Tabaksteuer, Bund

Tabaksteuer: Bund rechnet bis 2030 mit 8,5 Milliarden Euro Mehreinnahmen

Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 23:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Philip Morris verlangt eine risikoorientierte Abgabe, während Berlin Steueraufschläge ab 2027 vorsieht und die Branche vor Schmuggel warnt.

Philip Morris fordert neue Tabaksteuer, Berlin plant Milliardenplus
Moderne architektonische Fassade eines Regierungsgebäudes in Berlin bei bewölktem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die Debatte um die zukünftige Besteuerung von Tabak- und Nikotinprodukten in Deutschland gewinnt an Schärfe. Özlem Dikmen, Deutschlandchefin von Philip Morris, hat sich in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für eine grundlegende Neuausrichtung der Steuerpolitik ausgesprochen. Sie fordert eine sogenannte risikobasierte Tabaksteuer, die erhitzten Tabak steuerlich deutlich anders behandelt als die klassische Verbrennungszigarette.

Forderung nach steuerlicher Differenzierung

Nach Einschätzung von Dikmen konsumieren in Deutschland derzeit noch rund 20 Millionen Menschen herkömmliche Tabakzigaretten. Für das Unternehmen stehe der Übergang zu rauchfreien Alternativen wie dem Tabakerhitzer Iqos im Fokus.

Dieser Prozess hänge jedoch maßgeblich von den regulatorischen Rahmenbedingungen und der Besteuerung ab. Eine risikobasierte Steuer soll laut der Managerin dem Umstand Rechnung tragen, dass neuartige Produkte ein anderes Schadenspotenzial aufweisen könnten als klassische Zigaretten.

Finanzministerium plant schrittweise Steuererhöhungen

Diesen Forderungen nach Entlastung oder Differenzierung steht ein Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums gegenüber. Dieser sieht ab dem Jahr 2027 jährliche Erhöhungen der Tabaksteuer vor, die über einen Zeitraum von vier Jahren gestaffelt werden sollen.

Die fiskalischen Erwartungen an diese Reform sind erheblich. Das Ministerium rechnet für das Jahr 2027 mit Mehreinnahmen von 756 Millionen Euro. Diese Summe soll im Jahr 2028 auf knapp 1,6 Milliarden Euro ansteigen und im Jahr 2029 rund 2,55 Milliarden Euro erreichen.

Für das Jahr 2030 wird ein Plus von knapp 3,6 Milliarden Euro prognostiziert. Insgesamt kalkuliert der Bund bis zum Jahr 2030 mit zusätzlichen Einnahmen von rund 8,5 Milliarden Euro, die vollständig in den Bundeshaushalt fließen sollen.

Widerstand aus der mittelständischen Tabakbranche

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Der Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums sieht ab 2027 jährliche Tabaksteuer-Erhöhungen über vier Jahre vor — mit kalkulierten Mehreinnahmen von rund 8,5 Milliarden Euro bis 2030. Wer als Hersteller oder Berater die einzelnen Erhöhungsschritte und ihre Folgen für Preissetzung und Compliance einordnen will, findet in diesem kostenlosen Report die wesentlichen Fakten und Prüfpunkte. Kostenlosen Steuer-Report anfordern

In der Branche löst der Kurs des Finanzministeriums Besorgnis aus. Bei einem Round-Table-Gespräch von snTV warnten Vertreter der Zigarrenindustrie und mittelständischer Hersteller vor den Konsequenzen der geplanten Steuererhöhungen. Bodo Mehrlein, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Zigarrenindustrie (BdZ), und Vertreter von Unternehmen wie Villiger Söhne und Dannemann thematisierten dabei mögliche Preissteigerungen von bis zu 60 Prozent.

Die Experten befürchten, dass die Produktion und Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet sein könnten. Zudem drohe eine Verkleinerung des Sortiments und ein Ausweichen der Konsumenten auf Käufe im Ausland. Das Fachportal smokersplanet hat bereits zur Mobilisierung gegen die Pläne aufgerufen.

Zunahme von Schmuggel und Fälschungen

Ein zentrales Argument der Industrievertreter gegen eine drastische Steuererhöhung ist das Risiko des illegalen Handels. Der Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE) wies jüngst auf qualitativ minderwertige Fälschungen hin. So seien Packungen im Umlauf, die als „Marlboro Adventure“ deklariert sind, jedoch deutliche Fehler wie die Aufschrift „farmacist“ statt „pharmacist“ aufweisen.

Diese Produkte verfügen über keine deutsche Steuerbanderole und nutzen EAN-13-Nummern, die eigentlich für den Duty-Free-Bereich vorgesehen sind. Laut einer Entsorgungsstudie von Ipsos aus dem Jahr 2025 wurde bereits jede fünfte in Deutschland konsumierte Zigarettenpackung nicht hierzulande versteuert. Der Hauptgeschäftsführer des BVTE, Jan Mücke, fordert vor diesem Hintergrund eine Tabaksteuerpolitik mit Augenmaß.

Europäische Ebene verfolgt strengen Kurs

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Jede fünfte in Deutschland konsumierte Zigarettenpackung wurde laut einer Ipsos-Entsorgungsstudie aus 2025 nicht hierzulande versteuert — und der BVTE warnt vor gefälschten Packungen ohne deutsche Steuerbanderole. Dieser Leitfaden zeigt, wie Hersteller und Steuerberater Kennzeichnung, Banderole und Warenstrom prüfen und sich gegen illegale Konkurrenz absichern. Leitfaden zur Compliance-Prüfung sichern

Auch auf Ebene der Europäischen Union zeichnet sich eine Verschärfung ab. EU-Gesundheitskommissar Olivér Várhelyi plant, eine umfassende Tabak- und Nikotinsteuerreform im mehrjährigen Finanzrahmen der EU zu verankern. Er vertritt die Position, dass neuartige Nikotinprodukte als ebenso schädlich wie herkömmliche Zigaretten einzustufen seien.

Kritiker dieser EU-Pläne weisen darauf hin, dass die Reform dazu führen könnte, dass etwa 15 Prozent der Tabaksteuereinnahmen – schätzungsweise 11,2 Milliarden Euro jährlich – direkt in den EU-Haushalt fließen würden. Demgegenüber stehen wissenschaftliche Einordnungen wie eine Studie des Joint Research Centre (JRC), die E-Zigaretten als weniger schädlich als Tabakprodukte bewertet.

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