Stiftungen als Steuersparmodell: Von 58 auf 23 Prozent Steuerersparnis
11.06.2026 - 16:52:38 | boerse-global.de
Sie dienen als Steuersparmodell bei Unternehmensverkäufen, als Vertrauensanker in der Krise – und geraten gleichzeitig wegen riskanter Anlagestrategien unter Druck.
Steuern sparen mit der Familienstiftung
Der Trick ist nicht neu, aber hochaktuell: Wer seine GmbH vor dem Verkauf in eine Familienstiftung überführt, drückt die Steuerlast von über 58 auf rund 23 Prozent. Branchenexperten bestätigten Anfang Juni: Die zeitliche Abfolge ist entscheidend – die Übertragung muss vor dem Verkaufsprozess abgeschlossen sein.
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Hintergrund ist der größte Vermögenstransfer der Geschichte. Der Generationenwechsel steht an, und immer mehr Stifter achten auf messbare Wirkung. Impact Investing und soziales Unternehmertum gewinnen an Bedeutung.
77 Prozent vertrauen Stiftungen – dem Staat nur 38 Prozent
Eine repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag der ChildInvest Foundation zeigt: Stiftungen genießen hohes Vertrauen. 77 Prozent der Befragten trauen ihnen einen verantwortungsvollen Umgang mit Mitteln zu. Beim Staat sind es nur 38 Prozent.
89 Prozent sehen Stiftungen, Vereine und Verbände als wichtige Säulen der Gesellschaft. Bei den Unter-30-Jährigen sind es sogar 95 Prozent. Doch es gibt Aufklärungsbedarf: 67 Prozent vermuten hinter Stiftungsgründungen vor allem Steuersparmodelle. Nur 13 Prozent wissen, dass auch Zustiftungen möglich sind. Und 86 Prozent fordern klare Wirkungsnachweise.
RAG-Stiftung: Milliardenschwer, aber unter Beschuss
Die RAG-Stiftung verwaltet die Ewigkeitskosten des Steinkohlebergbaus. 2025 erzielte sie einen Überschuss von knapp 420 Millionen Euro. 309 Millionen flossen in die Grubenwasserhaltung, 110 Millionen in die Rückstellungen – die damit auf 9,87 Milliarden Euro anstiegen.
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Doch das Gesamtvermögen schrumpfte von 17 auf 15,9 Milliarden Euro. Der Bundesrechnungshof und regionale Kontrollorgane kritisieren die Anlagestrategie als zu riskant und teilweise unwirtschaftlich. Die Beteiligungsgesellschaft RSBG gilt als Sanierungsfall. Vorstandschef Bernd Tönjes weist die Kritik zurück und lehnt personelle Konsequenzen ab. Die Stiftung hält 44 Prozent an Evonik, will aber auf 25,1 Prozent reduzieren.
Liechtenstein: Benko-Stiftung gewinnt vor Gericht
Das Oberlandesgericht Liechtenstein hob am 10. Juni eine einstweilige Verfügung auf. Rund 50 Millionen Franken aus der Ingbe-Stiftung, die dem Umfeld von René Benko zugerechnet wird, waren eingefroren. Der Masseverwalter Andreas Grabenweger muss nun Verfahrenskosten in sechsstelliger Höhe tragen und prüft den Gang vor das Höchstgericht.
Ungarn: 15 Stiftungen müssen bis August schließen
Die ungarische Regierung legte ein Gesetzespaket vor, das die Auflösung von 15 sogenannten Kekva-Stiftungen vorsieht. Frist: 31. August 2026. Ziel ist es, eingefrorene EU-Gelder freizubekommen. Dafür sollen Integritätsbehörden gestärkt und Eigentumsstrukturen transparenter werden.
Schweiz: Stiftungsvermögen verdoppelt
Der Stiftungssektor in der Schweiz wächst ungebremst. Aktuell gibt es 13.782 Stiftungen mit einem Gesamtvermögen von 159,6 Milliarden Franken. Seit 2012 hat sich das Vermögen mehr als verdoppelt.
Bauprojekte: Gutenberg-Museum klafft Finanzierungslücke
Die Gutenberg-Stiftung warnte im Juni vor Finanzierungslücken beim Neubau des Gutenberg-Museums in Mainz. Die Baukosten von rund 90 Millionen Euro sind durch Bundes- und Landesmittel gedeckt. Doch für die jährlichen Betriebskosten von rund 4 Millionen Euro und die Innenausstattung fehlen Zusagen.
In der Schweiz hingegen gibt es grünes Licht: Der Gemeindevorstand von Val Müstair genehmigte eine Sonderzone für den 10 Millionen Franken teuren Neubau der Handweberei Tessanda nach Plänen des Stararchitekten Peter Zumthor.
