Steuerprüfungen, Personalmangel

Steuerprüfungen: Personalmangel verschont Kleinbetriebe häufiger vor Kontrollen

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 22:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Personalmangel bremst Steuererklärungen und Kontrollen; Mecklenburg-Vorpommerns Koalition will Verbeamtungen auf Kernbereiche begrenzen.
Hohe Stapel von Aktenordnern in einem ruhigen Büro der Finanzverwaltung, die auf einen Personalmangel hindeuten. Illustration mit AI erstellt.

Berichte thematisieren zunehmende Engpässe in den Steuerverwaltungen: Weil qualifizierte Beamte fehlen, werden insbesondere Kleinbetriebe seltener einer steuerlichen Betriebsprüfung unterzogen. Wie aus einem Bericht vom 16. Oktober 2026 hervorgeht, schlägt sich die angespannte Personallage zudem in spürbaren Verzögerungen und wachsenden Aktenbergen bei der regulären Bearbeitung von Steuererklärungen nieder.

Regionale Verzögerungen und wachsende Aktenberge

Am Beispiel niedersächsischer Dienststellen treten die operativen Belastungen deutlich zutage. Das Finanzamt Sulingen benötigte im Jahr 2025 über sämtliche Veranlagungsbereiche hinweg mehr Zeit als der Landesdurchschnitt. Die Bearbeitung von Arbeitnehmererklärungen lag dort bei 43,3 Tagen gegenüber dem niedersächsischen Landeswert von 38,9 Tagen.

Bei sonstigen natürlichen Personen dauerte es 45,8 Tage im Vergleich zu landesweit 41,5 Tagen. Für gesonderte Feststellungen fielen 60,8 Tage an gegenüber einem Landesschnitt von 43 Tagen, während steuerliche Körperschaften mit 60,4 Tagen gegenüber einem Durchschnitt von 38,4 Tagen abgewickelt wurden. Zum 1. Oktober 2026 verzeichnete Sulingen 4.923 offene Fälle.

Ein differenziertes Bild zeigt das Finanzamt Syke. Während Arbeitnehmererklärungen mit 34,3 Tagen schneller als der Landesdurchschnitt bearbeitet wurden, dauerten Veranlagungen sonstiger natürlicher Personen 62,4 Tage. Feststellungen nahmen 44 Tage in Anspruch und Körperschaften 41,2 Tage.

Im Zeitraum von 2023 bis 2025 summierten sich dort 3.484 unbearbeitete Fälle. Als Richtwert strebt der Bund der Steuerzahler (BdST) eine Bearbeitungsdauer von unter 40 Tagen bei Arbeitnehmern sowie unter 50 Tagen bei Selbstständigen an.

Ursachenforschung und Debatten um den Beamtenstatus

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Das Landesamt für Steuern Niedersachsen führt die langen Bearbeitungszeiten auf eine Kombination aus Personalausfällen, altersbedingten Abgängen und einem hohen Anteil an Nachwuchskräften zurück. Zusätzlichen Aufwand verursachten vermehrt Rückfragen sowie das Auslaufen der pandemiebedingten Fristverlängerungen.

Vor dem Hintergrund personeller Engpässe und langfristiger Kosten wird auch die Struktur des öffentlichen Dienstes debattiert. In Mecklenburg-Vorpommern verständigten sich SPD, Linke und Grüne am Abend des 16. Oktober 2026 im Schweriner Schloss im Rahmen ihrer Koalitionsgespräche darauf, den Beamtenstatus künftig auf Kernaufgaben zu beschränken.

Neben Polizei, Justiz und Lehrkräften soll die Verbeamtung weiterhin für die Finanzverwaltung gelten. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig begründete die Einschränkungen mit Einsparungen, da Verbeamtungen jahrzehntelange finanzielle Verpflichtungen nach sich ziehen.

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Nach Feststellung des Landesrechnungshofs Mecklenburg-Vorpommern stehen im Land inzwischen mehr Beamte als Tarifangestellte auf der Gehaltsliste, was ab den 2030er Jahren erhebliche Pensionslasten erwarten lässt.

Internationale Parallelen bei Prüfungsdefiziten

Die Probleme bei der steuerlichen Überwachung sind kein rein deutsches Phänomen. Bei der brasilianischen Finanzbehörde Sefaz Mato Grosso sind laut dem per Gerichtsbeschluss veröffentlichten Stellenplan für das vierte Quartal 595 von 1.619 gesetzlich vorgesehenen Planstellen unbesetzt, was einer Quote von 36,8 Prozent entspricht. Nahezu alle Vakanzen entfallen auf den Prüf- und Erhebungsbereich, darunter 124 von 480 Stellen bei den Steuerprüfern.

In Costa Rica stellte das Generalrechnungsamt (CGR) in einem Prüfbericht fest, dass die Steuerdirektion zwischen 2023 und 2026 vertiefte Prüfungen bei vermuteten Verstößen im Umfang von rund 1,8 Billionen Colón unterließ.

Die Zahl aktiver Kontrollen fiel dort von 1.767 Fällen im Jahr 2023 auf zwei Fälle im Jahr 2025. In Rumänien wiederum wurden bei der Finanzbehörde ANAF 76 Standorte aufgelöst, während von 22.507 Planstellen weniger als 20.000 besetzt sind.

In Litauen kündigte VMI-Leiter Martynas Endrijaitis vor dem Parlament eine behördenübergreifende Datenplattform an, um die Effizienz zielgerichteter Prüfungen um 20 Prozent zu steigern.

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