SWISS streicht zehn Prozent der Verwaltungsstellen
10.05.2026 - 04:37:36 | boerse-global.deDie Lufthansa-Tochter setzt auf freiwillige Abgänge und Prämien statt betriebsbedingter Kündigungen.
Die Schweizer Fluggesellschaft Swiss International Air Lines (SWISS) verschärft ihren Sparkurs. CEO Jens Fehlinger kündigte am heutigen Sonntag an, rund zehn Prozent der administrativen Stellen zu streichen. Das Ziel: Effizienzsteigerung und stärkere Integration in die Lufthansa-Gruppe.
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Freiwillige Abgänge statt Kündigungswelle
Anders als bei klassischen Restrukturierungen setzt das Management auf Anreize. „Wir wollen betriebsbedingte Kündigungen vermeiden", so Fehlinger. Die Airline bietet den betroffenen Mitarbeitern finanzielle Vergünstigungen für einen freiwilligen Austritt. Ein besonderes Modell: Wer unbezahlten Urlaub nimmt, erhält 20 Prozent des eingesparten Grundgehalts als Bonus.
Das Vorgehen erinnert an die jüngste Einigung mit dem Kabinenpersonal. Im März 2026 hatten rund 140 Flugbegleiter das Unternehmen gegen eine Abfindung von 15.000 Schweizer Franken (rund 19.000 US-Dollar) verlassen. Grund war damals ein temporärer Überhang an Crewmitgliedern – ausgelöst durch Triebwerksprobleme bei den Airbus-Modellen A220 und A320neo sowie fehlende Piloten.
Lufthansa-Konzern gibt Tempo vor
Die zehn Prozent sind nur ein Zwischenschritt. Der Mutterkonzern Lufthansa hatte bereits ein gruppenweites Sparziel von 20 Prozent in der Verwaltung ausgegeben. Dass die Schweizer Tochter zunächst nur die Hälfte umsetzt, zeigt eine gestaffelte Strategie.
Doch die Belegschaft ist verunsichert. Bereits im Herbst 2025 berichteten Arbeitnehmervertreter von der Verlagerung zentraler Abteilungen von der Schweiz nach Frankfurt. Für die rund 4.500 Flugbegleiter und tausende Bodenmitarbeiter stellt sich die Frage, ob spezialisierte Schweizer Stellen langfristig Bestand haben.
Technische Pannen und steigende Kosten
Der Druck auf die Verwaltung wächst auch durch operative Probleme. Probleme mit Pratt-&-Whitney-Triebwerken haben Teile der Flotte lahmgelegt. Die Folge: weniger Flugstunden bei gleichbleibend hoher Personaldecke. Management-Prognosen zufolge wird sich das Gleichgewicht frühestens 2027 wieder einstellen.
Trotz hoher Nachfrage muss die Airline auf „Wet-Leasing" zurückgreifen – also Flugzeuge samt Besatzung von anderen Gesellschaften anmieten. Das treibt die Kosten und erhöht den Effizienzdruck auf die Administration. „Wir brauchen eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur", betont Fehlinger mit Blick auf die höhere Profitabilität internationaler Konkurrenten.
Schweizer Sparkurs als politischer Hintergrund
Die SWISS-Restrukturierung fällt in eine Zeit allgemeiner Verwaltungsknappheit in der Schweiz. Mitte April 2026 starteten die Jungfreisinnigen die Initiative „Verwaltungsbremse", unterstützt von bürgerlichen und Mitte-Parteien. Sie will das Wachstum der Bundespersonalausgaben gesetzlich an den Schweizer Medianlohn koppeln.
Parallel dazu baut der Bund bereits Stellen ab. Nach einem Bundesratsentscheid vom Oktober 2024, zwischen 100 und 200 Millionen Franken Personalkosten einzusparen, meldeten das Bundesamt für Statistik und das Staatssekretariat für Migration bereits Reduktionen bei temporären und festen Stellen.
Arbeitsrechtliche Strategie mit Risiken
Aus juristischer Perspektive ist der SWISS-Ansatz raffiniert. Massenentlassungen lösen in Deutschland und der Schweiz aufwendige Konsultationsverfahren und Sozialplanverhandlungen aus. Durch freiwillige Austritte und Prämien umgeht die Airline rechtliche Hürden und das öffentliche Stigma von Zwangsentlassungen.
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Die Verlagerung nach Frankfurt birgt jedoch grenzüberschreitende Komplexität. Wenn Zentralfunktionen nach Deutschland wandern, müssen Verantwortlichkeiten über verschiedene Rechtsräume hinweg neu geordnet werden. Für Mitarbeiter bedeutet das oft, sich auf konsolidierte Stellen neu bewerben zu müssen.
Ausblick: Freiwilligkeit auf Bewährung
SWISS erhofft sich vom aktuellen Programm ausreichend Flexibilität für das laufende Geschäftsjahr. „Betriebsbedingte Kündigungen schließen wir vorerst aus", so die Unternehmensführung. Doch die Messlatte liegt hoch: Reichen die freiwilligen Abgänge nicht, könnten härtere Einschnitte folgen.
Die Branche blickt gespannt auf die zehn Prozent. Bleiben die operativen Probleme bei Flotte und Piloten bis 2027 bestehen, könnte die „Freiwilligkeit" zur Übergangslösung werden. Der Trend zu schlankeren Verwaltungen ist jedenfalls kein Einzelfall: Auch UBS und Novartis setzen in der Schweiz ähnliche Programme um.
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