Strompreise, Grundversorgung

Strompreise: Ökostrom wird günstiger, Grundversorgung bleibt teuer

07.06.2026 - 18:57:52 | boerse-global.de

Die Kosten für grünen Strom nähern sich denen konventioneller Energie an. Ein Wechsel aus der teuren Grundversorgung kann Haushalten bis zu 700 Euro jährlich sparen.

Strompreise: Ökostarm wird fast so günstig wie konventioneller Strom
Strompreise - Eine stilisierte Darstellung von grüner Energie, die von Windturbinen und Solarpaneelen in eine digitale Schnittstelle fließt. 07.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Aktuelle Branchendaten zeigen: Verbraucher zahlen für grüne Energie im Schnitt 25,53 Cent pro Kilowattstunde (Ct/kWh) – konventioneller Strom liegt mit 24,67 Ct/kWh nur knapp darunter.

Grundversorgung bleibt teuer

Wer immer noch im Standardtarif seines Grundversorgers steckt, zahlt deutlich drauf. Mit durchschnittlich 40,39 Ct/kWh ist dieses Segment das mit Abstand teuerste. Laut Marktanalysen von StromAuskunft.de spart ein Wechsel zu einem günstigen Alternativanbieter rund 660 Euro pro Jahr – bei einem typischen Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden.

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Die regionalen Unterschiede sind enorm. In München kostet der günstigste Ökostrom-Tarif 24,91 Ct/kWh, der lokale Grundversorger verlangt 37,06 Ct/kWh. In Würzburg liegt das Einsparpotenzial sogar bei über 700 Euro jährlich. E.ON gilt derzeit als einer der günstigsten überregionalen Anbieter – mit Tarifen ab etwa 22,26 Ct/kWh.

Netzbetreiber warnt vor zu schnellem Solarausbau

Doch während die Preise für Endkunden sinken, wachsen die Probleme im Hintergrund. Stefan Kapferer, Chef des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz, fordert eine Verschiebung der Prioritäten. Statt weiter auf schnellen Solarausbau zu setzen, müsse der Fokus in den nächsten fünf bis sechs Jahren auf Windkraft und neuen Gaskraftwerken liegen.

Seine Begründung: Die zunehmenden negativen Strompreise belasten die Systemkosten massiv. Allein Anfang Mai verursachte die hohe Einspeisung bei niedriger Nachfrage Kosten von rund 50 Millionen Euro – getragen vom Steuerzahler.

Besonders prekär ist die Lage in Ostdeutschland. In Brandenburg stehen 17 Gigawatt (GW) installierte erneuerbare Kapazität einer Last von gerade einmal 3 GW gegenüber. Während Regionen wie Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württemberg noch Solarkapazitäten aufnehmen könnten, braucht es bundesweit rund 10 GW neue Gaskraftwerke – zur Absicherung von Dunkelflauten. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 200 Stunden ohne nennenswerte Wind- und Solareinspeisung registriert.

Erneuerbare legen kräftig zu

Trotz der Netzprobleme steigt der Anteil grüner Energie am Strommix. Laut Fraunhofer ISE erreichten die Erneuerbaren in den ersten vier Monaten 2026 einen Anteil von 57,5 Prozent – nach 54,7 Prozent im Vorjahr. Besonders die Windkraft legte um über 30 Prozent zu, die Solarstromerzeugung stieg um knapp 9 Prozent.

Die Kehrseite: Die Verstromung von Braunkohle ging um 8,5 Prozent zurück, während Erdgas um mehr als 21 Prozent zulegte.

Neue Kosten für Verbraucher und Solar-Besitzer

Auf der Kostenseite müssen sich Haushalte auf Veränderungen einstellen. Die Netzentgelte für Gas steigen 2026 um 11,2 Prozent, der CO2-Preis klettert auf 65 Euro pro Tonne. Immerhin: Die Gasspeicherumlage wurde gestrichen.

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Für Besitzer von Solaranlagen zeichnen sich zusätzliche Gebühren ab. Ein Hintergrundpapier der Bundesnetzagentur prüft die Einführung eines höheren Grundpreises für sogenannte Prosumer. Wer selbst Strom produziert und ins Netz einspeist, könnte künftig mit bis zu 100 Euro pro Jahr extra belastet werden. Der Grund: Sie nutzen die Netze als Puffer, zahlen aber wegen ihres Eigenverbrauchs weniger zu den Netzkosten.

Forschung: Effizientere Solarzellen in Sicht

Das Fraunhofer ISE arbeitet unterdessen an der nächsten Technologie-Generation. Mit staatlicher Förderung entwickelt das Institut Tandemsolarzellen aus Perowskit und Silizium, die Wirkungsgrade von über 29 Prozent erreichen sollen. Die Markteinführung wird in den nächsten zwei bis drei Jahren erwartet. Ziel: Bis zum Ende des Jahrzehnts eine Haltbarkeit von 20 Jahren bei einem Wirkungsgrad von 30 Prozent garantieren zu können.

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