Steuerreform, Handwerk

Steuerreform: Handwerk warnt vor Benachteiligung von Familienbetrieben

11.05.2026 - 07:22:00 | boerse-global.de

Handwerk und Steuerberater kritisieren geplante Steuerreformen scharf. Immer mehr Durchschnittsverdiener erreichen den Spitzensteuersatz.

Steuerreform: Handwerk warnt vor Benachteiligung von Familienbetrieben - Foto: über boerse-global.de
Steuerreform: Handwerk warnt vor Benachteiligung von Familienbetrieben - Foto: über boerse-global.de

Führende Branchenvertreter kritisieren die geplanten Reformen der Bundesregierung scharf – insbesondere mit Blick auf den Mittelstand.

Handwerkspräsident sieht „Todespirale“ der Produktivität

Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), schlug am 10. Mai 2026 Alarm. Seine Botschaft: Die geplanten Steuererleichterungen für Kapitalgesellschaften gehen an der Realität vorbei. Rund drei Viertel aller Handwerksbetriebe sind als Personengesellschaften organisiert – sie würden von den vorgesehenen Entlastungen komplett ausgeschlossen.

Die aktuelle Belastung durch Steuern und Abgaben führe zu einer „Todespirale“ für die Leistungsbereitschaft, so Dittrich. Wer mehr arbeite, habe am Ende kaum mehr in der Tasche. Der Handwerkspräsident fordert flexiblere Arbeitszeiten und eine Entlastung der Leistungsträger im Mittelstand.

Anzeige

Während die Politik über Steuererleichterungen für Mehrarbeit diskutiert, müssen Betriebe ihre Zeitmodelle schon heute rechtssicher organisieren. Dieser Gratis-Leitfaden zeigt in drei Schritten, wie Sie Überstunden rechtssicher anordnen, ohne unnötig draufzuzahlen. Gratis-E-Book zur rechtssicheren Arbeitszeitgestaltung sichern

Steuerberater-Präsident: „System radikal vereinfachen“

Hartmut Schwab, Präsident der Bundessteuerberaterkammer, legte am selben Tag nach. Seine Forderung: eine grundlegende Vereinfachung des Steuersystems. Deutschland liege bei der Abgabenlast international an der Spitze – mit einem Satz von knapp 50 Prozent.

Besonders brisant: Die Entwicklung des Spitzensteuersatzes. Lag die Grenze 1990 noch beim 3,2-Fachen des Durchschnittseinkommens, greift sie heute bereits beim 1,3-Fachen. Im Klartext: Immer mehr Durchschnittsverdiener rutschen in die Spitzenbesteuerung.

Steuerfreie Überstunden: Gesetz auf Eis gelegt

Ein zentrales Vorhaben der Regierung steckt fest. Das Arbeitsmarktstärkungsgesetz sollte ab Januar 2026 steuerfreie Überstundenzuschläge von bis zu 25 Prozent des Grundlohns ermöglichen. Doch Anfang Mai 2026 ist das Gesetz noch immer nicht in Kraft.

Die Kritik: Rund 30 Prozent der Beschäftigten arbeiten in Teilzeit – sie würden von der Regelung kaum profitieren. Besonders Frauen wären benachteiligt, da sie den Großteil der Teilzeitkräfte stellen.

Digitale Rechnung: Unternehmen droht Zeitdruck

Während die Steuerreform stockt, läuft die Digitalisierung unerbittlich weiter. Seit Januar 2025 müssen Unternehmen E-Rechnungen empfangen können. Doch das Versenden wird nun schrittweise Pflicht:

  • Bis 31. Dezember 2026: Ende der Übergangsfrist für deutsche Firmen
  • Ab 1. Januar 2027: Unternehmen mit über 800.000 Euro Jahresumsatz müssen E-Rechnungen ausstellen

Eine einfache PDF per Mail reicht nicht aus. Gefordert sind strukturierte Formate wie XRechnung oder ZUGFeRD. Eine Marktanalyse vom Oktober 2025 zeigte: Nur 24 Prozent der Firmen waren damals bereit. Der Druck wächst.

Anzeige

Der wachsende Zeitdruck bei der E-Rechnung ist nur eine von vielen Änderungen, die das aktuelle Steuerrecht für Unternehmen bereithält. Ein kostenloser Spezial-Report verrät Ihnen 17 versteckte Vorteile und praktische Tipps zur erfolgreichen Umsetzung der neuesten gesetzlichen Regelungen. Kostenlosen Spezial-Report für Unternehmer jetzt herunterladen

Flugverkehr: Neue Regeln für Entschädigungen

Auch der Luftverkehr steht vor Änderungen. Die EU-Kommission stellte am 8. Mai 2026 klar: Hohe Kerosinpreise sind kein „außergewöhnlicher Umstand“, der Airlines von Entschädigungszahlungen befreit. Lediglich tatsächliche Treibstoffengpässe könnten als Ausnahme gelten.

Hintergrund: Die Spannungen in der Straße von Hormus treiben die Kerosinpreise in die Höhe. Lufthansa und andere Airlines haben bereits Flüge gestrichen. Die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA prüft nun den Einsatz alternativer Treibstoffe.

Ausblick: Was kommt auf Unternehmen zu?

Bis November 2026 sollen neue EU-Zollregeln für Direktlieferungen aus Nicht-EU-Ländern in Kraft treten. Plattformen wie Temu oder AliExpress würden dann als Importeure behandelt – mit Strafen von bis zu sechs Prozent des Warenwerts bei Verstößen.

Für Betriebe und Steuerzahler bleibt das Jahr 2026 eine entscheidende Phase. Ob die Bundesregierung die Kritik aus Handwerk und Mittelstand aufnimmt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Klar ist: Die Digitalisierung macht keine Pause – und die Steuerlast drückt weiter.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wirtschaft | 69302591 |