Tankrabatt, Milliarden

Tankrabatt endet 30. Juni: 1,6 Milliarden Euro bleiben bei Konzernen

10.06.2026 - 20:30:40 | boerse-global.de

Union und SPD beenden den Tankrabatt zum 30. Juni. Studien belegen unvollständige Weitergabe der Steuerentlastung an Verbraucher.

Tankrabatt endet: Koalition lehnt Verlängerung ab
Tankrabatt - Eine Zapfpistole an einer Tankstelle mit einer digitalen Preisanzeige, die schwankende Kraftstoffpreise zeigt. 10.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Regierungsfraktionen von Union und SPD haben sich gegen eine Verlängerung des Tankrabatts über den Juni hinaus entschieden. Der seit Anfang Mai geltende Steuernachlass auf Kraftstoffe läuft damit am 30. Juni aus. Ausschlaggebend für die Entscheidung waren aktuelle Studien, die ein gemischtes Bild bei der Weitergabe der Entlastung zeichnen.

Wie viel vom Rabatt wirklich ankommt

Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung berichtete am 9. Juni, dass der Rabatt bei Diesel die steuerliche Entlastung von 17 Cent sogar überstieg: 18,4 Cent pro Liter wurden weitergegeben. Bei Benzin waren es rund 13,2 Cent – das entspricht einer Quote von etwa 80 Prozent. Allerdings erschwere eine seit April geltende Preisregelung die Interpretation der Daten, so die Experten.

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Anders sehen es die Berechnungen des Ifo-Instituts vom 8. Juni. Zwar komme ein Großteil des Rabatts bei den Kunden an, doch rund 1,6 Milliarden Euro an Steuermitteln würden bei den Mineralölkonzernen verbleiben. Für Mai bezifferte das Institut die Weitergabe bei Diesel auf 12 Cent, bei Super E5 auf 16 Cent und bei Super E10 auf 15 Cent pro Liter. Die Forscher empfehlen, die Maßnahme nicht zu verlängern – sie sei ökologisch kontraproduktiv und verursache Kosten von über einer Milliarde Euro.

Koalition: „Nicht zielgenau“

Innerhalb der Koalition begründete man die Entscheidung vor allem mit der fehlenden Treffsicherheit. Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Armand Zorn betonte am 9. Juni, der Tankrabatt habe sein Ziel erreicht, sei aber nicht zielgenau. Fahrer teurer Sportwagen profitierten stärker als Besitzer von Kleinwagen. Die SPD plädiert stattdessen für einen Spritpreis-Deckel oder gezielte Entlastungen für Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen.

Auch die Union verteidigt die Beendigung. Der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Sepp Müller erklärte am 10. Juni, es sei finanzpolitisch nicht sinnvoll, für eine Fortführung neue Schulden aufzunehmen. Allerdings betonten beide Fraktionen, dass man bei einem erneuten dramatischen Anstieg der Kraftstoffpreise schnell reagieren könne. Als Reaktion auf die Kritik an der unvollständigen Weitergabe kündigte Müller zudem eine Verschärfung des Kartellrechts an.

Ölpreisschock belastet Konjunktur

Die Debatte um den Tankrabatt steht im Kontext des anhaltenden Konflikts im Iran, der die Energiepreise massiv beeinflusst. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) warnte am 10. Juni vor einer drohenden Rezession. Das Institut halbierte seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 0,5 Prozent und prognostiziert für 2026 eine Inflationsrate von 2,9 Prozent. DIW-Präsident Marcel Fratzscher sprach sich ebenfalls gegen eine Verlängerung aus und schlug stattdessen Pauschalzahlungen zur Entlastung vor.

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Daten des ADAC zeigen das hohe Preisniveau trotz staatlicher Intervention. Im Mai kostete ein Liter Super E10 im Durchschnitt 1,983 Euro – im April waren es noch 2,109 Euro. Bei Diesel sank der Preis im Mai auf 1,991 Euro pro Liter. Anfang Juni beobachtete der Automobilclub einen weiteren leichten Rückgang, kritisierte jedoch, dass Senkungen der Rohölpreise nur verzögert an die Endkunden weitergegeben würden.

Reaktionen aus der Opposition

Während Grüne und Linke die Entscheidung unterstützten und stattdessen eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne fordern, spricht sich die AfD für eine dauerhafte Senkung der Steuern auf Kraftstoffe aus. Aus einigen Bundesländern gab es zudem Rufe nach einer Fortsetzung der Maßnahme, um Pendler zu entlasten.

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