Stellenmarkt Q2: Offene Stellen um 3,9% gesunken, Gesundheit boomt
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 11:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Zahl der offenen Stellen in Deutschland ist im zweiten Quartal 2026 um 3,9 Prozent gesunken. Der Marktindex fiel von 110 auf 106 Punkte – ein Fünf-Jahres-Tief. Schuld sind eine schwache Konjunkturprognose von nur 0,5 Prozent BIP-Wachstum, hohe Energiepreise und internationale Krisen.
Gesundheitssektor boomt gegen den Trend
Während die Gesamtwirtschaft schwächelt, läuft es im Gesundheits- und Sozialwesen rund. Die Zahnmedizin legte bei den Stellenausschreibungen um satte 25,3 Prozent zu. Auch die Bereiche Therapie und Medizintechnik verzeichneten jeweils ein Plus von 3,6 Prozent.
Der Grund: Der Fachkräftebedarf in der Branche ist strukturell – und damit weitgehend konjunkturunabhängig. Die Nachfrage nach Pflegern, Ärzten und Therapeuten reißt nicht ab.
Hohe Krankenstände verschärfen die Lage
Das System steht aber nicht nur wegen fehlender Neuzugänge unter Druck. Die Beschäftigten selbst fallen überdurchschnittlich oft aus. 2024 waren Arbeitnehmer im Schnitt 22 Tage krankgeschrieben. Im Gesundheitswesen lag der Wert mit 27 Fehltagen besonders hoch – der Finanzsektor kam auf lediglich 18 Tage.
Ein Treiber: psychische Erkrankungen. Sie machten zwar nur 4,8 Prozent der Krankheitsfälle aus, führten aber mit durchschnittlich 28 Tagen zu den längsten Ausfallzeiten. Seit 2014 stiegen die Fehltage in diesem Bereich um 47 Prozent.
Der Gesundheitssektor wächst gegen den Trend – doch der Fachkräftemangel verschärft sich. Erfahren Sie, wie Sie mit beschleunigten Visa-Verfahren, psychischer Gesundheitsprävention und Azubi-Kampagnen Ihre Personaldecke sichern. Jetzt kostenlosen Strategie-Report anfordern
Die Politik reagiert: Diskutiert werden die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und eine Attestpflicht ab dem ersten Tag. Forscher warnen jedoch vor einem einseitigen Fokus auf angeblichen Missbrauch.
Schnellere Visa, mehr internationale Fachkräfte
Bis 2035 könnten im Gesundheitssektor bis zu 1,8 Millionen Fachkräfte fehlen. Kliniken und Verbände setzen daher auf beschleunigte Rekrutierung aus dem Ausland. In Baden-Württemberg verkürzte sich die Einreisedauer für Fachpersonal von 1,5 Jahren auf vier Monate. Die Kliniken Ostalb beschäftigen inzwischen fast 500 Mitarbeiter aus 79 Nationen.
Auch Institutionen wie die Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) oder die Kassenärztliche Vereinigung Berlin suchen aktuell Führungskräfte und Verwaltungspersonal.
Nachwuchssorgen in der Chemieindustrie
Hohe Krankenstände belasten Ihre Belegschaft: 27 Fehltage pro Jahr im Gesundheitswesen, psychische Erkrankungen mit 28 Tagen Ausfall. Unser Report zeigt 5 erprobte Strategien, um Fehlzeiten zu senken und Ihre Teams zu entlasten – inklusive Checkliste für internationale Rekrutierung. Fehlzeiten-Report jetzt sichern
Parallel zur internationalen Anwerbung läuft die Sicherung des eigenen Nachwuchses. In der ostdeutschen Chemieindustrie brach die Zahl der Ausbildungsplätze 2025 um 33 Prozent auf 586 Stellen ein. Arbeitgeberverbände und die Gewerkschaft IGBCE starteten deshalb eine gemeinsame Initiative. Mit Social-Media-Kampagnen und Förderprogrammen wollen sie Jugendliche für technische und medizinische Berufe begeistern.
Das Problem: Die wirtschaftliche Situation der Arbeitnehmer bleibt angespannt. Das Nominallohnwachstum sank zwischen März und Juni 2026 von 3,4 auf 2,8 Prozent. Bei einer Inflation von 2,9 Prozent blieb nur ein minimales Reallohnplus übrig – kein gutes Argument im Wettbewerb um Fachkräfte.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
