Strom- und Gaspreise sinken – bleiben aber deutlich über Vorkrisenniveau
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 09:13 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Preise für Strom und Gas in Deutschland sind im ersten Halbjahr 2026 gesunken, liegen für private Haushalte aber weiterhin deutlich über dem Niveau vor Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine.
Gas wird günstiger, bleibt aber deutlich teurer
Privathaushalte zahlten im Durchschnitt 11,58 Cent je Kilowattstunde Erdgas, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das waren 5,3 Prozent weniger als im zweiten Halbjahr 2025 und 4,5 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2025.
Zur Entlastung trug die Abschaffung der Gasspeicherumlage bei. Im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2021, dem Zeitraum vor der Energiekrise, war Gas jedoch noch 80,7 Prozent teurer.
Auch Strompreise sinken
Für Strom zahlten private Verbraucher in den ersten sechs Monaten des Jahres durchschnittlich 37,97 Cent je Kilowattstunde. Der Preis lag damit 6,4 Prozent unter dem zweiten Halbjahr 2025 und 4,9 Prozent unter dem ersten Halbjahr 2025.
Als wichtigen Grund nannte das Statistische Bundesamt niedrigere Netzentgelte infolge der Bundesbezuschussung der Netzbetreiber. Gegenüber dem zweiten Halbjahr 2021 war Strom dennoch 16,4 Prozent teurer.
Millionen Haushalte unter finanziellem Druck
Hohe Energierechnungen übersteigen bei Millionen Haushalten die finanziellen Möglichkeiten. Nach jüngsten Angaben des Statistischen Bundesamtes lebten 2025 rund 3,8 Millionen Menschen in Haushalten, die mit Zahlungen an Energieversorger in Verzug waren.
Unternehmen zahlen weniger
Unternehmen und Behörden kamen im ersten Halbjahr günstiger weg. Sie zahlten ohne Mehrwertsteuer und andere abzugsfähige Steuern durchschnittlich 6,29 Cent je Kilowattstunde Erdgas; für Strom waren es nach vorläufigen Angaben 17,64 Cent.
Bei den Gaspreisen für Unternehmenskunden lagen die Kosten 1,8 Prozent über dem zweiten Halbjahr 2025. Nach Angaben des Bundesamtes zeigen sich darin bereits erste Auswirkungen der Krise in der Straße von Hormus, die für den weltweiten Öl- und Gashandel wichtig ist und seit Beginn des Krieges zwischen den USA und Iran Ende Februar faktisch gesperrt ist.
Weitergabe an Haushalte dauert
Wegen langfristiger Verträge geben Energieversorger Veränderungen der Großhandelspreise üblicherweise mit Verzögerung an private Kunden weiter. Die aktuelle Entwicklung bei Unternehmenskunden kann daher ein früher Hinweis auf künftige Preisbewegungen sein.
Leichte Entspannung, aber kein Zurück zum Vorkrisenniveau
Die sinkenden Durchschnittspreise markieren eine kurzfristige Entlastung, ändern aber wenig an der strukturellen Belastung vieler Haushalte. Gas und Strom liegen weiterhin deutlich über dem Niveau des zweiten Halbjahres 2021. Für Menschen mit niedrigem Einkommen wirken sich solche Preisabstände besonders stark aus, weil Energiekosten nur begrenzt vermeidbar sind.
Beim Strompreis treffen mehrere Faktoren zusammen: Beschaffungskosten, Netzentgelte, Steuern und Umlagen. Niedrigere Netzentgelte haben im ersten Halbjahr 2026 zur Entlastung beigetragen. Zugleich können internationale Gaspreisschwankungen auf den Strommarkt durchschlagen, weil Gaskraftwerke insbesondere in Zeiten hoher Nachfrage oder geringer Wind- und Solarproduktion für die Preisbildung wichtig sind.
Hormus-Krise erhöht das Risiko für den Winter
Die Lage an der Straße von Hormus verschärft die Unsicherheit für die kommenden Monate. Ein knapperes LNG-Angebot kann die europäischen Beschaffungskosten erhöhen, während niedrige Speicherstände den Spielraum vor der Heizsaison begrenzen. Das bedeutet nicht automatisch eine Versorgungskrise, wohl aber ein höheres Preisrisiko für Haushalte, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen.
Für Verbraucher bleibt deshalb entscheidend, dass Versorger Großhandelspreise zeitversetzt weitergeben und Verträge unterschiedliche Preisbindungen haben. Unternehmen spüren Marktveränderungen häufig früher. Bei privaten Haushalten können die aktuellen Durchschnittswerte daher zunächst stabiler wirken, als es die internationalen Energiemärkte nahelegen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
FOCUS online: „Leser fragen: Warum bleibt Strom trotz Erneuerbaren teuer?“ (29.09.2026)
Der Beitrag bestätige, dass die Hormus-Krise bereits auf die Strombeschaffung durchschlage, und erkläre die Rolle von Gaskraftwerken, Netzkosten und Infrastruktur. Anders als die dpa-Meldung konzentriere er sich auf die Preisbildung sowie die Frage, ob Anbieterwechsel und dynamische Tarife Haushalte entlasten könnten.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Geht uns das Gas aus? So sicher ist die EU für den Winter“ (28.09.2026)
Der Bericht ordne die Preisentwicklung in die europäische Versorgungslage vor dem Winter ein und schreibe, die EU verfüge derzeit über keine unmittelbare Versorgungslücke, müsse aber mit niedrigen Speichern und teurer Beschaffung umgehen. Im Unterschied zur dpa-Meldung liege der Schwerpunkt auf Speicherständen, LNG-Konkurrenz und dem Risiko, dass ein anhaltend knappes Gasangebot auch die Strompreise weiter nach oben treibe.
Beide Beiträge bestätigten damit die Bedeutung der internationalen Gasversorgung für die Preisentwicklung; offen bleibe, wie lange die Beeinträchtigung der LNG-Lieferungen anhalte und wie stark sie letztlich bei privaten Kunden ankomme.
