Strommarkt-Reform, Energy-Sharing

Strommarkt-Reform: Energy-Sharing startet ab 1. Juni 2026

31.05.2026 - 17:52:42 | boerse-global.de

Energy-Sharing erlaubt ab Juni den direkten Nachbarschaftsstromhandel. Neue Netzentgelte und der Smart-Meter-Rollout begleiten die Reform.

Strommarkt-Reform: Energy-Sharing startet ab 1. Juni 2026 - Foto: über boerse-global.de
Strommarkt-Reform: Energy-Sharing startet ab 1. Juni 2026 - Foto: über boerse-global.de

Mai 2026 ihre Pläne für eine grundlegende Reform der Netzentgelte vorgestellt. Zeitgleich beginnt am 1. Juni der offizielle Start des dezentralen Energie-Sharings – ein Paradigmenwechsel für den deutschen Strommarkt.

Strom teilen statt einspeisen: Das neue Modell

Ab sofort dürfen Verbraucher selbst erzeugten Strom zu selbst bestimmten Preisen handeln. Das Energy-Sharing ermöglicht es Haushalten, überschüssige Solarenergie direkt in der Nachbarschaft zu verkaufen. Die Reform kommt nicht von ungefähr: Über die Pfingstfeiertage lagen die Börsenstrompreise zeitweise stundenlang im negativen Bereich.

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Die angekündigte Anpassung der Netzentgelte wird voraussichtlich alle Verbraucher betreffen – auch jene mit Solaranlagen auf dem Dach. Wie stark die Belastung ausfällt, bleibt abzuwarten.

Bidirektionales Laden: E-Autos als Stromspeicher

Um die Netzstabilität zu sichern, haben Unternehmen wie Eon und BMW eine Pilotphase für bidirektionales Laden gestartet. Die Idee: Elektroauto-Batterien dienen als temporäre Zwischenspeicher für überschüssige Energie. Erste marktfähige Produkte werden für 2027 erwartet. Teilnehmende Kunden könnten jährlich mehrere hundert Euro verdienen.

Intelligente Zähler: Pflicht für viele Haushalte

Die neuen Strommodelle setzen den Rollout intelligenter Messsysteme (iMSys) voraus, der 2026 für bestimmte Gruppen verpflichtend wird. Betroffen sind Haushalte mit einem Jahresverbrauch über 6.000 Kilowattstunden sowie Besitzer von Wärmepumpen, Wallboxen oder Photovoltaikanlagen.

Die jährlichen Betriebskosten für die Smart Meter liegen zwischen 30 und 50 Euro. Wer steuerbare Verbraucher nutzt, kann jedoch kräftig sparen: Nach Paragraf 14a des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) sind Netzentgelt-Reduzierungen zwischen 110 und 190 Euro pro Jahr möglich.

Der Rollout gewinnt an Fahrt: Bis Ende März 2025 waren rund 15 Prozent der geplanten Pflichtinstallationen abgeschlossen. Allein im ersten Quartal jenes Jahres wurden etwa 400.000 Systeme installiert. Laut einer Umfrage des ZVEI legen 82 Prozent der Deutschen besonderen Wert auf Datenschutz und IT-Sicherheit bei den digitalen Zählern.

Heizungsgesetz: Neue Regeln für Öl und Gas

Das Gebäudemodernisierungsgesetz durchläuft derzeit die Ressortabstimmung. Ein komplettes Verbot fossiler Heizungen nach 2045 wurde verworfen. Stattdessen greift ab 2029 eine gleitende Skala für die Beimischung grüner Brennstoffe. Neue Öl- und Gasheizungen müssen dann mindestens zehn Prozent grüne Brennstoffe nutzen – bis 2040 steigt die Quote auf 60 Prozent.

Trotz des regulatorischen Drucks zeigt sich die Immobilienbranche zurückhaltend. Eine Umfrage unter 1.000 Teilnehmern vom Februar 2026 ergab: 59 Prozent der privaten Vermieter planen derzeit keine energetischen Sanierungen. Von denen, die sanieren, nennen 53 Prozent die Energieeinsparung als Hauptmotiv. 64 Prozent der Sanierungsverweigerer sehen schlicht keine Dringlichkeit.

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Leuchtturmprojekte: Was schon heute möglich ist

Im gewerblichen und Mehrfamilienhaus-Sektor gibt es bereits Vorzeigeprojekte. Ein im Mai 2026 fertiggestelltes Mehrfamilienhaus in Wernigerode erhielt als erstes Gebäude in Sachsen-Anhalt eine hochwertige Green-Building-Zertifizierung. Die energieautarke Anlage kombiniert Photovoltaik, Solarthermie und Holzpellets-Heizung und spart jährlich rund 36 Tonnen CO2.

Auch in Dortmund zeigt sich, was technisch machbar ist: Mehrstufige Großwärmepumpen-Kaskaden ersetzen dort alte Systeme und heben die Energieeffizienzklasse von F auf B.

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