Steuerlast auf Rekord: 53,1% Belastungsquote für Durchschnittshaushalt
Veröffentlicht: 13.07.2026 um 00:30 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Opposition fordert weitreichende Steuersenkungen und eine Reform der Energiepolitik.
Der Antrag (21/6928) sieht unter anderem die Abschaffung der CO2-Bepreisung, die Reaktivierung der Kernkraft sowie einen massiven Bürokratieabbau vor. Marc Bernhard (AfD) begründete die Forderungen mit der anhaltenden Rezession: Deutschland befinde sich seit vier Jahren in einer wirtschaftlichen Talfahrt.
Streit um die wirtschaftliche Lage
Klaus Wiener (CDU/CSU) widersprach dieser Darstellung entschieden. Er sprach von einer Stagnationsphase und verwies auf rund 3.000 Neugründungen im ersten Halbjahr 2026 – ein Drittel davon mit KI-Bezug. Michael Kellner (Grüne) konterte mit einem Höchststand bei den Insolvenzen. Sebastian Roloff (SPD) betonte die Notwendigkeit weiterer Reformen. Der Antrag wurde zur weiteren Beratung an die zuständigen Ausschüsse überwiesen.
Pendlerpauschale und Stromsteuer im Fokus
Flankierend zur Debatte wurden Forderungen nach einer Entlastung von Pendlern laut. CDU-Chef Friedrich Merz brachte eine Anhebung der Pendlerpauschale von 38 auf bis zu 45 Cent pro Kilometer ins Gespräch. Zudem plädierte er für eine Senkung der Stromsteuer. Die Vorschläge waren gestern Gegenstand von Beratungen im Koalitionsausschuss. Ziel ist es, dass die Maßnahmen noch dieses Jahr in Kraft treten.
Bereits in den vergangenen Monaten hatte die Bundesregierung punktuelle Entlastungen umgesetzt. Von Mai bis Juni 2026 wurde die Energiesteuer auf Kraftstoffe gesenkt – eine Brutto-Entlastung von rund 17 Cent pro Liter. Die Mindereinnahmen für den Bundeshaushalt beliefen sich auf 1,6 Milliarden Euro. Seit April dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen.
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Entwicklung der Energiekosten
Trotz der politischen Debatten zeigt die Kostenstruktur eine differenzierte Entwicklung. Die Netzentgelte für Gewerbestrom sind 2026 bundesweit um durchschnittlich 16 Prozent gesunken – dank eines Bundeszuschusses von 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds. Der durchschnittliche Gewerbestrompreis liegt aktuell bei etwa 27 Cent pro Kilowattstunde.
Während die Stromsteuer für das produzierende Gewerbe bereits auf das EU-Mindestniveau abgesenkt wurde, fordern Wirtschaftsvertreter weitergehende Schritte. RWE-Chef Markus Krebber und IGBCE-Chef Michael Vassiliadis drängen gemeinsam mit Unions-Politikern auf eine Verschiebung des deutschen Klimaneutralitätsziels von 2045 auf 2050. Ab 2039 ist der Wegfall kostenloser Zertifikate vorgesehen.
Steuerzahlergedenktag: Belastung auf Rekordniveau
Die Dringlichkeit der Entlastungsdebatte unterstreichen die aktuellen Zahlen des Bundes der Steuerzahler. Am heutigen Montag wird der diesjährige Steuerzahlergedenktag markiert. Die Einkommensbelastungsquote für einen Durchschnittshaushalt stieg auf 53,1 Prozent – ein Plus von 0,2 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Von jedem verdienten Euro bleiben den Bürgern rechnerisch nur 46,9 Cent.
Als wesentliche Treiber nannte der Verband gestiegene Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung, die CO2-Abgabe sowie die kalte Progression. Der BdSt fordert daher eine grundlegende Einkommensteuerreform zum 1. Januar 2027, um die Gesamtbelastung dauerhaft unter die 50-Prozent-Marke zu senken.
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Neues Gebäudemodernisierungsgesetz
Auch in der Wärmepolitik wurden Fakten geschaffen. Gestern passierte das Gebäudemodernisierungsgesetz den Bundesrat und löst damit das bisherige Heizungsgesetz ab. Die Neuregelung verzichtet auf die verpflichtende 65-Prozent-Quote für erneuerbare Energien. Stattdessen wird ab 2029 eine stufenweise Beimischung biogener Brennstoffe eingeführt.
Gleichzeitig verändern sich die Rahmenbedingungen für Sanierungswillige: Ab dem 21. Juli tritt eine neue Förderrichtlinie für Wärmepumpen in Kraft. Die maximal förderfähigen Kosten sinken von 30.000 auf 28.000 Euro. Der Klimageschwindigkeitsbonus wird von 20 auf 16 Prozent reduziert, der Effizienzbonus entfällt komplett. Die Förderung ist künftig zudem an den Nachweis gebunden, dass die Anlagen in Europa hergestellt wurden.
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