Steuernummer in 15 Tagen: Thüringen beschleunigt Gründungsprozess
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die steuerliche Erfassung von Existenzgründern soll in Deutschland deutlich schneller und digitaler werden. Thüringens Finanzministerin Katja Wolf (BSW) gab am 1. September 2026 bekannt, dass Existenzgründer im Freistaat ihre Steuernummer künftig innerhalb von 15 Arbeitstagen erhalten sollen. Voraussetzung für diese Frist ist die Einreichung vollständiger Unterlagen.
Bisher mussten angehende Unternehmer oft mehrere Wochen auf die für den Geschäftsstart notwendige Kennung warten. Mit dieser Zielvorgabe positioniert sich Thüringen ambitionierter als die Bundesebene: Die Bundesregierung strebt derzeit eine bundesweite Frist von vier Wochen für die Vergabe der Steuernummer an.
Pilotprojekte für die Gründung innerhalb von 24 Stunden
Parallel zu den Bestrebungen in Thüringen werden in einzelnen Kommunen bereits weiterführende Modelle erprobt. In Mannheim startete Ende August 2026 ein Testlauf für einen digitalen Kombiantrag für Einzelunternehmen. Im Rahmen des Pilotprojekts G24, an dem insgesamt zehn Kommunen teilnehmen, werden die Gewerbeanmeldung und die steuerliche Erfassung gebündelt.
Ziel dieses Vorhabens ist es, den gesamten Gründungsprozess über das Portal gruenden.gov.de innerhalb von lediglich 24 Stunden abzuwickeln. Ergänzt werden solche digitalen Angebote durch regionale Beratungsleistungen. So bietet das IFB Nürnberg am 7. Oktober 2026 Einzelberatungen für Freiberufler im Alten Rathaus in Viernheim an. Während für Teilnehmer aus dem Kreis Bergstraße keine Kosten anfallen, wird ansonsten eine Gebühr von 39 Euro erhoben.
Umstellung auf digitale Steuerbescheide ab 2027
Die Beschleunigung der Prozesse ist Teil einer umfassenden Digitalisierungsstrategie der Finanzverwaltung. Ab dem 1. Januar 2027 wird die elektronische Bekanntgabe von Steuerbescheiden über das Portal ELSTER zur Norm erhoben.
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Eine aktive Zustimmung der Steuerpflichtigen ist dafür künftig nicht mehr erforderlich. Wer seine Steuererklärung online einreicht, erhält den Bescheid automatisch in elektronischer Form, sofern kein aktiver Widerspruch eingelegt wird.
Diese Umstellung sieht vor, dass ein Bescheid am vierten Tag nach der Bereitstellung im ELSTER-Postfach als offiziell bekanntgegeben gilt. Steuerpflichtige haben bis zum 31. Dezember 2026 Zeit, entsprechende Vorkehrungen zu treffen.
Für das laufende Jahr 2026 verbleibt die Entscheidung über die Art der Bekanntgabe noch im Ermessen der Finanzämter. Zudem hat das Bundesfinanzministerium Ende August neue Vordrucke für die standardisierte Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen gemäß § 13a EStG veröffentlicht, die ebenfalls elektronisch übermittelt werden müssen.
Vereinfachte Kommunikation und Einsatz von Künstlicher Intelligenz
Um die Hürden in der Kommunikation zwischen Bürgern und Behörden zu senken, haben Bund und Länder 730 Textbausteine der Finanzverwaltung in einfache Sprache umformuliert. Eine Studie des Leibniz-Instituts bestätigte die Wirksamkeit dieser Maßnahme: 90 % der befragten Personen ohne Finanzhintergrund empfanden die neuen Formulierungen als verständlicher. Die Umsetzung erfolgt ab sofort bundesweit.
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Auch der technologische Fortschritt prägt zunehmend das Steuerwesen. Seit dem 1. Juli 2026 bietet das Tool MeinELSTER+ eine KI-gestützte Ein-Klick-Steuererklärung für bestimmte Gruppen wie ledige Arbeitnehmer oder Rentner ohne Zusatzeinkünfte an. Dies betrifft schätzungsweise 11,5 Millionen Bürger.
Eine aktuelle Umfrage des Branchenverbands Bitkom unter 1.006 Befragten verdeutlicht den Trend zur Digitalisierung: 15 % der Bürger nutzten bereits Künstliche Intelligenz für ihre Steuerangelegenheiten, während 13 % auf Smartphone-Apps zurückgriffen – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr mit 7 %.
Ein Blick nach Österreich zeigt derweil, dass Prozessoptimierungen zu messbaren Ergebnissen führen. Dort wurde die Bearbeitungsdauer für die Arbeitnehmerveranlagung im ersten Halbjahr 2026 auf durchschnittlich 15 Tage gesenkt, nachdem sie zwei Jahre zuvor noch bei 22 Tagen gelegen hatte. Insgesamt wurden dort in den ersten sechs Monaten des Jahres bereits 3,35 Millionen Fälle abgeschlossen.
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