Steuernachzahlungen: Zinsatz verdoppelt sich ab Januar 2027
Veröffentlicht am: 19.07.2026 um 23:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Für Selbstständige und junge Unternehmen bringt der Aktionsplan gegen Steuerbetrug neue digitale Pflichten, höhere Zinsen und schärfere Kontrollen.
Am 16. Juli präsentierten Bundesfinanzminister Klingbeil und Justizministerin Hubig ein 26-Punkte-Paket. Es soll Steuer- und Finanzkriminalität bekämpfen – und setzt dabei massiv auf Digitalisierung. Für Gründer bedeutet das: mehr Bürokratie, aber auch neue Chancen.
Digitale Meldepflichten und schärfere Regeln
Ein elektronisches Meldesystem für Umsätze wird Pflicht. Wer mehr als 100.000 Euro Jahresumsatz macht, muss ab 1. Januar 2028 eine Registrierkasse nutzen. Der Staat verlängert zudem die Belegpflicht auf 15 Jahre.
Die Regierung gründet ein Gemeinsames Zentrum gegen Steuer- und Finanzkriminalität beim Zoll. Künstliche Intelligenz soll die Aufklärungsquoten erhöhen. Auch Kryptogewinne werden explizit besteuert. Die erwarteten Mehreinnahmen: eine Milliarde Euro für 2027.
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Höhere Zinsen ab 2027
Für junge Unternehmen wird es teurer. Finanzminister Klingbeil plant, den Zinssatz für Steuernachzahlungen zu verdoppeln: Statt 0,15 Prozent sollen ab 1. Januar 2027 monatlich 0,3 Prozent fällig werden. Das entspricht einem Jahreszins von 3,6 Prozent.
Bis 2031 könnte der Fiskus so jährlich über 600 Millionen Euro extra einnehmen. Kritiker fordern angesichts der Überwachungsmaßnahmen ein einfacheres Steuersystem. Geplant sind zudem bis zu 15 Jahre Haft für organisierte Steuerkriminalität.
Einkommensteuerreform bringt Entlastung
Die schwarz-rote Koalition plant eine Reform zum 1. Januar 2027. Das Entlastungsvolumen soll bis 2028 rund 10 Milliarden Euro jährlich betragen. Mittlere Einkommen profitieren, die Spitzensteuersätze steigen.
Ab 2028 liegt der Reichensteuersatz bei 45 Prozent für Einkommen ab 250.000 Euro und bei 47 Prozent ab 280.000 Euro. Für das Steuerjahr 2025 läuft die Abgabefrist am 31. Juli. Wichtig: Barzahlungen für Handwerkerkosten werden nicht anerkannt.
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Regionale Kosten steigen
In Nordrhein-Westfalen haben 140 von 396 Kommunen ihre Grundsteuer-Hebesätze erhöht. Der landesweite Durchschnitt liegt bei 764 Punkten – der höchste Wert unter den Flächenländern.
Politische Debatten belasten die langfristige Planung zusätzlich. SPD-Generalsekretär Klüssendorf fordert Freibeträge von 5 Millionen Euro für Unternehmenserben bei der Erbschaftsteuer. Die Union lehnt ab. Ein wegweisendes Urteil des Bundesverfassungsgerichts wird zum Jahresende erwartet.
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