Tankrabatt ab 1. Oktober: So viel sparen Autofahrer
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundestag und Bundesrat sollen am Freitag den nächsten Tankrabatt beschließen, der die Steuern auf Benzin und Diesel ab 1. Oktober bis Jahresende um insgesamt rund 17 Cent je Liter senken soll.
Was geplant ist
Die Energiesteuer soll für beide Kraftstoffe um 14,04 Cent je Liter sinken. Weil auf die wegfallende Energiesteuer auch keine Mehrwertsteuer anfällt, ergibt sich eine gesamte Steuerentlastung von 16,7 Cent, gerundet 17 Cent.
Für Diesel lässt die Europäische Union keine stärkere Steuersenkung zu. Um Benzin- und Dieselfahrer gleich zu behandeln, soll deshalb auch der Benzinsteuersatz um diesen Betrag sinken.
Entscheidung im Eilverfahren
Die schwarz-rote Koalition will das Gesetz im Eilverfahren verabschieden. Die Änderung ist an ein bereits weit fortgeschrittenes Gesetz zur Sanierung und Abwicklung von Versicherungsunternehmen angehängt. Dadurch entfallen eine reguläre erste Lesung und Beratungen in den Ausschüssen.
Nach dem Bundestagsbeschluss gegen 12.00 Uhr soll der Entwurf an den Bundesrat gehen. Inkrafttreten kann die Regelung, wenn der Bundespräsident keine Einwände erhebt.
Wann die Preise sinken
Die Tankstellen müssen den Steuervorteil nicht eins zu eins weitergeben. Nach den Erfahrungen mit dem weitgehend gleich angelegten Rabatt im Mai und Juni ist jedoch damit zu rechnen, dass die Preise in der Nacht zum 1. Oktober schnell fallen.
Der Steuervorteil gilt nur für Kraftstoff, der nach Mitternacht die Raffinerien oder Großtanklager verlässt. Deshalb kann es mehrere Tage dauern, bis überall verbilligter Sprit in den Lagern angekommen ist. Wettbewerb dürfte die Preise dennoch nach unten bewegen.
Kein Grund für frühes Tanken
Autofahrer müssen am 1. Oktober nicht in den frühen Morgenstunden tanken. Nach der geltenden Vorgabe darf eine Preiserhöhung erst um 12.00 Uhr erfolgen; bis dahin kann der Preis also nur sinken. Typischerweise ist der späte Nachmittag der günstigste Tankzeitpunkt.
Wer noch ausreichend Kraftstoff im Tank hat, kann mögliche Warteschlangen am ersten Rabatt-Tag vermeiden. Ein Preisvergleich lohnt sich besonders, weil die Weitergabe des Rabatts je nach Tankstelle unterschiedlich ausfallen kann.
Wie viel Autofahrer sparen
Ob der Rabatt vollständig bei den Kunden ankommt, ist umstritten. Bei der vorherigen Regelung hatten das Ifo-Institut, die Monopolkommission und das Bundeskartellamt eine unvollständige Weitergabe errechnet; die Mineralölwirtschaft wies diese Einschätzung zurück. Schwankende Rohöl- und Beschaffungskosten erschweren die Bewertung.
Ein Liter Super E10 kostete am letzten Tag vor dem Kriegsausbruch Ende Februar im bundesweiten Tagesdurchschnitt 1,78 Euro, Diesel 1,75 Euro. Eine Rückkehr zu diesem Preisniveau ist trotz der Steuersenkung kaum zu erwarten.
Kosten und mögliche Engpässe
Der Bund rechnet mit 2,485 Milliarden Euro weniger Steuereinnahmen. Die Hälfte davon sollen die Länder tragen, indem der Bund ihnen weniger Umsatzsteuer überlässt. Das Vorgehen ist für die Länderfinanzierung ungewöhnlich.
Zum Start könnten Tankstellen und Autofahrer ihre Lager- beziehungsweise Tankbestände bewusst niedrig halten. Beim vorigen Rabatt führte das zu mehr Andrang, aber nicht zu größeren Versorgungsproblemen.
Kritik an der Maßnahme
Bei einer durchschnittlichen Fahrleistung von rund 900 Kilometern im Monat und einem Verbrauch von sieben bis acht Litern auf 100 Kilometer spart ein Verbrennerfahrer über die drei Monate rechnerisch etwa 32 bis 36 Euro. Fahrleistung, Verbrauch und Tankzeitpunkt können den Betrag deutlich verändern.
Ökonomen kritisieren den Rabatt als teuer und wenig zielgenau. Er entlastet auch Menschen, die nicht auf Unterstützung angewiesen sind, und erreicht Haushalte ohne Auto nicht. Zudem schwächt er das Preissignal, das bei knappen oder teuren Kraftstoffen normalerweise den Verbrauch dämpft.
Manuel Frondel vom RWI hält eine gezielte Hilfe für Bedürftige zwar grundsätzlich für besser, bezeichnet den Tankrabatt aber als pragmatische und faire Lösung, solange direkte Zahlungen nicht ohne Weiteres umgesetzt werden könnten.
Entlastung mit begrenzter Wirkung
Der Tankrabatt ist als kurzfristige Reaktion auf außergewöhnlich hohe Kraftstoffpreise angelegt. Die Steuersenkung gilt nur vom 1. Oktober bis zum Jahresende und soll die Belastung von Pendlern, Gewerbetreibenden und Haushalten mit notwendiger Autonutzung dämpfen. Für den durchschnittlichen Verbrennerfahrer ergibt sich bei typischer Fahrleistung eine Ersparnis von etwa 32 bis 36 Euro über drei Monate.
Die Maßnahme bleibt jedoch vom Marktpreis abhängig. Rohöl- und Beschaffungskosten, Wechselkurse sowie die Preisgestaltung der Mineralölunternehmen können den Vorteil an der Zapfsäule teilweise überlagern. Zudem müssen Tankstellen die Steuersenkung nicht vollständig weiterreichen. Ein Preisvergleich dürfte deshalb auch nach dem 1. Oktober entscheidend sein.
Zielgenauigkeit und langfristige Folgen
Politisch steht dem unmittelbaren Entlastungseffekt die Frage gegenüber, ob eine pauschale Verbilligung die richtigen Haushalte erreicht. Wer viel fährt, profitiert stärker; Menschen ohne Auto erhalten keine direkte Hilfe, obwohl sie ebenfalls unter steigenden Energie- und Lebenshaltungskosten leiden können. Zugleich schwächt ein niedrigerer Spritpreis den Anreiz, Fahrten einzusparen oder auf andere Verkehrsmittel umzusteigen.
Für die öffentlichen Haushalte bedeutet die Regelung Mindereinnahmen von rund 2,485 Milliarden Euro. Die Länder tragen davon die Hälfte. Damit verbindet sich die kurzfristige Preisentlastung mit einer erheblichen fiskalischen Belastung, während die strukturellen Ursachen hoher Kraftstoffpreise – insbesondere internationale Energiepreise und die langfristig steigende CO?-Bepreisung – bestehen bleiben.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau.de: „Tankrabatt kostet Niedersachsen 120 Millionen - ab wann er gilt und warum das Land ihn mitträgt“ (25.09.2026)
Der Bericht hebe hervor, Niedersachsen müsse wegen des Tankrabatts mit Mindereinnahmen von rund 120 Millionen Euro rechnen, unterstütze das Paket aber zur Entlastung von Pendlern, Autofahrern und Unternehmen. Zugleich betone der Artikel die Kritik von Sozialverbänden, Verbraucherschützern und Ökonomen an der fehlenden Zielgenauigkeit; offen bleibe die langfristige Ausgestaltung eines möglichen Spritpreisdeckels.
n-tv: „„Vollständig und schnell“: Bundeskartellamt mahnt Ölkonzerne zur Tankrabatt-Weitergabe“ (23.09.2026)
Der Artikel stelle die Weitergabe an die Verbraucher in den Mittelpunkt. Das Bundeskartellamt habe die Mineralölwirtschaft zur schnellen und möglichst vollständigen Weitergabe aufgefordert, zugleich aber erklärt, eine vollständige Weitergabe nicht erzwingen zu können; beim geplanten Preisdeckel sehe die Behörde zusätzliche wettbewerbliche Risiken.
Beide Berichte bestätigten den vorgesehenen Zeitraum und Umfang des Rabatts, setzten aber unterschiedliche Schwerpunkte: Der tagesschau-Bericht betone die Belastung der Länder und die politische Unterstützung, n-tv die Kontrolle der Preisweitergabe und mögliche Folgen eines späteren Preisdeckels.
