steuereinnahmen in anderen Konsumbereichen in ähnlicher Größenordnung und verteuerten zudem den Betrieb öffentlicher Fuhrparks wie etwa bei der Polizei.
Rahmenbedingungen für Pendler und Markt
Nach einer Analyse des SWR bringt die Maßnahme baden-württembergischen Pendlern über die drei Monate hinweg eine Ersparnis von rund 30 Euro je Person. Bei rund 4,3 Millionen Pendlern summiert sich dieser Betrag auf etwa 129 Millionen Euro. Eine rechtliche Pflicht zur Weitergabe des Steuernachlasses existiert nicht.
Rund 2,5 Milliarden Euro kostet der Tankrabatt — je zur Hälfte von Bund und Ländern getragen, während Haushalte mit kleinem Einkommen laut ifo kaum profitieren. Unser Report ordnet ein, wie die Entlastung wirkt und welche Optionen für Geringverdiener bleiben. Report zur Tankrabatt-Wirkung sichern
Laut dem Fraktionschef der Grünen wird es keinen dritten Tankrabatt geben; für den 1. Januar ist stattdessen ein Spritpreisdeckel geplant, zu dem noch keine Details feststehen. Am Markt gilt weiterhin die Regel, wonach Preiserhöhungen nur einmal am Tag um 12 Uhr erfolgen dürfen. Als Hintergrund für die anhaltende Kraftstoffknappheit gelten fehlende Kapazitäten in den Raffinerien.
