Steuerzinsen: Verdoppelung auf 3,6 Prozent ab 2027 geplant
11.06.2026 - 05:48:24 | boerse-global.de
Juni drängten führende Wirtschaftsverbände auf einen klaren Zeitplan für Steuer- und Strukturreformen. Im Zentrum steht die degressive Abschreibung als Investitionsanreiz – doch zeitgleich zeichnen sich neue Belastungen ab.
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Verbände mahnen Wachstum an
BDA, BDI, DIHK und ZDH trafen sich mit Regierungsvertretern und Gewerkschaften. Ihre Botschaft: Deutschland braucht eine klare Strategie für Steuern, Rente und Arbeitsmarkt. Die Bundesregierung bremste jedoch die Erwartungen an schnelle Zusagen.
Parallel warnte der CDU-Wirtschaftsrat vor neuen Abgaben. Generalsekretär Steiger verwies auf den deutschen Steuer- und Abgabenkeil von 47,9 Prozent – weit über dem OECD-Schnitt von 34,9 Prozent. „Zusätzliche Belastungen treiben Unternehmen aus dem Land“, so seine Warnung.
Degressive Abschreibung als Hebel
Die Wiedereinführung der degressiven AfA soll Investitionen ankurbeln. Der Bundesrat bestätigte die Maßnahme bereits im Juli 2025. Für bewegliches Anlagevermögen, das 2025 bis 2027 angeschafft wird, gilt ein Abschreibungssatz von 30 Prozent.
Das Ziel: Unternehmen schneller Liquidität verschaffen und Modernisierungen vorziehen. Ein interessanter Kontrast zeigt sich in Österreich: Dort senkte man die degressive Abschreibung für Elektrizitätsunternehmen von 30 auf 10 Prozent – zur Gegenfinanzierung des Industriestrompreises.
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Steuerzinsen verdoppeln sich
Trotz dieser Entlastung steigen die Kosten. Das Jahressteuergesetz 2026 sieht vor, die Steuerzinsen ab 2027 von 1,8 auf 3,6 Prozent zu verdoppeln. Die Karenzfrist von 15 Monaten bleibt bestehen.
Auch bei der Altersvorsorge steht ein Systemwechsel an. Ab Januar 2027 soll eine neue Reform die Riester-Rente ablösen. Geplant sind Altersvorsorgedepots mit beitragsproportionaler Zulage. Bei Eigenbeiträgen bis 360 Euro gibt es 50 Cent Förderung pro Euro, bei höheren Beträgen bis 1.800 Euro sinkt die Zulage auf 25 Cent. Bestehende Verträge genießen Bestandsschutz.
Entlastungen für die Industrie
Bundeswirtschaftsministerin Reiche meldete im Juni positive Signale: Die EU-Kommission genehmigte stärkere Entlastungen beim Strompreis. Für 2026 wird die Kumulierbarkeit von Industriestrompreis und Strompreiskompensation ermöglicht – das erfordert zusätzliche Haushaltsmittel von rund einer Milliarde Euro.
In der Automobilbranche trafen sich Anfang Juni Regierungsvertreter aus Baden-Württemberg mit Branchenvertretern. Thema: Arbeitsplätze sichern und Innovationen fördern. Die E-Auto-Prämie spielt dabei eine Rolle – ab Januar 2026 sind bis zu 6.000 Euro möglich, sofern die Einkommensgrenze von 80.000 Euro nicht überschritten wird.
Strengere Regeln für internationale Firmen
International tätige Unternehmen müssen sich auf neue Pflichten einstellen. Seit Januar 2026 sind für nicht in der EU ansässige Unternehmer digitale Nachweise im Vorsteuer-Vergütungsverfahren verpflichtend.
Zudem wurde am 19. Mai ein neues Doppelbesteuerungsabkommen mit der Ukraine unterzeichnet. Es sieht unter anderem erhöhte Quellensteuersätze auf Dividenden und Zinsen vor.
