Steuerreform, Entlastung

Steuerreform 2027: Entlastung um 10 Milliarden, Reichensteuer auf 45%

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 06:39 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die Steuerbranche erlebt tiefgreifende Reformen: Entlastung von 10 Mrd. Euro, Riester-Aus und EU-Harmonisierung sorgen für Bewegung.

Steuerreform 2027: Entlastungen, neue Altersvorsorge und EU-Pläne
Nahaufnahme eines Finanzhauptbuchs oder Steuerformulars mit einem Stift, der die Komplexität der Steuerberatung und Finanzplanung darstellt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Zwischen Einkommensteuerreform, EU-Harmonisierung und neuen Verwaltungsvorgaben müssen sich Kanzleien und ihre Mandanten auf eine Welle neuer Regelungen einstellen.

Einkommensteuerreform 2027: Entlastung und Belastung zugleich

Anfang Juli einigte sich der Koalitionsausschuss auf die Eckpunkte einer umfassenden Steuerreform. Ab 1. Januar 2027 sollen die Bürger jährlich um rund 10 Milliarden Euro entlastet werden.

Der Grundfreibetrag steigt auf 12.900 Euro, das Kindergeld auf 272 Euro. Auch der Arbeitnehmerpauschbetrag erhöht sich auf 1.430 Euro. Doch die Gegenfinanzierung hat ihren Preis: Der Reichensteuersatz klettert auf 45 Prozent – gültig ab einem Einkommen von 250.000 Euro. Wer mehr als 280.000 Euro verdient, zahlt künftig 47 Prozent Spitzensteuersatz.

Riester-Aus: Neue Förderung ab 2027

Parallel zur Einkommensteuer reformiert die Regierung die Altersvorsorge grundlegend. Ab Januar 2027 ersetzt ein neues Fördersystem die bisherige Riester-Rente. Erstmals sollen auch Selbstständige förderberechtigt sein.

Eine Rentenkommission empfahl zudem, Selbstständige in ein neues Rentensystem mit Kapitalmarkt-Komponente einzubeziehen. Der Handlungsbedarf ist enorm: Laut Erhebungen vom Juni 2026 haben nur 31 Prozent der Berechtigten in kleinen und mittleren Unternehmen eine betriebliche Altersversorgung.

Der Wert professioneller Beratung zeigt sich in einer aktuellen Umfrage: 61 Prozent der beratenen Personen beginnen bereits vor dem 35. Lebensjahr mit der Altersvorsorge.

EU-Harmonisierung: DStV warnt vor Wettbewerbsnachteilen

Am 14. Juli meldete sich der Deutsche Steuerberaterverband (DStV) zu Wort. Die geplante „EU Inc.“ – eine harmonisierte Unternehmensbesteuerung – bereitet den Experten Kopfzerbrechen.

Der Verband warnt vor höherer Steuerlast und zunehmender Komplexität. Besonders kleine und mittlere Unternehmen könnten darunter leiden. Die Befürchtung: Kapitalabfluss und ein Rückgang der Investitionen. Der DStV fordert daher, die steuerberatenden Berufe frühzeitig in den Gesetzgebungsprozess einzubinden.

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Neue Betriebsstättenregeln: BMF konkretisiert Vorgaben

Das Bundesfinanzministerium (BMF) präzisierte die Regeln zur Betriebsstättenbesteuerung. Ein Schreiben vom 18. Juni ersetzt die alte Anweisung aus dem Jahr 1999.

Die Neuregelung trennt klar zwischen nationalem Recht und Abkommensrecht. Für Bau- und Montagebetriebsstätten gilt künftig eine Sechs-Monats-Frist. Ein wichtiges Detail für die Corona-Ära: Ein Homeoffice begründet in der Regel keine Betriebsstätte – es sei denn, dort werden Leitungsfunktionen ausgeübt.

Fortbildungsboom: Kanzleien rüsten sich

Der Regulierungsdruck treibt die Nachfrage nach Fachseminaren in die Höhe. Anbieter wie DWS und IWW bieten im Sommer und Herbst 2026 ein breites Programm an. Die Schwerpunkte: aktuelle BFH-Entscheidungen, die E-Rechnung und Spezialthemen wie Familienstiftungen oder Steuerstrafrecht.

Auch die Verwaltungspraxis ändert sich. Das BMF veröffentlichte im Frühjahr neue Richtlinien zum Vorsteuerabzug bei Stiftungen. Bei späteren Nutzungsänderungen ist künftig eine Vorsteuerberichtigung nach § 15a UStG zu prüfen – eine Abkehr von der bisherigen Praxis der unentgeltlichen Wertabgabe.

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Zwei weitere Neuerungen: Die Künstlersozialabgabe steigt auf 5,0 Prozent. Und ab 2026 gilt eine Kassenpflicht für Selbstständige.

Die Kosten für Fachseminare liegen meist zwischen 100 und 160 Euro pro Einheit. Für den Nachwuchs bieten Anbieter spezielle Paketlösungen an – die Anforderungen an Buchführung und Bilanzierung steigen stetig.

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