Stromsteuer-Pläne, Drei-Personen-Haushalte

Stromsteuer-Pläne: Drei-Personen-Haushalte in NRW könnten 93 Euro sparen

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 21:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die geplante Senkung könnte Strom um rund zwei Cent je Kilowattstunde verbilligen; Zeitplan und Finanzierung sind noch offen.

Merz kündigt niedrigere Stromsteuer für private Haushalte an
Ein Hochspannungsmast in einem weiten Feld bei Sonnenaufgang als Symbol für Energieinfrastruktur. Illustration mit AI erstellt.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat nach einer zweitägigen CDU-Präsidiumsklausur in Berlin angekündigt, die Stromsteuer für Privathaushalte auf das europäische Mindestmaß senken zu wollen. Mit diesem Schritt sollen Bürgerinnen und Bürger im Alltag entlastet werden. Die Reduzierung solle für alle Verbraucher gelten und aus Spielräumen im Bundeshaushalt finanziert werden.

Bislang war die Stromsteuer lediglich für bestimmte Wirtschaftsbereiche herabgesetzt worden. Merz begründete die Initiative zudem damit, eine Glaubwürdigkeitslücke schließen zu wollen, die durch die Rücknahme der Entscheidung im Vorjahr entstanden sei. Ein verbindlicher Zeitplan sowie ein beschlossener Finanzierungsplan für die Mindereinnahmen liegen bislang allerdings nicht vor.

Geplante Entlastungseffekte für Verbraucher

Der reguläre Steuersatz für Strom liegt in Deutschland seit 2003 unverändert bei 20,50 Euro pro Megawattstunde, was 2,05 Cent pro Kilowattstunde entspricht. Das europäische Mindestmaß beträgt für Betriebe 0,50 Euro pro Megawattstunde (0,05 Cent pro Kilowattstunde) und für private Haushalte 1,0 Euro pro Megawattstunde (0,1 Cent pro Kilowattstunde).

Der Koalitionsvertrag der CDU/CSU/SPD-Koalition sieht grundsätzlich eine dauerhafte Entlastung bei den Energiepreisen um mindestens 5 Cent pro Kilowattstunde vor, wobei als Sofortmaßnahme eine Reduzierung der Stromsteuer auf das EU-Mindestmaß für alle angedacht war. Private Verbraucher blieben davon zunächst jedoch ausgenommen.

Nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox macht die Stromsteuer derzeit rund 5 Prozent des Strompreises aus. Eine Absenkung auf das EU-Niveau von 0,1 Cent pro Kilowattstunde würde den Preis um rund 2 Cent pro Kilowattstunde verringern.

In Nordrhein-Westfalen kostete die Kilowattstunde Strom zuletzt im Schnitt 34,95 Cent, verglichen mit 31,86 Cent Anfang 2026. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden bedeutet dieser Anstieg Mehrkosten von 124 Euro pro Jahr.

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Die Stromsteuer liegt seit 2003 unverändert bei 2,05 Cent pro Kilowattstunde — eine Absenkung auf das EU-Mindestmaß würde den Preis um rund 2 Cent pro Kilowattstunde senken. Für einen Drei-Personen-Haushalt in NRW mit 4.000 kWh Jahresverbrauch entspricht das einer möglichen Ersparnis von rund 93 Euro pro Jahr. Kostenlosen Stromkosten-Report anfordern

Durch eine Absenkung der Steuer könnte der Preis in NRW auf 32,63 Cent pro Kilowattstunde sinken, was für einen solchen Musterhaushalt eine Ersparnis von rund 93 Euro jährlich brächte. Ein- und Zwei-Personen-Haushalte würden je nach Verbrauch zwischen 30 und 60 Euro pro Jahr sparen.

Finanzierungsfrage und Reaktionen in der Koalition

Nach Schätzungen des Bundesfinanzministeriums würde die Steuersenkung um 2 Cent pro Kilowattstunde jährliche Kosten von rund 5,4 Milliarden Euro verursachen. Bundeskanzler Merz knüpfte die Gegenfinanzierung an die Voraussetzung, dass sich das wirtschaftliche Wachstum verfestige und verstetige.

Die Bundesregierung hatte ihre Wachstumsprognose zuvor von 0,5 Prozent auf 1,3 Prozent für 2026 sowie auf 1,1 Prozent für 2027 angehoben. Ein Prozentpunkt zusätzliches Wachstum entspricht Berechnungen zufolge Mehreinnahmen von rund 10 Milliarden Euro bei den Steuern, wovon etwa 5 Milliarden Euro auf den Bund entfallen.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil trat den Hoffnungen auf eine automatische Gegenfinanzierung jedoch entgegen. Die Annahme, die Entlastung lasse sich dauerhaft allein aus dem Wachstum stemmen, könne er zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht bestätigen.

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In NRW kostete die Kilowattstunde Strom zuletzt im Schnitt 34,95 Cent — für einen Drei-Personen-Haushalt bedeutet das 124 Euro Mehrkosten pro Jahr gegenüber Anfang 2026. Solange Zeitplan und Finanzierung der angekündigten Stromsteuer-Senkung offen sind, bleibt der Tarifvergleich der Hebel, der sofort wirkt. Checkliste Stromanbieter-Wechsel jetzt sichern

Unterstützung für den Vorstoß signalisierte der Verbraucherzentrale Bundesverband. Dessen Vorständin Ramona Pop begrüßte die Ankündigung, forderte darüber hinaus jedoch gezielte Direktzahlungen. Auf Länderebene hatte zuvor unter anderem der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder auf die Umsetzung der Entlastung gedrängt.

Skeptisch äußerte sich hingegen die Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner, die ankündigte, weiter an der Ausgestaltung der Absenkung arbeiten zu wollen. Aus den Reihen der Union hatte der frühere CSU-Vorsitzende Horst Seehofer Kritik an bislang gebrochenen Wahlversprechen wie der Stromsteuersenkung geäußert.

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