SUSTRONICS: Europäisches Projekt senkt Elektronik-Emissionen um 95%
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 18:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das europäische Forschungsprojekt SUSTRONICS hat neue Ergebnisse zu Lebenszyklusanalysen im Bereich des Hardware-Entwurfs veröffentlicht. Die Untersuchungen belegen signifikante Potenziale zur Reduktion von Treibhausgasemissionen und Materialverbräuchen durch eine frühzeitige ökologische Bewertung in der Designphase von Elektronikkomponenten.
Im Fokus der Veröffentlichung stehen insbesondere Anwendungen in der Medizintechnik, bei denen durch Materialsubstitution und technologische Anpassungen ökologische Verbesserungen im zweistelligen Prozentbereich erzielt wurden.
An dem großangelegten Vorhaben, das über einen Zeitraum von drei Jahren bis Ende Mai 2026 lief, beteiligten sich insgesamt 45 Partner aus elf europäischen Ländern. Die Koordination des Konsortiums lag bei Philips Nederland B.V., während namhafte Akteure wie Infineon Austria und das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) maßgeblich an der Umsetzung beteiligt waren.
Finanziell unterstützt wurde das Projekt mit Fördermitteln in Höhe von 1,71 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Bildung, Technik und Forschung (BMFTR) sowie das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SERI).
Elektroden als Hauptverursacher von Umweltbelastungen
Zentraler Bestandteil der Forschungsarbeit waren detaillierte Lebenszyklusanalysen (LCA), die unter der Federführung des Fraunhofer IZM durchgeführt wurden. Ein wesentliches Ergebnis dieser Analysen betrifft Glukose-Messpflaster.
Die Ergebnisse des EU-Projekts SUSTRONICS zeigen: Wer schon in der Designphase ökologisch bilanziert, kann die Umweltwirkung von Elektronikprodukten drastisch senken – um bis zu 95 Prozent. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie diese Erkenntnisse auf Ihre eigenen Entwicklungen übertragen. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Hier konnten die Experten nachweisen, dass die Elektroden fast ausschließlich für die negativen Umweltauswirkungen verantwortlich sind. Dies betrifft neben dem Treibhauspotenzial auch die Nutzung kritischer Materialien sowie die allgemeine Toxizität der Produkte.
Diese Erkenntnisse dienten als Basis für konkrete technologische Optimierungen. Das Unternehmen Onalabs integrierte im Rahmen des Projekts einen optischen Sensor in die Glukose-Messpflaster. Durch diese Umstellung konnte der CO2-Fußabdruck des Pflasters um rund 65 % reduziert werden. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der ökologischen Bilanzierung bereits in einem sehr frühen Stadium der Produktentwicklung.
Massive Reduktion bei flexibler Elektronik
Über die Glukose-Messung hinaus lieferte SUSTRONICS Lösungen für intelligente Wundpflaster und andere flexible Elektronikmodule. Durch den gezielten Ersatz konventioneller Materialien konnten drastische Einsparungen realisiert werden. Den Projektdaten zufolge senkt der Austausch von PET und Silber durch den Einsatz von Thinstar, Kohlenstoff-Tinten sowie Recyclingmaterialien die Umweltwirkungen dieser Module um bis zu 95 %.
Elektroden sind der Haupttreiber der Umweltbelastung bei medizinischen Pflastern – das belegt die Lebenszyklusanalyse des Fraunhofer IZM. Erfahren Sie, wie Sie durch Materialsubstitution und frühzeitige LCA-Bewertung Ihre Produkte nachhaltiger gestalten. Leitfaden für nachhaltige Elektronik jetzt sichern
In einer begleitenden Fachpublikation zur Ökobilanzierung von Elektronik wiesen Vertreter des Fraunhofer IZM darauf hin, dass eine frühzeitige Bilanzierung maßgeblich zur Einsparung von CO2 beitragen könne.
Die Ergebnisse des Projekts zeigen, dass nachhaltige Elektronik durch die Kombination aus Kreislaufwirtschaft und innovativer Materialforschung nicht nur theoretisch möglich, sondern in spezifischen medizinischen Anwendungsfeldern bereits mit hoher Effizienz umsetzbar ist. Die Projektergebnisse sollen nun als Leitfaden für künftige Entwicklungen in der europäischen Hardware-Industrie dienen.
