Stromsteuer-Reform: ADAC fordert Senkung bei Rekorddiesel-Preisen
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 01:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts massiv gestiegener Kraftstoffpreise setzt sich der Automobilclub ADAC für eine deutliche Reduzierung der Stromsteuer in Deutschland ein. Wie aus Berichten von Mitte September 2026 hervorgeht, zielt die Forderung darauf ab, sowohl die privaten Haushalte finanziell zu entlasten als auch stärkere Anreize für den Umstieg auf die Elektromobilität zu setzen.
Eine Sprecherin des ADAC erläuterte gegenüber der „Rheinischen Post“, dass eine solche Maßnahme eine zentrale Hürde bei der Akzeptanz von E-Autos adressieren könne.
Rekordpreise bei Kraftstoffen erhöhen Handlungsdruck
Die Forderung des Automobilclubs erfolgt vor dem Hintergrund neuer Höchststände an den Tankstellen. Nach Daten des ADAC erreichte der Preis für Dieselkraftstoff an einem Donnerstag mit durchschnittlich 2,471 Euro pro Liter ein Allzeithoch.
Bereits am vorangegangenen Mittwoch lag der Tagesdurchschnitt für Diesel bei 2,453 Euro pro Liter, womit der bisherige Rekordwert vom 7. April übertroffen wurde. Für die Sorte Super E10 wurden am Mittwoch 2,314 Euro pro Liter verzeichnet, während der Preis am daraufgelaufenden Donnerstag bei 2,308 Euro lag.
Neben der steuerlichen Entlastung beim Strom identifizierte die ADAC-Sprecherin den hohen Anschaffungspreis von Elektrofahrzeugen sowie unzureichende Lademöglichkeiten als wesentliche Hindernisse für Käufer. Die aktuelle Förderung für Neufahrzeuge könne jedoch dazu beitragen, den Kreis potenzieller Abnehmer zu erweitern.
Fiskalische Auswirkungen und Spielraum im Stromsteuergesetz
Die gesetzliche Grundlage für die Besteuerung ist im Stromsteuergesetz (§ 3) verankert. Der Regelsatz für private Verbraucher beläuft sich derzeit auf 20,50 Euro pro Megawattstunde (MWh), was einem Wert von 2,05 Cent pro Kilowattstunde (kWh) entspricht. Da der EU-Mindestsatz für nicht-gewerbliche Verbräuche lediglich bei 1 Euro pro Megawattstunde liegt, ergibt sich ein Spielraum für Senkungen von 1,95 Cent pro Kilowattstunde vor Umsatzsteuer.
Der Stromsteuer-Regelsatz für private Verbraucher liegt laut Stromsteuergesetz bei 20,50 Euro pro Megawattstunde — der EU-Mindestsatz für nicht-gewerbliche Verbräuche bei nur 1 Euro. Aus dieser Differenz ergibt sich ein Senkungsspielraum von 1,95 Cent pro Kilowattstunde vor Umsatzsteuer. Unser kostenloser Report rechnet nach, was das für einen Musterhaushalt mit 3.500 kWh bedeutet, und ordnet die derzeit diskutierten Entlastungsmodelle ein. Stromsteuer-Report jetzt kostenlos anfordern
Für einen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden würde eine Reduzierung auf das EU-Minimum eine Ersparnis von rund 81 Euro inklusive Mehrwertsteuer bedeuten.
Die fiskalischen Folgen einer solchen Reform wären erheblich: Nach Berechnungen des Bundesfinanzministeriums (BMF) aus dem Jahr 2025 würde eine Senkung für alle Verbrauchergruppen jährliche Kosten von rund 5,4 Milliarden Euro verursachen. Die Einnahmen aus der Stromsteuer beliefen sich im Jahr 2025 auf insgesamt 5,9 Milliarden Euro.
Breite politische Debatte über Entlastungsmaßnahmen
Die Initiative des ADAC stößt auf unterschiedliche Reaktionen in Wirtschaft und Politik. Handwerkspräsident Dittrich vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) unterstützt die Forderung nach einer Stromsteuersenkung, mahnt jedoch zusätzlich eine Reduzierung der Lohnnebenkosten an.
Auch die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Fahimi, fordert umfassende Erleichterungen. Neben der Stromsteuer müssten nach Ansicht des DGB auch die Energie- und Mineralölsteuern gesenkt sowie eine zweite Gaspreisbremse eingeführt werden.
Für Handwerksbetriebe ist die Stromsteuer ein laufender Kostenblock, der in der Kalkulation oft nur pauschal auftaucht. Laut Bundesfinanzministerium könnten über 600.000 Betriebe von einer Reform profitieren — ab 2027 wird mit rund 3 Milliarden Euro jährlichen Mindereinnahmen gerechnet. Unsere Checkliste zeigt Schritt für Schritt, wie Sie Ihre betriebliche Stromsteuer-Belastung prüfen und Optimierungspotenziale identifizieren. Checkliste zur Stromsteuer-Optimierung anfordern
Innerhalb der Bundesregierung und der Fraktionen werden verschiedene Modelle diskutiert:
* Die SPD-Fraktion plädiert für die Einführung eines Preisdeckels.
* Wirtschaftsministerin Reiche (CDU) lehnt einen solchen Deckel ab und favorisiert stattdessen Steuerrabatte sowie direkte Transferzahlungen an Geringverdiener.
* Der Grünen-Abgeordnete Audretsch bezifferte das Volumen einer möglichen Stromsteuersenkung auf eine Entlastung von etwa 1 Milliarde Euro.
* Bundesfinanzminister Klingbeil (SPD) setzt zudem auf eine internationale Lösung und sprach sich für eine Übergewinnsteuer auf EU-Ebene aus. Entsprechende Beratungen mit den EU-Amtskollegen waren für einen Freitag in Dublin angesetzt.
Von einer Reform würden auch Unternehmen in großem Umfang profitieren. Laut Schätzungen des Bundesfinanzministeriums könnten über 600.000 Betriebe entlastet werden. Ab dem Jahr 2027 wird in diesem Bereich mit Mindereinnahmen für den Staatshaushalt in Höhe von rund 3 Milliarden Euro jährlich gerechnet.
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