Supermarkt-Engpässe: Tofu-Nachfrage verdoppelt sich in vier Jahren
04.06.2026 - 15:39:40 | boerse-global.deGrund sind Produktionsengpässe bei gleichzeitig rasant steigender Nachfrage.
Besonders betroffen sind Tofu-Produkte bei Rewe und Edeka. Die Hersteller kommen mit der Produktion schlicht nicht hinterher. Ein Sprecher von Rewe berichtet, dass sich die Nachfrage nach Tofu in den letzten drei bis vier Jahren verdoppelt habe. Allein 2025 legten die Verkaufszahlen um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu.
Technischer Defekt legte Produktion lahm
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Ein wesentlicher Auslöser der aktuellen Misere war ein schwerer Maschinenschaden beim Freiburger Hersteller Taifun-Tofu Ende 2025. Zwar ist der Schaden inzwischen behoben, doch die Produktion läuft noch nicht auf dem Niveau, das nötig wäre, um den aufgestauten Bedarf zu decken.
Die Folge: Taifun-Tofu hat die Herstellung bestimmter Produkte – darunter Naturtofu in der 400-Gramm-Packung und Tofu-Würstchen – vorerst eingestellt. Das Unternehmen konzentriert sich auf seine Kernsorten. Die ausgesetzten Artikel werden voraussichtlich erst Anfang 2027 wieder in den Regalen stehen. Grund ist der Bau einer neuen Produktionsstätte in Freiburg, die noch nicht fertiggestellt ist.
Auch der Berliner Hersteller Treiber Tofu arbeitet am absoluten Limit. Branchenexperten rechnen nicht vor Ende 2026 mit einer Normalisierung des Angebots.
Traditionshersteller in der Krise
Die Engpässe bei pflanzlichen Produkten sind nur ein Teil eines größeren Problems. Die gesamte Lebensmittelbranche ächzt unter steigenden Energie-, Rohstoff- und Personalkosten.
Besonders drastisch zeigt sich das bei Halberstädter Konserven GmbH, einem traditionsreichen Wursthersteller. Das Unternehmen meldete am 3. Juni 2026 Insolvenz an. Das Amtsgericht Magdeburg hat einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Die Produktion in den Werken mit rund 150 Mitarbeitern ist vorerst eingestellt.
Neue Bedrohungen für die Nutztierhaltung
Gleichzeitig drohen der Tierhaltung neue Gefahren. In Hessen wurde am 4. Juni 2026 ein Ausbruch der Blauzungenkrankheit (BTV-8) gemeldet. Die Behörden haben die Sperrzonen auf das gesamte Bundesland ausgeweitet.
International sorgen weitere Faktoren für Unruhe. In Texas bestätigten die Behörden den ersten Fall der Neuwelt-Schraubenwurmfliege seit 1966. Der Parasit hat in Mexiko seit Ende 2024 bereits über 27.000 Fälle verursacht und bedroht die Rinderindustrie massiv.
In den USA wiederum hat eine historische Dürre in Wyoming und Nebraska 60 Prozent des Rinderbestands getroffen. Viehzüchter müssen ihre Tiere in neunmal höherem Volumen als üblich verkaufen – es fehlen Weideflächen und Wasser.
Chinesische Weizenernte fällt aus
Auch die globalen Getreidemärkte geraten unter Druck. In den chinesischen Provinzen Henan und Hubei hat starker Regen Ende Mai 2026 die Weizenernte beschädigt. Schätzungen zufolge sind zwischen 4,8 und 10 Millionen Tonnen Weizen vorzeitig ausgetrieben.
Die Folge: Die globalen Weizenpreise sind 2026 bereits um 20 Prozent gestiegen. China hat seine Weizenimporte in den ersten vier Monaten des Jahres um mehr als 130 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erhöht, um die eigenen Verluste auszugleichen. Das dürfte die Preise weiter treiben.
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Verbraucher greifen zu Eigenmarken
Die angespannte Lage zeigt sich auch im Einkaufsverhalten der Deutschen. Der Marktanteil von Eigenmarken ist zwischen 2021 und 2025 von 41 auf 47 Prozent gestiegen. Immer mehr Verbraucher weichen von etablierten Marken auf günstigere Alternativen aus.
Ob und wann sich die Lage entspannt, bleibt ungewiss. Fest steht: Die Kombination aus technischen Pannen, steigenden Kosten und neuen Seuchengefahren setzt die gesamte Lebensmittelbranche unter Druck.
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