Tankrabatt beschlossen: Ab 1. Oktober wird Sprit um rund 17 Cent günstiger
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 15:17 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundestag und Bundesrat haben den neuen Tankrabatt beschlossen, der Benzin und Diesel ab dem 1. Oktober für drei Monate vergünstigen soll.
Steuersenkung ab 1. Oktober
Die Energiesteuern auf Benzin und Diesel sinken zum kommenden Donnerstag um 14,04 Cent je Liter. Weil auf den niedrigeren Energiesteuerbetrag auch weniger Mehrwertsteuer anfällt, ergibt sich insgesamt eine Entlastung von 16,7 Cent je Liter – gerundet rund 17 Cent.
Die Regelung gilt bis Ende Dezember. Damit sie in Kraft treten kann, muss Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Gesetz noch ausfertigen.
Preise dürften schnell reagieren
Tankstellen sind nicht verpflichtet, die Steuersenkung vollständig weiterzugeben. Nach den Erfahrungen mit dem weitgehend ähnlich angelegten Rabatt im Mai und Juni ist jedoch damit zu rechnen, dass die Preise in der Nacht zum 1. Oktober sinken – an vielen Stationen möglicherweise bereits um Mitternacht.
Steuervorteil erreicht Tankstellen zeitversetzt
Der Rabatt gilt nur für Kraftstoff, der nach Mitternacht die Raffinerien oder Großtanklager verlässt. Deshalb kann es einige Tage dauern, bis überall vergünstigt besteuerter Sprit in den Lagern angekommen ist. Der Wettbewerb dürfte die Preise dennoch schrittweise nach unten bewegen.
Autofahrer müssen nicht eigens früh am ersten Tag tanken. Wegen der Vorgabe, dass Preiserhöhungen nur einmal täglich um 12 Uhr zulässig sind, können die Preise bis mittags zunächst nur sinken. Erfahrungsgemäß ist der späte Nachmittag häufig der günstigste Tankzeitpunkt.
Weitergabe des Rabatts umstritten
Ob die Entlastung vollständig bei den Kunden ankommt, ist umstritten. Bei der letzten Rabattaktion hatten unter anderem das Ifo-Institut, die Monopolkommission und das Bundeskartellamt eine unvollständige Weitergabe festgestellt. Die Mineralölwirtschaft weist diese Einschätzung zurück; zudem erschweren schwankende Rohöl- und Marktpreise die Bewertung.
Ein Preisvergleich kann sich deshalb gerade zu Beginn der neuen Regelung lohnen. Engpässe werden nicht erwartet, auch wenn Tankstellen und Autofahrer vor dem Stichtag ihre Lager beziehungsweise Tanks möglicherweise weniger stark füllen.
Milliardenkosten für Bund und Länder
Die Bundesregierung rechnet mit rund 2,485 Milliarden Euro weniger Steuereinnahmen. Bund und Länder tragen die Kosten jeweils zur Hälfte; der Bund will den Ländern dafür weniger Umsatzsteuereinnahmen überlassen.
Durchschnittsfahrer spart gut 30 Euro
Das durchschnittliche Auto wird nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes rund 900 Kilometer im Monat bewegt. Bei einem Verbrauch von sieben bis acht Litern je 100 Kilometer ergibt sich über drei Monate eine grobe Ersparnis von 32 bis 36 Euro. Fahrleistung, Verbrauch und der Zeitpunkt des Tankens können den Betrag deutlich verändern.
Kritik an der Maßnahme
Ökonomen kritisieren, dass der Rabatt auch Haushalte unterstützt, die keine Hilfe benötigen, während Menschen ohne Auto nicht direkt profitieren. Außerdem schwächt die künstliche Verbilligung das Preissignal für einen geringeren Verbrauch, und die vollständige Weitergabe an die Kunden ist nicht garantiert.
Der RWI-Ökonom Manuel Frondel hält den Tankrabatt dagegen für eine pragmatische Lösung, solange gezielte Direktzahlungen an bedürftige Haushalte nicht ohne Weiteres umgesetzt werden können.
Entlastung mit breiter Wirkung
Der Tankrabatt soll die Folgen des starken Anstiegs der Kraftstoffpreise kurzfristig abfedern. Davon profitieren vor allem Pendler, Speditionen, Handwerksbetriebe und andere Unternehmen mit hohem Kraftstoffverbrauch. Für einen durchschnittlichen Verbrennerfahrer bleibt die Entlastung über drei Monate jedoch begrenzt: Bei den genannten Annahmen liegt sie grob im niedrigen zweistelligen Eurobereich.
Die Maßnahme wirkt nach dem Gießkannenprinzip. Auch Haushalte mit hohen Einkommen und geringem finanziellen Druck erhalten die Steuerentlastung, während Menschen ohne Auto nicht direkt profitieren. Zugleich hängt der tatsächliche Vorteil davon ab, wie vollständig Tankstellen und Mineralölhandel die Steuersenkung weitergeben und wie sich die internationalen Rohölpreise entwickeln.
Bund und Länder tragen die Kosten
Die erwarteten Steuerausfälle von rund 2,5 Milliarden Euro verteilen sich auf Bund und Länder. Für die Länder bedeutet das Mindereinnahmen, obwohl sie zugleich Pendler und Unternehmen entlasten wollen. Der politische Konflikt reicht damit über die Zapfsäule hinaus: Befürworter verweisen auf die schnelle Hilfe in einer Krisensituation, Kritiker auf die fehlende Zielgenauigkeit und die Belastung künftiger Haushalte.
Widerspruch zur Klimapolitik
Der Rabatt senkt vorübergehend den Preis fossiler Energie, obwohl die Politik den Verbrauch von Benzin und Diesel langfristig verteuern und den Umstieg auf klimafreundlichere Antriebe fördern will. Dadurch wird das Preissignal abgeschwächt, das eigentlich sparsameres Fahren und Investitionen in alternative Mobilität fördern soll. Für Autofahrer bedeutet der 1. Oktober deshalb zwar eine kurzfristige Entlastung, aber keine dauerhafte Lösung für hohe Energie- und Mobilitätskosten.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau.de: „Tankrabatt kostet Niedersachsen 120 Millionen - ab wann er gilt und warum das Land ihn mitträgt“ (25.09.2026)
Der Bericht erläutere, Niedersachsen unterstütze das Paket trotz erwarteter Mindereinnahmen von rund 120 Millionen Euro. Als Begründung werde die Entlastung von Pendlern, auf das Auto angewiesenen Menschen und Unternehmen genannt; zugleich verweise der Artikel auf die Kritik von Sozialverbänden, Verbraucherschützern und Ökonomen.
BR24: „Pro & Contra: Tankrabatt kommt zurück – eine sinnvolle Maßnahme?“ (24.09.2026)
Der Beitrag stelle Befürworter und Gegner der Maßnahme gegenüber. Die Pro-Seite betone die schnelle Hilfe für Pendler und mobilitätsabhängige Berufe, während die Contra-Seite hervorhebe, der Rabatt sei nicht zielgenau, werde möglicherweise nicht vollständig weitergegeben und stehe im Widerspruch zu langfristigen Klimazielen.
Beide Berichte bestätigten die geplante Entlastung von rund 17 Cent je Liter bis Jahresende. Unterschiede bestünden vor allem bei der Bewertung der sozialen Zielgenauigkeit und der Frage, ob kurzfristige Hilfe oder gezieltere Instrumente Vorrang haben sollten.
