Tankrabatt ab 1. Oktober: Bundestag und Bundesrat sollen 17-Cent-Entlastung beschließen
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 08:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundestag und Bundesrat sollen am Freitag einen Tankrabatt beschließen, der die Energiesteuer auf Benzin und Diesel vom 1. Oktober bis Ende Dezember um 14,04 Cent je Liter senken soll.
Steuersenkung soll ab Oktober gelten
Weil auf die entfallende Energiesteuer auch keine Mehrwertsteuer anfällt, ergibt sich eine rechnerische Entlastung von insgesamt 16,7 Cent je Liter. Gerundet entspricht das den häufig genannten 17 Cent.
Für Diesel lässt die Europäische Union keine stärkere Steuersenkung zu. Um Benzin- und Dieselfahrer gleich zu behandeln, soll der gleiche Betrag für beide Kraftstoffarten gelten.
Beschluss im Eilverfahren
Die schwarz-rote Koalition will die Regelung am Freitag zunächst durch den Bundestag und anschließend durch den Bundesrat bringen. Der Entwurf ist an ein bereits weit fortgeschrittenes Gesetz zur Sanierung und Abwicklung von Versicherungsunternehmen angehängt.
Damit entfällt eine sonst übliche erste Lesung mit Beratungen in Ausschüssen. Nach dem Bundestagsbeschluss gegen Mittag soll der Entwurf an den Bundesrat weitergeleitet werden. In Kraft treten kann das Gesetz, wenn der Bundespräsident keine Einwände erhebt.
Preise könnten schnell, aber nicht überall sofort sinken
Tankstellen müssen die Steuersenkung nicht vollständig weitergeben. Nach den Erfahrungen mit dem weitgehend identischen Tankrabatt im Mai und Juni ist jedoch damit zu rechnen, dass die Preise in der Nacht zum 1. Oktober vielerorts rasch fallen.
Der steuerbegünstigte Kraftstoff gilt nur für Ware, die nach Mitternacht die Raffinerien oder Großtanklager verlässt. Bis solche Bestände überall angekommen sind, kann es mehrere Tage dauern. Wegen des Wettbewerbs dürften die Preise dennoch allgemein sinken; zum Ende des Rabatts könnten sie dort wieder steigen, wo noch verbilligter Kraftstoff lagert.
Kein Grund für frühes Tanken
Autofahrer müssen am 1. Oktober nicht frühmorgens zur Tankstelle fahren. Wegen der Regel, dass Preisänderungen nach oben erst ab 12.00 Uhr zulässig sind, können die Preise bis dahin nur sinken. Erfahrungsgemäß ist der späte Nachmittag häufig der günstigste Zeitpunkt.
Wer noch ausreichend Kraftstoff im Tank hat, kann mögliche Schlangen am ersten Tag vermeiden. Ein Preisvergleich lohnt sich besonders, weil die Weitergabe des Rabatts zunächst von Tankstelle zu Tankstelle unterschiedlich ausfallen kann.
Entlastung kostet Milliarden
Die Bundesregierung rechnet mit 2,485 Milliarden Euro weniger Steuereinnahmen. Die Hälfte der Kosten sollen die Länder tragen; der Bund will ihnen dafür einen geringeren Anteil an den üblichen Umsatzsteuereinnahmen überlassen.
Bei einer durchschnittlichen Fahrleistung von etwa 900 Kilometern im Monat und einem Verbrauch von sieben bis acht Litern je 100 Kilometer spart ein Verbrennerfahrer über drei Monate grob 32 bis 36 Euro. Die tatsächliche Entlastung hängt von Fahrleistung, Verbrauch und dem Zeitpunkt des Tankens ab.
Ökonomen kritisieren Zielgenauigkeit
Viele Ökonomen halten den Rabatt für teuer und wenig zielgenau. Er entlastet auch Menschen, die nicht auf staatliche Hilfe angewiesen sind, während Haushalte ohne Auto von der Maßnahme nicht profitieren.
Kritiker warnen zudem vor einem schwächeren Anreiz zum Energiesparen. Umstritten ist außerdem, ob die Steuersenkung vollständig bei den Verbrauchern ankommt. Beim früheren Tankrabatt hatten das Ifo-Institut, die Monopolkommission und das Bundeskartellamt eine unvollständige Weitergabe festgestellt; die Mineralölwirtschaft wies diese Einschätzung zurück.
Preisniveau bleibt deutlich erhöht
Eine Rückkehr zu den Kraftstoffpreisen vor dem Krieg ist trotz des Rabatts nicht zu erwarten. Ende Februar kostete Super E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt 1,78 Euro je Liter, Diesel 1,75 Euro. Der Abstand zu den aktuellen Preisen ist damit deutlich größer als die geplante Steuerentlastung.
Entlastung mit begrenzter Reichweite
Der geplante Tankrabatt reagiert auf ein außergewöhnlich hohes Preisniveau an den Zapfsäulen. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von sieben bis acht Litern je 100 Kilometer und rund 900 Kilometern Fahrleistung im Monat ergibt sich für einen Verbrennerfahrer über drei Monate eine rechnerische Entlastung von etwa 32 bis 36 Euro. Wer mehr fährt oder einen höheren Verbrauch hat, spart entsprechend mehr; Haushalte ohne Auto profitieren dagegen nicht.
Die Maßnahme verteilt die Entlastung breit, statt sie auf besonders stark belastete Haushalte zu konzentrieren. Pendler, Lieferdienste, Handwerksbetriebe und Menschen in Regionen mit schwachem öffentlichem Nahverkehr können kurzfristig profitieren. Gleichzeitig bleibt offen, wie vollständig die Steuersenkung an den Tankstellen ankommt. Das Bundeskartellamt will die Preisentwicklung beobachten, kann Unternehmen aber nicht zu einer vollständigen Weitergabe verpflichten.
Spannungsfeld zwischen Soforthilfe und Klimapolitik
Politisch steht der Rabatt zudem im Spannungsfeld zwischen akuter Kaufkraftentlastung und langfristigen Klimazielen. Eine künstliche Verbilligung fossiler Kraftstoffe schwächt den Anreiz zum Energiesparen und zum Umstieg auf alternative Antriebe. Die Kosten von rund 2,485 Milliarden Euro werden zur Hälfte von den Ländern getragen; dadurch entstehen auch auf Landesebene erhebliche Mindereinnahmen. Für Autofahrer ist deshalb vor allem entscheidend, Preise zu vergleichen und den Tankrabatt nicht mit einer Rückkehr zu dauerhaft niedrigen Kraftstoffpreisen zu verwechseln.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau.de: „Tankrabatt kostet Niedersachsen 120 Millionen - ab wann er gilt und warum das Land ihn mitträgt“ (25.09.2026)
Der Bericht bestätige den geplanten Rabatt von 17 Cent je Liter und stelle die finanziellen Folgen für Niedersachsen heraus: Dem Land entstünden demnach Mindereinnahmen von rund 120 Millionen Euro. Zugleich gebe der Beitrag die Unterstützung der Landesregierung sowie die Kritik von Sozialverbänden, Verbraucherschützern und Ökonomen wieder.
BR24: „Pro & Contra: Tankrabatt kommt zurück – eine sinnvolle Maßnahme?“ (24.09.2026)
Der Beitrag stelle Befürworter und Gegner der Maßnahme gegenüber. Befürworter sähen eine schnelle Entlastung für Pendler und berufsbedingt auf Mobilität angewiesene Menschen als notwendig an; die Gegenposition verweise auf eine unvollständige Weitergabe, fehlende Zielgenauigkeit und den Widerspruch zu langfristigen Klimazielen.
Medienübergreifend werde der Beginn zum 1. Oktober und die Größenordnung von 17 Cent bestätigt. Unterschiede gebe es vor allem bei der Bewertung der sozialen Zielgenauigkeit und der klimapolitischen Folgen; offen bleibe insbesondere, wie vollständig die Entlastung an den Tankstellen ankomme.
