Tabaksteuer: Geplante Steuererhöhung könnte Zigarren und Zigarillos massiv verteuern
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 05:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWSGeplante Änderungen bei der Tabaksteuer könnten Zigarren und Zigarillos in Deutschland ab Januar deutlich teurer machen und die Branche stark belasten.
Verbandschef warnt vor „Steuer-Explosion“
Sollten die Pläne der Koalitionsfraktionen im Bundestag umgesetzt werden, müssten Zigarrenhersteller und Importeure erheblich höhere Abgaben leisten. Nach Angaben von Bodo Mehrlein, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Zigarrenindustrie, würde dies eine „Steuer-Explosion“ bedeuten, die zu Preisaufschlägen von 50 bis 60 Prozent führen könnte. Eine beispielhafte Zigarre für bisher 10 Euro könnte demnach künftig bei etwa 16 Euro liegen, was aus Sicht der Branche viele Kunden vom Kauf abhalten dürfte.
Rückläufige Nachfrage trifft auf höhere Belastungen
Die Zigarrenindustrie in Deutschland kämpft bereits mit einer schwächelnden Nachfrage. Nach Verbandsangaben dürfte der Umsatz in diesem Jahr sechs bis sieben Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen. Steigende Spritpreise und höhere Alltagskosten sorgten dafür, dass Verbraucher stärker auf den Preis achten und häufiger auf Genussprodukte verzichten. Nach Einschätzung von Mehrlein spart mancher Kunde daher gerade bei Zigarillos oder der „guten Zigarre“.
Kleine Branche mit regionaler Bedeutung
In Deutschland gibt es laut Verband sieben Zigarrenhersteller, vier davon mit Sitz in Bünde und einen weiteren im Kreis Minden-Lübbecke in Nordrhein-Westfalen. Hinzu kommen 15 Importeure, die Produkte aus dem Ausland auf dem deutschen Markt vertreiben. Insgesamt zählt die Branche 1.640 Beschäftigte. Der Tabak für die hierzulande produzierten Zigarren und Zigarillos stammt überwiegend aus Lateinamerika und Indonesien.
Sorge um Arbeitsplätze und Fachgeschäfte
Der Bundesverband der Zigarrenindustrie rechnet im Falle unveränderter Steuerpläne mit erheblichen Folgen für Beschäftigte und Handel. Mehrlein erwartet, dass ein Verlust von Arbeitsplätzen kaum zu vermeiden wäre. Die Branche sieht sich nicht nur als Anbieter hochpreisiger Luxusprodukte, sondern auch von mittelpreisigen Waren für ein breiteres Publikum. Nach Angaben des Verbandsvertreters gehören dazu auch Kunden, die Zigarillos etwa im Schrebergarten genießen. Zusätzlich äußert er Sorge um rund 500 Fachgeschäfte in Deutschland, die sich auf den Verkauf von Zigarren und Zigarillos spezialisiert haben. Steigen die Preise zu stark, fürchtet die Branche einen „Kipp-Punkt“, an dem die Nachfrage rapide einbricht und die gesamte Nische unter Druck gerät.
Tabaksteuer als Instrument der Gesundheits- und Haushaltspolitik
Die angekündigten Steuerpläne für Zigarren und Zigarillos fügen sich in eine längere Entwicklung ein, in der Tabakprodukte aus Gesundheits- und Haushaltspolitik stärker belastet werden. Tabaksteuern gelten als klassisches Lenkungsinstrument: Einerseits sollen sie den Konsum gesundheitsschädlicher Produkte verringern, andererseits sichern sie nennenswerte Einnahmen für den Staat. Während Zigaretten und E-Zigaretten seit Jahren im Fokus stehen, geraten nun auch klassische Rauchwaren wie Zigarren und Zigarillos deutlicher unter Druck.
Besondere Betroffenheit einer kleineren Nischenbranche
Die Zigarrenindustrie ist im Vergleich zur Zigarettenproduktion eine verhältnismäßig kleine Nischenbranche. In Deutschland existieren laut Verbandsangaben lediglich sieben Hersteller mit einem Schwerpunkt in Ostwestfalen sowie eine begrenzte Zahl von Importeuren. Mit insgesamt 1.640 Beschäftigten und rund zwei Milliarden jährlich verkauften Zigarren und Zigarillos ist die Branche zwar klein, aber regional durchaus bedeutsam. Gerade in Regionen wie Bünde und dem Kreis Minden-Lübbecke hängt ein Teil der Wertschöpfung, inklusive spezialisierter Fachgeschäfte, an diesem Segment. Eine Preissteigerung um 50 bis 60 Prozent würde hier auf eine Branche treffen, die bereits rückläufige Umsätze verzeichnet.
Konsequenzen für Konsum, Handel und Beschäftigung
Angesichts schwächerer Nachfrage und steigender Lebenshaltungskosten ist zu erwarten, dass viele Gelegenheitsraucher bei deutlichen Preissprüngen verzichten oder seltener kaufen. Für Fachhändler, die sich auf Zigarren und Zigarillos spezialisiert haben, könnte dies spürbare Umsatzrückgänge bedeuten. Verbandsseitig wird auf die Gefahr eines „Kipp-Punkts“ hingewiesen, an dem höhere Preise die Nachfrage abrupt einbrechen lassen. Für die Beschäftigten in Produktion und Handel steigt damit die Unsicherheit, ob Arbeitsplätze langfristig gesichert sind. Für Verbraucher steht die Frage im Raum, ob Zigarren und Zigarillos noch als erschwingliches Genussmittel gelten oder zunehmend zur teuren Nische werden.
