Steuerdebatte, Mehrwertsteuersatz

Steuerdebatte: Mehrwertsteuersatz soll von 19 auf 22 Prozent steigen

28.06.2026 - 21:09:58 | boerse-global.de

DIW prognostiziert nur 0,5 Prozent Wachstum und eine technische Rezession. Steuererhöhungen und eine Rentenreform werden kontrovers diskutiert.

Deutsche Wirtschaft: Rezessionsangst und Steuerdebatte 2026
Steuerdebatte - Nahaufnahme von Händen, die Münzen und einen steigenden Schulden-Grafen halten, symbolisiert steigende Kreditkosten und Schulden. 28.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ökonomen warnen vor einer technischen Rezession.

Zinswende belastet Haushalt und Staat

Die Ära billigen Geldes ist endgültig vorbei. Ökonom Henrik Müller betonte am Sonntag, dass langsam steigende Zinsen den Umgang mit Geld grundlegend verändern. Das trifft Privatleute ebenso wie den Bundesfinanzminister – die Refinanzierung von Schulden wird deutlich teurer.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zeichnet ein skeptisches Bild. Die Forscher erwarten für 2026 nur ein BIP-Wachstum von 0,5 Prozent. Für das zweite und dritte Quartal rechnen sie mit einer technischen Rezession. Hauptursachen: steigende Zinsen, der Iran-Krieg und hohe Energiepreise. Die Inflation soll bei 2,9 Prozent liegen – im Mai meldete das Wirtschaftsministerium 2,6 Prozent.

Immobilienmarkt: Stagnation in den Metropolen

Der Zinsanstieg bremst den Immobilienmarkt massiv aus. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Preise bundesweit nur noch um 1,4 Prozent. In den Metropolen betrug das Plus gerade einmal 0,3 Prozent – faktisch Stagnation. Ländliche Kreise verzeichneten dagegen noch Zuwächse von 3,6 Prozent.

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Bauzinsen von über 4 Prozent werden zur neuen Normalität. Das dürfte Nachfrage und Neubauaktivität weiter dämpfen.

Steuerdebatte: Höhere Mehrwertsteuer geplant?

Um den Staat finanziell zu entlasten, gibt es weitreichende Vorschläge. Ökonom Bert Rürup regt an, den regulären Mehrwertsteuersatz von 19 auf 22 Prozent zu erhöhen. Im Gegenzug soll der ermäßigte Satz von 7 auf 5 Prozent sinken. Ziel: 40 Milliarden Euro Mehreinnahmen pro Jahr, um Einkommen- und Körperschaftsteuer zu senken.

Das Finanzministerium plant zudem eine gezielte Erhöhung der Alkoholsteuer. Ab 2027 sollen Spirituosen und Sekt 20 Prozent teurer werden. Eine 0,7-Liter-Flasche würde dann rund 87 Cent mehr kosten. Der Fiskus könnte so 400 bis 455 Millionen Euro zusätzlich einnehmen. Bier und Wein bleiben ausgenommen.

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Rentenreform: Kapitalrente unter Beschuss

Die geplante Kapitalrente sorgt für politischen Zündstoff. Eine Studie von IMK und WSI warnt vor drastischen Folgen: Bis Anfang der 2030er-Jahre könnten bis zu 250.000 Arbeitsplätze verloren gehen und die Wirtschaftsleistung um 45 Milliarden Euro sinken.

Bundesfinanzminister Christian Lindner kritisierte Oppositionspläne zur Kapitalrente. Er pocht auf eine weltweite Diversifizierung der Anlagen. In der SPD zeichnet sich vorsichtige Unterstützung für Reformen ab – etwa eine Erhöhung der Rentenbeiträge um zwei Prozentpunkte und die Abschaffung der „Rente mit 63".

Der Koalitionsausschuss tagt am 1. Juli. Dann soll es auch um die Reform der Einkommensteuer gehen. Der Wirtschaftsflügel der Union lehnt höhere Belastungen für obere Einkommen ab – das würde vor allem den Mittelstand treffen, so die Begründung.

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