Taiwan-Kraftwerk: 58% weniger CO? durch Gasturbinen
27.05.2026 - 06:00:15 | boerse-global.deDas Projekt ersetzt Kohlekraft durch hocheffiziente Gaskraftwerke und soll die CO?-Bilanz der Region drastisch verbessern.
Der Vertrag mit der Mai-Liao Power Co. umfasst die Lieferung von vier SGT6-9000HL-Gasturbinen sowie zugehörige Dampfturbinengeneratoren. Entstehen sollen zwei neue GuD-Kraftwerksblöcke (Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk) mit einer Gesamtleistung von 2,4 Gigawatt – das ersetzt die bisherige Kohlekapazität von 1,8 GW.
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58 Prozent weniger CO? pro Kilowattstunde
Die Modernisierung bringt einen enormen Umweltsprung: Die neuen Gasblöcke stoßen pro Kilowattstunde 58 Prozent weniger CO? aus als die alten Kohleanlagen. Das entspricht den ehrgeizigen Klimazielen Taiwans, das seinen Strommix grundlegend umbauen will.
Die Inbetriebnahme ist für den 31. Dezember 2029 geplant. Danach soll das Kraftwerk jährlich rund 14 Milliarden kWh Strom erzeugen – etwa fünf Prozent des taiwanesischen Gesamtbedarfs. Ein Langzeit-Servicevertrag sichert die Wartung und technische Betreuung über die gesamte Lebensdauer der Anlagen.
Lieferkette bis 2032 gesichert
Parallel zum Taiwan-Geschäft stärkt Siemens Energy seine internationalen Lieferketten. Auf der Fachmesse CWIEME Berlin 2026 verlängerte die ASTA Group ihre Partnerschaft mit Siemens Energy vorzeitig bis 2032. Der Spezialist liefert Kupferleiter für Transformatoren, Generatoren und Hochspannungsanwendungen – essenzielle Komponenten für Großprojekte wie Mai-Liao.
Die Nachricht schlug auch an der Börse Wellen: Die Aktie des taiwanesischen Schaltanlagenherstellers Chung-Hsin Electric legte am 26. Mai um sieben Prozent auf 172 Taiwan-Dollar zu. Das Unternehmen arbeitet bereits an der Kapazitätsgrenze und liefert ab dem vierten Quartal 2026 an die Halbleiterindustrie.
KI-Boom treibt Energienachfrage
Der Zeitpunkt des Projekts ist kein Zufall. NVIDIA-CEO Jensen Huang hatte erst am 25. Mai öffentlich gewarnt, dass Taiwan deutlich mehr Energie für das Wachstum der Künstlichen Intelligenz brauche. Die Regierung reagierte prompt: Ministerpräsident Cho Jung-tai versicherte am 26. Mai, dass es laut Taipower-Prognosen bis 2032 keine Stromengpässe geben werde.
Die „zweite Energiewende“ Taiwans setzt auf den systematischen Ersatz von Kohle durch Gas. Bis Ende 2026 sollen in Taichung und Xingda vier große Gasblöcke mit insgesamt 5,2 GW ans Netz gehen. Weitere Blöcke in Tongxiao, Dalin, Taichung II sowie die privaten Projekte Guoguang und Mai-Liao folgen zwischen 2027 und 2031.
Für den Sommer 2026 rechnet Taipower mit einer Reserve von rund zehn Prozent tagsüber und sieben Prozent nachts – genug, um Engpässe zu vermeiden. Für KI-Rechenzentren in Beishi ist zudem das Umspannwerk Wenlin mit 180 Megawatt dedizierter Kapazität geplant.
Europas parallele Energiewende
Während Siemens Energy in Asien auf Gaskraft setzt, investiert Europa in Wasserstoff und erneuerbare Kraftstoffe. Repsol nahm in Puertollano (Spanien) eine Anlage für 100 Prozent erneuerbare Kraftstoffe in Betrieb. Redeia sicherte sich einen 1,9-Millionen-Euro-Vertrag für Stromleitungen auf den Kanarischen Inseln.
Besonders ambitioniert ist das deutsch-niederländische Wasserstoffprojekt: Gasunie, Open Grid Europe und Thyssengas planen bis 2031 einen grenzüberschreitenden Wasserstoffkorridor am Grenzübergang Zevenaar/Elten. Bestehende Erdgasleitungen werden umgerüstet, zunächst für die Region Rhein-Ruhr, später bis Ludwigshafen.
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Der Zeitplan als Gradmesser
Die Mai-Liao-Gasturbinen sind ein zentraler Baustein in Taiwans Strategie, Versorgungssicherheit mit Klimaschutz zu verbinden. Ob die Regierung ihre Garantie für eine stabile Stromversorgung bis 2032 einhalten kann, hängt maßgeblich von der termingerechten Fertigstellung solcher Projekte ab.
Der Langzeit-Servicevertrag mit Siemens Energy und die frühzeitige Sicherung der Lieferkette zeigen: Die Industrie setzt auf betriebliche Langlebigkeit und Versorgungssicherheit. Ob diese Großprojekte mit dem exponentiell wachsenden Strombedarf der Tech-Branche Schritt halten können, wird sich in den kommenden Jahren entscheiden.
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