Stromsteuer-Senkung: 600.000 Betriebe sollen entlastet werden
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Debatte um wettbewerbsfähige Energiepreise für den Wirtschaftsstandort Deutschland gewinnt weiter an Schärfe. Im Zentrum der politischen Diskussion stehen dabei Pläne der Bundesregierung zur gezielten Entlastung von Unternehmen bei den Stromkosten.
Nach Angaben von Regierungssprecher Kornelius bei einer Unterrichtung in Berlin soll eine vorgesehene Senkung der Stromsteuer rund 600.000 Betrieben zugutekommen, wie aus einem Bericht vom 16. September 2026 hervorgeht.
Die geplante Regelung sieht konkrete Kriterien für eine Inanspruchnahme vor: Demnach soll die Schwelle für eine Entlastung bei einem Jahresverbrauch von mehr als 12,5 MWh oder einer Stromsteuerlast von mindestens 250 Euro liegen. Vorgesehen ist die Maßnahme ausschließlich für das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft.
Privathaushalte sollen von der Entlastung hingegen nicht profitieren. Der reguläre Satz der Stromsteuer liegt bei 2,05 Cent/kWh. Über die genaue Ausgestaltung beriet zuletzt auch der Koalitionsausschuss bei einem Treffen an einem Mittwoch.
Wirtschafts- und Energieverbände fordern umfassendere Schritte
Während die Regierungspläne auf bestimmte Sektoren zielen, fordern Akteure aus der Energiewirtschaft eine deutlich weitergehende Reform. Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) hat sich gemeinsam mit sechs weiteren Verbänden für eine generelle Senkung der Stromsteuer um 2 Cent/kWh auf das EU-Mindestmaß ausgesprochen. Anders als im Regierungsentwurf soll diese Reduzierung nach den Vorstellungen der Branchenvertreter für alle Verbrauchergruppen gelten.
Die geplante Stromsteuer-Senkung der Bundesregierung soll rund 600.000 Betrieben zugutekommen — doch die Entlastung ist an konkrete Kriterien gebunden: mehr als 12,5 MWh Jahresverbrauch oder mindestens 250 Euro Stromsteuerlast, und ausschließlich für produzierendes Gewerbe sowie Land- und Forstwirtschaft. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie Ihre Förderfähigkeit prüfen und die Entlastung sauber beantragen. Kostenlosen Leitfaden zur Stromsteuer-Entlastung anfordern
In einem gemeinsamen Appell an Bundesfinanzminister Klingbeil machten sich neben dem BWP unter anderem der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der Verband kommunaler Unternehmen (VKU), der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) sowie der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) für diesen Schritt stark, wie in einem Bericht vom 15. September 2026 dargelegt wird.
Im Kontext der energiepolitischen Rahmenbedingungen betonte BWP-Geschäftsführer Sabel zudem, dass die staatliche Heizungsförderung für Wärmepumpen fortgeführt werde.
Belastungsdruck in der Industrie und regionale Initiativen
Die Dringlichkeit veränderter Kostenstrukturen unterstreichen auch regionale Wirtschaftsvertreter. Bei einem Treffen mit der IHK Südthüringen in Erfurt forderte die Thüringer Automobilindustrie neben Entlastungen bei den Steuern vor allem eine Senkung der Netzentgelte und eine stärkere finanzielle Beteiligung des Bundes am Netzausbau. Laut einem Bericht vom 15. September 2026 seien die industriellen Strompreise in Deutschland bis zu dreimal so hoch wie in den USA oder China.
Industrielle Strompreise in Deutschland liegen laut Wirtschaftsvertretern bis zu dreimal so hoch wie in den USA oder China — und rund die Hälfte der mittelständischen Automobilunternehmen fühlt sich einer VDA-Umfrage zufolge stark durch Stromkosten belastet. Während die Politik über die Stromsteuer verhandelt, bleiben die Netzentgelte der größte Hebel im eigenen Betrieb. Unser kostenloser Praxis-Guide zeigt, wo produzierende Unternehmen ansetzen können. Praxis-Guide Netzentgelte senken jetzt sichern
Wie tiefgreifend die Verunsicherung in den Betrieben ist, belegen Daten des Verbands der Automobilindustrie (VDA): Einer VDA-Umfrage zufolge fühlen sich rund 50 Prozent der mittelständischen Automobilunternehmen stark oder sehr stark durch die herrschenden Stromkosten belastet.
Rückendeckung für eine Steueranpassung kommt auch aus den Bundesländern: Thüringens Energieminister Kummer forderte ebenfalls, die Stromsteuer bundesweit auf das von der Europäischen Union vorgegebene Mindestniveau abzusenken.
