Tankrabatt für Benzin und Diesel: Weitergabe an Kunden ist nicht vorgeschrieben
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 15:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einem parlamentarischen Eilverfahren haben Bundestag und Bundesrat eine temporäre Senkung der Kraftstoffsteuern für den Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember 2026 gebilligt. Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel sinkt dabei um 14,04 Cent pro Liter, was unter Berücksichtigung der Mehrwertsteuer einer Entlastung von rund 16,7 bis 17 Cent pro Liter entspricht.
Im Bundestag votierten 434 von 562 Abgeordneten für die von Union und SPD getragene Maßnahme, während 128 Parlamentarier dagegen stimmten. Die Länderkammer stimmte der Vorlage ebenfalls zu und verzichtete auf die Anrufung des Vermittlungsausschusses. Für das Inkrafttreten zum 1. Oktober 2026 stand zuletzt noch die Unterschrift des Bundespräsidenten aus.
Steuerausfälle und offene Fragen bei der Weitergabe
Die mit der Maßnahme verbundenen Steuerausfälle werden auf 2,485 bis 2,5 Milliarden Euro geschätzt und von Bund und Ländern je zur Hälfte getragen. Dies entspricht für den Zeitraum der Steuersenkung rechnerisch Mindereinnahmen von rund 27 Millionen Euro pro Tag. Eine gesetzliche Pflicht für Tankstellen und Mineralölkonzerne, den Rabatt vollständig an die Verbraucher weiterzureichen, ist im Gesetz nicht verankert.
Dass Steuersenkungen nicht zwangsläufig in voller Höhe an den Zapfsäulen ankommen, zeigen Daten des ifo-Instituts vom 25. September 2026. Bei einer früheren Rabattaktion im Mai 2026 wurden demnach im Schnitt lediglich 16 Cent pro Liter bei Super E5, 15 Cent bei Super E10 sowie 12 Cent bei Diesel weitergegeben.
Nach Einschätzung von Wirtschaftsforschungsinstituten schwächen pauschale Preisnachlässe zudem Energiesparanreize und kollidieren mit Klimaschutzzielen. Umweltschützer und Politiker der Grünen äußerten die Befürchtung, Teile der staatlichen Hilfe könnten bei den Mineralölunternehmen verbleiben.
Kontroverse um Preisdeckel und Direktzahlungen
Die Regierungskoalition beabsichtigt, einen Preisdeckel spätestens ab Anfang 2027 einzuführen, wobei der genaue Startzeitpunkt weiterhin offen ist. Direktauszahlungen an Bürger sollen ebenfalls im kommenden Jahr umsetzbar sein. Mehrere Ministerpräsidenten forderten zuletzt Spritpreise von unter 2 Euro pro Liter.
Niedersachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne verlangte am 25. September 2026 einen Spritpreisdeckel spätestens zum 1. Januar 2027 sowie eine Übergewinnsteuer, die im Zweifelsfall national ohne europäische Regelung erlassen werden solle.
Der Wirtschaftsausschuss des Bundesrates sprach sich am selben Tag für eine saarländische Initiative aus, die nach dem Auslaufen des Tankrabatts gesetzliche Höchstpreise nach luxemburgischem Vorbild vorsieht.
Bundestag und Bundesrat haben die Energiesteuer auf Benzin und Diesel vom 1. Oktober bis 31. Dezember gesenkt — rund 17 Cent pro Liter. Doch eine Pflicht, den Rabatt vollständig weiterzugeben, steht nicht im Gesetz. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie an der Zapfsäule genau prüfen, ob die Entlastung ankommt, und wie Pendler ihre Spritkosten in den Rabattmonaten senken. Kostenlosen Spritkosten-Leitfaden jetzt anfordern
Ökonomen sehen solche Markteingriffe jedoch kritisch. DIW-Ökonom Tomaso Duso warnte am 25. September 2026 davor, dass eine Preisobergrenze als Mindestzielpreis wirken, Tankstellenbetreiber im ländlichen Raum gefährden und die Kraftstoffversorgung in Nachbarmärkte verdrängen könnte.
Zudem stünden bürokratische Hürden und verfassungsrechtliche Risiken im Raum. Tomaso Duso schlug stattdessen gezielte Direktzahlungen nach französischem Vorbild vor, wo Hilfen im Jahr 2023 bei 100 Euro lagen. Bei 69,9 Millionen Steuer-Identifikationsnummern in Deutschland fehlen den Behörden bislang jedoch überwiegend die entsprechenden Kontoverbindungen.
Auch DIW-Präsident Marcel Fratzscher bezeichnete die pauschale Steuersenkung als teuer, sozial ungerecht sowie ökonomisch kontraproduktiv und plädierte für Direktzahlungen nach dem Vorbild der Energiepreispauschale aus dem Jahr 2022 in Höhe von 300 Euro je Erwachsenem.
Branchenverbände mahnen dauerhafte Lösungen an
In der Wirtschaft stieß der Beschluss auf ein geteiltes Echo. Wirtschaftsvertreter in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz begrüßten den Schritt zwar im Grundsatz, bemängelten jedoch die hohen Kosten und forderten zielgenauere Hilfen.
Der Verkehrsgewerbe-Verband Baden plädierte für gezielte Steuerentlastungen für gewerbliche Taxis, Busse und Lastwagen und verwies dabei auf die doppelte Belastung durch Energiesteuer und Lkw-Maut.
Die Handwerkskammer Halle gab zu bedenken, dass eine bis Jahresende befristete Maßnahme keine Planungssicherheit für Betriebe biete. Auch Vertreter der Landwirtschaft stuften den Rabatt als unzureichend ein.
Beim letzten Tankrabatt kamen laut ifo-Institut im Schnitt nur 12 bis 16 Cent pro Liter bei den Autofahrern an — nicht die vollen 17. Wer jetzt nicht aufpasst, zahlt den Rest selbst. Unser kostenloser Leitfaden gibt Ihnen eine klare Checkliste für die Zapfsäule und einen Ausblick, wie sich Preisdeckel und Direktzahlungen ab 2027 auf Ihr Budget auswirken. Checkliste jetzt kostenlos sichern
Zugleich fordern mehrere Landesregierungen weitergehende Hilfen bei anderen Energieträgern. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Thüringens Regierungschef Mario Voigt drängten auf Unterstützungen beim Heizölkauf oder ein zeitweises Aussetzen der CO?-Bepreisung. Bundesweit lagen die Preise für Heizöl zuletzt bei durchschnittlich 170 Euro je 100 Liter.
Eine Tankfüllung von 3000 Litern schlug mit rund 5100 Euro zu Buche, was im Vergleich zum Vorjahr einem Preisanstieg um 2300 Euro oder mehr als 80 Prozent entspricht. Eine Reduzierung der Energiesteuer auf das europäische Mindestmaß würde bei Heizöl weniger als 5 Euro je 100 Liter Entlastung bringen, während ein Stopp der CO?-Abgabe den Preis um rund 12 Prozent senken könnte.
