Tankrabatt: DIW sieht nur zwei Drittel der Senkung weitergegeben
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 13:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWSPreisabstände zeigen unterschiedliche Weitergabe
- Tomaso Duso vom DIW beziffert die bisherige Weitergabe auf rund zwei Drittel der Steuersenkung von 16,7 Cent je Liter.
- Das Ifo ermittelte vom 7. bis 13. Oktober 13 Cent bei E10, 14,7 Cent bei E5 und 13,5 Cent bei Diesel.
- Das Bundeskartellamt sieht größere Lücken bei Benzin als bei Diesel und hält eine umfassende Bewertung noch für zu früh.
DIW und Ifo sehen Lücken beim Tankrabatt
Zwei Wochen nach dem Start kommt der Tankrabatt nach Einschätzung von Wirtschaftswissenschaftlern nicht vollständig bei den Verbrauchern an. Berechnungen von DIW und Ifo sowie erste Auswertungen des Bundeskartellamts zeigen Unterschiede zwischen der Steuersenkung und der Weitergabe an den Tankstellen.
DIW misst nachlassende Weitergabe
DIW-Ökonom Tomaso Duso kommt zu dem Schluss, dass bislang rund zwei Drittel der Steuersenkung von 16,7 Cent je Liter bei den Verbrauchern angekommen sind. Seit dem 1. Oktober seien die Preise in Deutschland im Durchschnitt um 10 bis 11 Cent je Liter stärker gesunken als in Frankreich ohne Rabatt.
Seit dem 8. Oktober lag die Weitergabe nach dieser Berechnung im Schnitt nur noch bei 9 Cent. Duso weist zugleich darauf hin, dass das Ergebnis vom Vergleichstag abhängt: Gegenüber dem 27. September liege die Weitergabe bei mehr als 80 Prozent.
Ifo nennt Werte für drei Kraftstoffe
Das Ifo-Institut ermittelte für den Zeitraum vom 7. bis 13. Oktober bei E10 eine Weitergabe von 13 Cent je Liter. Für E5 kamen die Münchner Wirtschaftsforscher auf 14,7 Cent, für Diesel auf 13,5 Cent.
Damit blieb auch nach dieser Berechnung eine Lücke zum Steuernachlass. Besonders am vergangenen Wochenende stellte das Ifo geringe Weitergaben fest.
Kartellamt beobachtet Raffinerien und Großhandel
Auch das Bundeskartellamt sieht die Entlastung bislang nicht vollständig bei den Verbrauchern. Präsident Andreas Mundt erklärte, die bisherigen Auswertungen deuteten auf eine weitgehende, aber nicht vollständige Weitergabe bereits auf Ebene der Raffinerien und des Großhandels hin.
Bei Benzin sei die Lücke etwas größer als bei Diesel. Für eine umfassende Bewertung sei es noch zu früh.
Mineralölbranche verweist auf Weltmarktpreise
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie widerspricht der Kritik. Ein Sprecher erklärte, die Mitgliedsunternehmen gäben die Steuersenkung an Markentankstellen in vollem Umfang weiter.
Nach Darstellung des Verbands sei der internationale Produktpreis für Super E10 seit dem 30. September um rund 5 Cent je Liter gestiegen. Die Verbraucherpreise lägen dennoch zu jedem Zeitpunkt rund 17 Cent je Liter unter dem Niveau ohne Tankrabatt.
Deutschland bleibt im EU-Vergleich teuer
Super E10 kostete am Mittwoch im bundesweiten Tagesdurchschnitt laut ADAC 2,146 Euro je Liter. Diesel lag bei 2,255 Euro. E10 war damit gut 3 Cent teurer als am ersten Tag des Tankrabatts, Diesel minimal billiger.
Nach Daten der EU-Kommission lag Deutschland am Montag trotz Rabatt beim E10-Preis auf dem vierthöchsten Niveau der Europäischen Union. Diesel war der sechsthöchste. Ende September hatte Deutschland bei E10 noch auf Platz drei und bei Diesel auf Platz vier der teuersten Länder gelegen.
Der erneute Tankrabatt soll die Energiesteuer vorübergehend senken und die Belastung an den Zapfsäulen reduzieren. Der Nachlass beträgt laut dpa-Meldung 16,7 Cent je Liter; entscheidend für Verbraucher ist jedoch nicht allein die gesetzliche Entlastung, sondern der tatsächlich beobachtete Preisabstand.
Die Auswertungen von DIW und Ifo weisen darauf hin, dass dieser Abstand nach zwei Wochen je nach Kraftstoff und Vergleichszeitraum unterschiedlich ausfällt. Beim DIW liegt die durchschnittliche Weitergabe unter dem rechnerischen Steuerbetrag, während das Ifo für E10, E5 und Diesel jeweils höhere, aber ebenfalls nicht vollständige Werte nennt. Der Vergleich mit Frankreich und anderen EU-Staaten zeigt zudem, dass Deutschland trotz des Rabatts bei den Kraftstoffpreisen weiterhin im oberen Bereich liegt.
Preise bleiben von mehreren Faktoren abhängig
Das Bundeskartellamt beobachtet die Preisbildung entlang der Lieferkette und sieht die Lücke bereits bei Raffinerien und Großhandel. Die Mineralölbranche erklärt dagegen, gestiegene internationale Produktpreise hätten einen Teil der Entlastung überlagert. Für Autofahrer bedeutet das: Der Tankrabatt kann den Preis senken, schützt aber nicht vor Schwankungen bei Rohöl, Raffinerieprodukten und Wettbewerb.
Die Debatte hat außerdem eine politische Dimension. Eine staatliche Preishilfe entlastet alle Autofahrer unabhängig vom Einkommen und setzt zugleich Anreize für den Kraftstoffverbrauch. Die laufenden Auswertungen des Kartellamts und die weitere Preisentwicklung werden deshalb maßgeblich dafür sein, wie die Wirksamkeit und die Kosten der Maßnahme bewertet werden.
